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Was wäre, wenn Basel oder das Elsass zu Risikogebieten würden?

Jonas Hirt

Von Jonas Hirt

Do, 24. September 2020 um 07:24 Uhr

Basel

Die Infektionszahlen im Elsass steigen, Teile der Schweiz sind Risikogebiete. Das könnte nicht nur Folgen für den Einkaufstourismus haben. Ein Überblick, was Grenzgänger wissen sollten.

Teile der Schweiz hat das Auswärtige Amt zum Risikogebiet erklärt. Dazu zählt auch Genf, die zweitgrößte Stadt des Landes. In Basel hingegen scheint die Lage ruhig. Auch im Grenz-Departement Haut Rhin hat sich die Lage wieder ein wenig gebessert – vor allem wenn man die Situation mit der in Straßburg vergleicht. Welche Folgen hätte es, wenn Basel oder das Elsass ein Risikogebiet werden würden? Ein Überblick.

Wie sieht die Lage bei den Nachbarn in der Schweiz aus?

Die beiden Basel verzeichnen in den vergangenen Wochen eher niedrige einstellige Fallzahlen bei den Neuinfektionen. Der Kanton Baselland bezeichnet die Lage laut einer Mitteilung als "ruhig, jedoch nach wie vor labil." Basel-Stadt (siehe Text unten) ist sicher, dass die relativ niedrigen Fallzahlen auf die ergriffenen Maßnahmen zurückzuführen sind – von Entwarnung ist nicht die Rede, sondern von Respekt vor dem Winter.

Betrachtet man die Schweiz insgesamt, gibt es dazu auch keinen Grund: Vergangene Woche, am Dienstag, erreichte die Schweiz den Grenzwert, wonach sie sich selbst zum Risikogebiet erklären müsste. In den 14 Tagen davor wurden mehr als 50 Corona-Infektionen pro 100 000 Einwohner gemeldet. Das RKI hat die besonders betroffenen Kantone Genf, Waadt und Freiburg zu Risikogebieten erklärt.

Auch einzelne Gebiete in Frankreich stehen auf der RKI-Risikoländerliste. Vor Reisen in die Region Grand Est oder in das Departement Haut Rhin wird nicht gewarnt. Im Vergleich zu Bas Rhin hat sich die Lage hier ein wenig entspannt.



Was wären die Folgen für Pendler, wenn Basel Risikogebiet wird?

Aktuell: fast keine. Die Reisewarnungen richten sich an Urlauber, nicht an Pendler. Wer als Deutscher in der Schweiz arbeitet, müsste sich nicht testen lassen oder in Quarantäne gehen, wenn er wieder deutschen Boden betritt. Der Schweizer Bundesrat räumt zudem Ausnahmeregelungen von der Quarantänepflicht in Grenzregionen ein.

Das Regierungspräsidium berichtet jedoch, dass die Landesverwaltung "mit Hochdruck" an der Vorbereitung des Falles arbeite, dass Basel und/oder das Elsass Risikogebiet(e) werden. "Ziel ist es, Lösungen zu finden, die so nachbarschaftlich wie möglich und so sicher wie nötig sind", schreibt Pressesprecherin Heike Spannagel. "Das Bundesinnenministerium hat mitgeteilt, dass derzeit nicht an Grenzschließungen gedacht wird."

Auch der Landkreis Lörrach spricht sich für offene Grenzen aus, heißt es aus dem Landratsamt Lörrach. Sollte das Infektionsgeschehen anziehen, hoffe man auf lokale Gegenmaßnahmen, zum Beispiel die Verschärfung der Maskenpflicht im öffentlichen Raum oder ein verschärftes Versammlungsverbot, statt auf eine Grenzschließung. Sollte es dazu doch kommen, geht das Landratsamt davon aus, dass es für Berufspendler, Familien, Landwirte und Schüler Ausnahmen geben wird.

Bei der Beratungsstelle Infobest verzeichne man aktuell keinen erhöhten Beratungsbedarf zu Fragen des Grenzübertritts, sagt Marc Borer, der Schweizer Referent. Er rät Grenzgängern, sich frühzeitig mit ihren Arbeitgebern in Verbindung zu setzen, um mögliche Lösungen für den Fall der Fälle zu finden – zum Beispiel für Homeoffice.



Welche Folgen hätte es für Basler, die nach Deutschland wollen?

Hier wären die Auswirkungen wohl am gravierendsten. Sollte Basel Risikogebiet werden, könnten die Einwohner nicht mehr in Deutschland einkaufen. Laut der aktuellen Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg dürfte ein Basler oder eine Baslerin zwar nach Lörrach fahren. Er darf dort aber nicht einkaufen – zumindest nicht direkt. Er muss sich 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben – auf "direktem Weg", so steht es in der Verordnung. Besuche bei Freunden sind dann tabu. Lediglich der Kontakt zu Menschen aus dem eigenen Hausstand ist dann gestattet.