Freudenberg-Bilanz

Weniger Stellen wegen der Autokrise in Südbaden

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Di, 30. März 2021 um 17:26 Uhr

Wirtschaft

Der Weinheimer Mischkonzern hat die Zahl der Arbeitsplätze an seinen südbadischen Standorten verringert. Insgesamt hat das Unternehmen die Corona-Krise aber gut verkraftet.

Die Krise der Automobilindustrie in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres hat sich auch in den südbadischen Standorten des Mischkonzerns Freudenberg niedergeschlagen. Das geht aus den am Dienstag vorgelegten Geschäftszahlen für 2020 hervor. Sowohl in Görwihl-Oberwihl als auch in Neuenburg wurde kurz gearbeitet. Im Markgräfler Land war die Produktion von Schwingungsdämpfern, Isolatoren und Tilgern zeitweise stillgelegt. In beiden Werken hat die Zahl die Zahl der Arbeitsplätze abgenommen. In Neuenburg sind 579 Mitarbeiter beschäftigt, 64 weniger als im Vorjahr. In Görwihl-Oberwihl im Hotzenwald arbeiten 323 Menschen – 18 weniger als im Vorjahr. Die Belegschaft dort fertigt O-Ringe. Das sind Dichtungsringe, die unter anderem in der Autoindustrie eingesetzt werden.

Die Sparte Dichtungs- und Schwingungstechnik von Freudenberg war vom wirtschaftlichen Einbruch am stärksten betroffen. Ihr Umsatz sank von 5,3 Milliarden Euro auf 4,6 Milliarden Euro (siehe Grafik). Dagegen legten andere Geschäftsfelder zu. Bei den technischen Textilien und der Filtration profitierte das Unternehmen von dem Bedürfnis nach wirkungsvollem Schutz gegen das Covid-19-Virus. Die Reinigungsprodukte (Vileda) verzeichneten ebenfalls ein Umsatzplus. Filter und Reinigungstücher schufen so einen Ausgleich zum Rückgang im industrienahen Geschäft: "Diese unterschiedlichen, oft gegenläufigen Entwicklungen zeigen, wie wichtig die breite Aufstellung von Freudenberg ist", sagte Konzernchef Mohsen Sohi. Ein klares Bekenntnis zur Diversifikation, obwohl derzeit die Konzentration auf nur ein Geschäftsfeld bei vielen Unternehmen wieder in Mode ist.

Sohis Fazit der vergangenen zwölf Monate: "Wir haben die Krise bislang vergleichsweise gut gemeistert." Trotz des starken Einbruchs der Weltwirtschaft verzeichnet das Familienunternehmen nach wie vor einen staatlichen Gewinn. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen lag bei rund 670 Millionen Euro. Das entspricht einer Umsatzrendite von 7,6 Prozent. Im Vorjahr lag der Betriebsgewinn noch bei 820 Millionen Euro. Der Konzernumsatz ging von 9,5 Milliarden Euro auf 8,8 Milliarden Euro zurück. Die Zahl der Mitarbeiter sank von weltweit 48 851 auf 47 777, in Deutschland waren davon 11 625 beschäftigt(Vorjahr 11398).

Für 2021 ist Sohi vorsichtig. Obwohl viele von einem rasanten, globalen Aufschwung sprechen, geht er von einer verhaltenen Erholung der Geschäftsentwicklung in den relevanten Märkten aus. Klar ist für den Freudenberg-Chef: "Das Vorkrisenniveau wird aber erst in einigen Jahren erreicht werden." Den Kohlendioxid-Ausstoß will Freudenberg bis 2025 um 25 Prozent sinken.