Gastronomie

Zwei, die sich gefunden haben: Daniel Blum und Marcel Weiß vertreiben den Goldbrenner-Gin

Anita Fertl

Von Anita Fertl

So, 19. Januar 2020

Gastronomie

Der Sonntag Daniel Blum und Marcel Weiß destillieren in Bahlingen ihren eigenen Goldbrenner-Gin .

Daniel Blum hatte eine Schnapsidee: Der damals 22-Jährige wollte seinen eigenen Gin produzieren und suchte im Kaiserstuhl nach dem passenden Geschäftspartner. Eigentlich hatte er schon aufgegeben. Wie er ihn schließlich doch noch fand? Durch eine wahrlich goldene Eingebung.

Durch den gesamten Kaiserstuhl war Blum auf der Suche nach einem Schnapsbrenner schon getingelt und kurz davor, unverrichteter Dinge wieder abzuziehen. Dann wurde sein Blick magisch angezogen von einer goldenen Schrift: "Rosen & Wein" prangte da auf roter Fassade, und: "Weingut Destillerie Rosenhof". Die goldenen Lettern weckten Kindheitserinnerungen an den Opa, der als Malermeister und Kirchenrestaurator die Leidenschaft seines Enkels, schöne Dinge mit Blattgold zu überziehen, unterstützte. " Ich habe gedacht: Wer so viel Geld für eine schöne Fassade ausgibt, der hat ein Gefühl für Wertigkeit."

Hinter der Fassade wurde er tatsächlich fündig: Marcel Weiß hatte die Ausbildung zum Destillateur in der Tasche und war als studierter Getränketechnologe gerade in den elterlichen Betrieb zurückgekehrt. Perfekt! Mit ihm als Partner wollte Blum nun für seine frisch gegründete Firma "Gineffect" einen guten Gin entwickeln und selbst die Vermarktung übernehmen. "So ein Gespann konnte ich mir auch gut vorstellen", sagt der 28-jährige Weiß, der sich auf die Herstellung von Obstbränden spezialisiert hat.

"Ich dachte anfangs: Warum Gin machen? Der Kaiserstuhl bietet so gute Obstbrände, Hefeweinbrände. Aber Gin ist auf jeden Fall jugendlicher", so Weiß, der von der Kaiserstühler Landschaft, vom fruchtbaren Boden und perfekten Klima schwärmt, von den Weingütern, Brennereien und Genussmanufakturen. Und Blum fasst zusammen: "Gin ist ein guter Einstieg. Wir verkaufen ja nicht nur Gin, sondern die Emotion Kaiserstuhl."

Zurück auf den Rosenhof, im Mai 2017, wo es Schlag auf Schlag geht, an einem besonderen Abend in Bahlingen: Auf den Holztisch kommen Dutzende Gins. Die beiden entkorken Flaschen, schnuppern, schauen, schwenken, riechen Aromen heraus, erschmecken Texturen und probieren sich auf der Suche nach der passenden Stilistik durch die verschiedenen Sorten. Sie kosten, werden sich einig über die Aromen. "Wir verraten nicht alle", sagt Weiß über das frisch-limettige Ergebnis jener Probiernacht.

Neben den obligatorischen Wacholderbeeren verwenden die beiden Limettenschalen, Minze und Koriander. "Der Rest ist unser Geheimnis", sagt Blum und schmunzelt. Heraus kam im Juli 2017 ein eigenhändig destillierter, naturtrüber weil unfiltrierter Gin. Der Name "Goldbrenner" ist inspiriert vom Opa: "Spaß und Leidenschaft, Ehrgeiz, Ehrlichkeit und Kreativität, das hat er mir beigebracht. Das Gold ist die Verbindung, auch über der Haustür vom Rosenhof: Gold für den Großvater, Brenner für den Marcel", sagt Blum.

Seither ist viel passiert. Der Gin der beiden Spirituosenvirtuosen kam und kommt an. Zweimal monatlich wird das Holzfeuer unter der Destille im Rosenhof entfacht und der Goldbrenner-Gin destilliert. Im Monat mehrere 100 Liter. Der Firmensitz ist mittlerweile nach Riegel umgezogen. Dort gibt es einen Tasting-Raum, in dem neben Gin- auch Schnapsproben mit Vesper angeboten werden.

Und wenn im Rosenhof wieder Brennen angesagt ist, sitzen die beiden nicht mehr alleine, sondern mit weiteren Leuten um den Tisch, schälen ganze Berge von Limetten. Von Hand.
Gineffect Daniel Blum und Marcel Weiß, Ziegelhöfe 4, Riegel, http://www.gin-effect.com