ANDREAS ZEYER VOM SC

Aufgezeichnet von David Weigend

Von Aufgezeichnet von David Weigend

Sa, 06. Juni 2020

SC Freiburg

"Es war der 7. Mai 1994, ein sonniger Samstag. Showdown beim letzten Saisonspiel in Duisburg. Wir waren schon so gut wie abgestiegen und mussten gewinnen, um doch noch in der ersten Liga zu bleiben. 8000 Freiburger Fans waren ins Ruhrgebiet mitgereist und unterstützten uns von der ersten Minute an enthusiastisch. Das kam bei uns an. In der 40. Minute erzielte Martin Spanring das 1:0. Dann die 75. Minute: Ein schön herausgespielter Ball landet bei mir ungefähr am Sechzehner, ich chippe den Ball von halbrechts ins linke Toreck – 2:0. Es war die Entscheidung. Gleichzeitig verlor Nürnberg in Dortmund mit 1:4, was für uns den Klassenerhalt bedeutete. Nach Abpfiff gab es kein Halten mehr. Die Fans stürmten den Platz, küssten den Rasen und fielen uns Spielern um den Hals. Riesenfreude, Erleichterung, eine große, gemeinsame Party. Natürlich gab es auch weniger schöne Situationen. Ich habe eine bestimmte Spielweise verkörpert, die damals typisch für den SC war: Den Ball nicht immer direkt nach vorn bolzen, sondern kontrollieren; lieber nochmal querspielen oder die Seite wechseln und auf die bessere Chance warten. Das war unsere Mentalität in den 90er Jahren. Die Kehrseite: Manchmal sprangen dabei kaum Torchancen heraus. Das verursachte Unmut bei einigen Freiburger Fans. In solchen Spielen habe ich gemerkt: Wenn ich mich zum zweiten Mal gedreht habe, kam das Geraune von den Zuschauern, auch Pfiffe und Beschimpfungen. Egal war mir das natürlich nicht. Ich habe trotzdem versucht, mich zu konzentrieren. Aber selbst der mental stärkste Spieler wird es nicht schaffen, eine annehmbare Leistung abzuliefern, wenn sich die Zuschauer gegen ihn richten."

Andreas Zeyer gilt als einer der wichtigsten Spieler des SC Freiburg der Finke-Ära. Heute leitet der 51-Jährige einen Stahlbaubetrieb auf der Ostalb.