Positives Fazit einer schwierigen Saison

Breisacher Festspiele gingen zu Ende

Frank Kreutner

Von Frank Kreutner

So, 12. September 2021 um 15:25 Uhr

Breisach

Mit der letzten Aufführung des "Tapferen Schneiderleins" ging am Sonntag die Breisacher Festspielsaison zu Ende. Es war eine in vielerlei Hinsicht besondere Spielzeit.

Als "Sondersaison 2021" haben die Festspiele Breisach ihre diesjährige Spielzeit von Beginn an bezeichnet und damit klar zum Ausdruck gebracht, dass diese Saison im Zeichen der Pandemie in der fast hundertjährigen Geschichte des Vereins eine Sonderstellung einnehmen wird. Dennoch konnten die Verantwortlichen der Breisacher Festspiele jetzt eine erstaunlich positive Bilanz dieser Saison ziehen.

Dem Vorsitzenden der Breisacher Festspiele, Mirco Lambracht, ist im Gespräch anzumerken, wie schwierig und auch belastend das ehrenamtliche Engagement für die Festspiele in den vergangenen anderthalb Jahren war. Lambracht erinnert daran, dass bereits Ende März 2020 die Saison mit den geplanten Theaterstücken "Don Quijote" und "Heidi" aufgrund der behördlichen Vorgaben abgesagt werden musste. Wie bei allen Kulturschaffenden setzte man deswegen auch bei den Breisacher Festspielen zunächst große Hoffnungen auf eine weitgehend "normale" Spielzeit 2021. Die im Oktober 2020 einsetzende zweite Coronawelle machte diese Hoffnungen aber sehr schnell zunichte und so stand die Vorstandschaft im Februar 2021 vor der Aufgabe, die grundlegenden Entscheidungen für die anstehende Saison zu treffen. Dabei einigte man sich auf ein Vorgehen, das sich in der Rückschau als tragfähig erwiesen hat. Man beschränkte sich auf ein Theaterstück, in dem die Akteure des Abendstücks gemeinsam mit den Nachwuchsschauspielerinnen und -schauspielern des "Jungen Theaters" auf der Bühne agieren sollten. Wichtige Grundsatzentscheidungen wurden auch bezüglich der wirtschaftlichen Risiken getroffen. Man beschloss, die Inszenierung so anzulegen, dass bereits 100 Zuschauer auf der 748 Sitzplätze bietenden Tribüne die entstehenden Kosten decken müssen und schließlich durfte auch eine erneute Totalabsage der Saison die Existenz des Vereins nicht gefährden.

Keine Abstriche beim Qualitätsanspruch

Von diesen Prämissen ausgehend entwickelte sich die aktuelle Spielsaison erstaunlich positiv. Pro Vorstellung konnten die Festspiele unter Berücksichtigung ihres Hygienekonzepts 240 Plätze und damit ein Drittel der Gesamtkapazität an Sitzplätzen anbieten. Und seit der Premiere des Märchenstücks am 10. Juli war der größte Teil der Aufführungen ausverkauft. Das bedeutet, dass deutlich mehr Einnahmen erzielt werden konnten, als kalkuliert war. Und auch von seinem künstlerischen Ansatz her hat das "Märchenstück ohne Worte" bei Erwachsenen wie Kindern große Begeisterung ausgelöst. "Ich gehe davon aus", so Lambracht, "dass sich bei den Besuchern die Zahl der Erwachsenen und der Kinder praktisch die Waage hält." "Es ist eine große Freude", berichtet Lambracht, "mit welcher Begeisterung die Kinder bei unseren Aufführungen geradezu ’mitspielen’!"

Was von den Breisacher Festspielern vor und hinter der Bühne geleistet werden musste, um jetzt dieses positive Fazit ziehen zu können, ist immens. Lambracht nennt dabei unter anderem auch die Sponsoren des Vereins, die ihre Unterstützung nicht nur aufrecht erhalten, sondern teilweise auch erheblich erweitert haben. "Das hat dazu geführt, dass wir praktisch unsere gesamten Fixkosten mit den Sponsorengeldern decken konnten." Ein wesentlicher Baustein ist auch das von Stefanie Fleischer in Zusammenarbeit mit der Freiburger Uniklinik erarbeitete Hygienekonzept, das Besuchern und Akteuren ein besonders hohes Maß an Schutz garantierte.

Um Kosten einzusparen, wurde auf die professionellen externen Kräfte bei Maske, Kostüm- und Bühnenbild verzichtet, ohne dass man dabei den hohen Qualitätsanspruch der Festspiele geopfert hätte. Dafür sorgte Regisseur Peter W. Hermanns, der in einem bewundernswerten Kraftakt auch diese Bereiche abdeckte.

Eine ganz besondere Herausforderung war, so Lambracht, vor allem auch der Zeitdruck, dem alle Akteure ausgesetzt waren. In knapp sechs Wochen musste alles erarbeitet werden. Für die Schauspielerinnen und Schauspieler bedeutete das tägliche Proben, in manchen Wochen ohne einen einzigen Tag Pause. Auch an Urlaub war laut Lambracht in diesem Jahr nicht zu denken, weil man wegen des späten Premierentermins keine Sommerpause bei den Aufführungen einplanen konnte. Auch das tägliche Testen gehörte in der Probenphase zum Alltag der Akteure. Trotzdem erreichte die Verantwortlichen zwei Wochen vor der Premiere die Hiobsbotschaft, dass zwei Schauspieler als Kontaktpersonen ersten Grades in Quarantäne mussten. Nur eine Änderung der Quarantänepflicht für Geimpfte, die am 1. Juli in Kraft trat, ermöglichte dann doch noch den pünktlichen Premierenstart.

Parallel zur Probenarbeit auf der Bühne musste eine Vielzahl von Helferinnen und Helfern zur Umsetzung des Hygienekonzeptes während der Aufführungen rekrutiert werden und auch während der Spielzeit war, ausnahmsweise einmal nicht wegen Corona, hohe Flexibilität gefordert. So musste der Darsteller Frank Ganz wegen einer Verletzung schon nach wenigen Wochen ersetzt werden, was durch einen doppelten Rollentausch von Lion Ganz und Eduard Dewaldt bewerkstelligt werden konnte.

Premiere der besonderen Art

Weil die Belastungen für alle Beteiligten in diesem Jahr extrem hoch waren, zeigte sich Lambracht besonders erfreut darüber, dass es in der letzten Augustwoche zu einer Premiere der besonderen Art kommen konnte. Unter dem Motto "Festspiele für Festspieler" wurde "Das tapfere Schneiderlein" eigens für die Mitglieder des Vereins aufgeführt und im Anschluss daran ein gemütliches Beisammensein organisiert. Für Lambracht eine wichtige Veranstaltung, um den Zusammenhalt zu stärken, denn er beschäftigt sich gedanklich bereits mit der Saison 2022. Der Vorsitzende der Festspiele sorgt sich, dass vor allem beim Jugendstück die Zahl der Mitwirkenden zurückgehen könnte. Es sei durchaus denkbar, dass so manche Familie im Jahr 2020 die Annehmlichkeiten eines Frühjahrs und Sommers ohne Verpflichtungen kennen- und schätzen gelernt haben könnten.