Tag des offenen Denkmals

Das 200 Jahre alte Palais Wunderlich in Lahr wurde aufwändig saniert

Wolfgang Beck

Von Wolfgang Beck

Mo, 14. September 2020 um 20:00 Uhr

Gastronomie

Als ein Beispiel Lahrer Wirtschafts- und Sozialgeschichte kann das Palais stehen. Wo einst Wein und Tabak gelagert wurden, sind Ferienappartements und ein Gewölbekeller für Veranstaltungen entstanden.

Am Tag des offenen Denkmals kamen zahlreiche Besucher, um das 200 Jahre alte Patrizierhaus samt Anwesen zu besichtigen. Bereits am vergangenen Donnerstag hatte Wirtschaftsstaatssekretärin Katrin Schütz mit Mitarbeiter der Landesdenkmalpflege dem Anwesen einen Besuch abgestattet.

Das Palais Wunderlich in der Kaiserstraße war über vier Jahre saniert worden. Das Ehepaar Alexander und Alexandra Hugenberg aus München hatte viele Millionen Euro dafür investiert, eine genaue Summe wurde nicht genannt. Die neuen Eigentümer haben mit einem feinen Gespür für die historische Bausubstanz aus dem 200 Jahre Gebäude, das viele Jahre als Fabrik diente, wieder in das ursprüngliche Stadtpalais mit zwei Seitenflügeln zurückverwandelt.

Feines Gespür für die historische Bausubstanz

In vierjähriger Umbauzeit und vielen Stunden Fleißarbeit ist aus dem historischen Gebäude, Baujahr um 1800, wieder ein Palais entstanden, der Historisches und Moderne verbindet. Dank dieser privaten Initiative, so urteilte die Landesdenkmalpflege, sei der Öffentlichkeit ein bemerkenswerter Teil der Lahrer Wirtschafts- und Sozialgeschichte erhalten geblieben. Einen Einblick in die Geschichte des Anwesens bot Alexander Hugenberg (50). Der Jurist und Banker aus München, der ursprünglich aus dem hohen Norden stammt, hat eine Vorliebe für alte Häuser. Mit seiner österreichischen Frau Alexandra will er die Idee eines "innovativen Living- und Eventkonzepts in Lahr" umsetzen. Er spannte den geschichtsträchtigen Bogen zurück zum Kolonialwarenhändler Carl Wunderlich, der 1798 das Stadtpalais samt Garten im barocken Stil erbaute. Etwa sechs Jahre später wechselte das Gebäude den Besitzer und wurde 1847 an den Unternehmer Adolf Friedrich Bader verkauft. Er betrieb dort eine Zigarrenfabrik mit über 200 Mitarbeitern, diversen Niederlassungen und weltweit erfolgreichem Export.

1918 wechselte das Haus abermals den Besitzer, erläuterte Hugenberg.

Anwesen für rund eine halbe Million gekauft

Hermann Otto Fehr war in Lahr als Weinhändler im Stadtpalais tätig. Von dessen Enkeln haben Hugenberg 2013 das Anwesen für rund eine halbe Million Euro erworben. "Ich bin zufällig über ein Inserat darauf gestoßen", sagte der neue Eigentümer. Mit einem Team von Beratern und Kennern des Denkmalschutzes habe er sich ans Werk gemacht, um die früheren Lager- und Produktionsgebäude, die alle in einem desolaten Zustand waren, grundlegend zu sanieren. Aus der Idee sei eine Herkulesaufgabe geworden, erzählte Alexander Hugenberg beim Rundgang durch das Haus.

Entstanden sind zwölf Ferienappartements; der Gewölbekeller kann für Kulturveranstaltungen und private Anlässe gebucht werden. Daneben verfügt das Haus – das über vier Stockwerke geht, die über Holztreppen zu erreichen sind – über vier Mietwohnungen (in einer wohnen die Hugenbergs), eine Tiefgarage mit zwölf Stellplätzen, einen Gartensalon (früher Hühnerstall), einen Caterer-Keller mit einem großen Bestand an Weinen aus der Region sowie einen idyllischen Garten zum Verweilen. Noch nicht ganz fertig ist das Kaffeehaus gleich neben dem Haupteingang in der Kaiserstraße, das Alexandra Hugenberg ihre "Lobby" nennt, in der die Besucher in gemütlicher Runde plaudern und einen Kaffee trinken können.

Schwierige Suche nach Handwerkern

"Es gehört Mut dazu, so etwas in Angriff zu nehmen", sagte Oberbürgermeister Markus Ibert anerkennend. Dass die Sanierung arbeits- und zeitintensiv war, viel Geld gekostet habe und Teamarbeit erforderte, bescheinigten Claus Wolf und Monika Loddenkemper von der Landesdenkmalpflege. Über viele Stiegen wurden die Besucher durch das außergewöhnliche Haus geführt, über das Hugenberg sagte, dass er es sich nicht hätte vorstellen können, dass es am Ende so ein Juwel werden würde. Viele Details sind sichtbar, aber auch der gelungene Spagat zwischen Alt und Neu, der sich in der Handwerkskunst historischer Gebäudesanierung osteuropäischer und deutscher Helfer zeigte. "20 Leute haben mit den Händen den alten Putz herunter gerissen", erzählte Hugenberg von dem schweißtreibenden Akt, die Sandsteine im Gewölbekeller fachgerecht zum Vorschein zu bringen. Dass nicht alles glatt ging, und es in den vier Jahren schwer war, überhaupt geeignete Handwerker zu finden, machte Hugenberg ebenfalls deutlich. Und schließlich: "Ich bin auch finanziell an meine Grenzen gekommen", räumte Hugenberg ein und verriet nur, dass er am Palais Wunderlich wohl noch die nächsten 30 Jahre abbezahlen müsse.

Im April 2020 sei das Palais Wunderlich noch gut gebucht gewesen, danach hat auch den Eigentümern Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Jetzt haben wir wieder eine große Nachfrage", zeigte sich Alexander Hugenberg aber optimistisch für die Zukunft. Vor allem Holländer seien unter den Touristen, aber auch Gäste aus Bayern und Baden-Württemberg sowie anderen Teilen Deutschlands.
Weitere Infos gibt es unter http://www.palais-wunderlich.de. Ein Video ist unter http://mehr.bz/videopalais zu sehen.