"Das Schönste sind die Lager"

Jakob Etzold, Tessa Möllinger und Anna van der Post, Klasse 4b, Lorettoschule

Von Jakob Etzold, Tessa Möllinger und Anna van der Post, Klasse 4b, Lorettoschule (Freiburg)

Fr, 27. November 2020

Zisch-Texte

ZISCH-INTERVIEW mit Ron Stendel, Pfadfinderleiter beim Stamm Guy de Larigaudie der Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg .

Die Zisch-Reporter Jakob Etzold, Tessa Möllinger und Anna van der Post aus der Klasse 4b der Lorettoschule in Freiburg sind begeisterte Pfadfinder. In einer Gruppenstunde haben sie ihrem Pfadfinderleiter Ron Stendel einige Fragen zum Pfadfinderdasein gestellt.

Zisch: Seit wann bist du bei den Pfadfindern?
Stendel: Ich bin vor 15 Jahren als Wölfling mit sieben Jahren hier in den Stamm zu den Pfadfindern gekommen.

Zisch: Wie bist du zu den Pfadfindern gekommen?
Stendel: Mein Vater hatte eine Patientin, die wiederum ihr Kind hier im Stamm hatte. Meine Eltern haben nach einer Jugendgruppe gesucht. Zuerst war die Überlegung, zum Alpenverein zu gehen. Das hat aber irgendwie nicht gepasst und dann war das quasi eine Mund-zu-Mund-Empfehlung. Also bin ich über den Buschfunk zu den Pfadfindern gekommen.

Zisch: Warum bist du Leiter geworden?
Stendel: Das hat mehrere Gründe. Es ist schwierig, den wichtigsten Grund so auf Anhieb zu nennen. Die schöne Zeit, die ich hier erlebt habe und dieses familiäre Gefühl, was etwas ganz Besonderes ist, möchte ich gerne weitergeben. Dann habe ich auch ziemlich schnell am Anfang gemerkt – zuerst ist man Schnupperleiter, man kann sich also erst einmal unverbindlich ein bisschen ausprobieren – dass ich in meiner Leiterzeit mindestens nochmal so viel gelernt habe wie in den ganzen Jahren davor. Es ist auch ganz toll, mit Kindern zu arbeiten. Kinder können ein ganz ehrlicher und direkter Spiegel sein für Erwachsene. Man lernt sich selbst dabei ganz neu kennen.

Zisch: Was gefällt dir an den Pfadfindern am besten?
Stendel: Die Gemeinschaft gefällt mir sehr . Ich finde es ganz toll zu sehen, wie Kinder und Erwachsene miteinander in einer Gruppe umgehen, wie wichtig man sich über die Jahre wird. Ich mag auch den Umweltgedanken. Ich denke, das ist ein ganz aktuelles Thema, mit der Umwelt zu leben und nicht nur die Natur zu konsumieren.

Zisch: Was gefällt dir nicht so gut?
Stendel: Ich habe schon Pfadfindergruppen getroffen, bei denen es mir dann sehr unangenehm war, dass ich auch die Kluft anhatte, weil die sich sehr an alte Gepflogenheiten und Regeln geklammert haben. Natürlich zieht eine Gruppe, in der man eine Kluft wie eine Uniform trägt, komische Leute an. Und dann gibt es natürlich auch Gruppen, bei denen man sich denkt: Warum sind die ausgerechnet bei den Pfadfindern und nicht woanders?

Zisch: Was ist dein Lieblingspfadfindersong?
Stendel: Erstmal finde ich es ganz schön und wichtig – und das muss man mal herausheben – dass die Pfadfinder eine ganz eigene Singkultur haben. Es gibt ganz viele Pfadfinderlieder, die man auch außerhalb der Pfadfinder nicht unbedingt kennt. Man kann sich mit diesen Liedern auch untereinander als Pfadfinder wiedererkennen. Es gibt einige Abendlieder, die mir sehr gut gefallen. Ein richtiges Lieblingslied habe ich nicht. Ich würde sagen, mir gefallen alle Pfadfinderlieder sehr gut, weil sie nicht kommerziell sind.

Zisch: Hast du noch andere Hobbys außer Pfadfinder?
Stendel: Ja, das meiste hat mit Musik und Natur zu tun. Ich spiele Cello, ich singe gerne. Was Sport angeht, war ich lange im Schwimmverein. Ansonsten hat meine Freizeitgestaltung vor allem mit Natur und Bewegung und Gesang zu tun.

Zisch: Was war dein schönstes Pfadfindererlebnis?
Stendel: Das ist auch wieder schwierig zu sagen. Da gibt es mehrere. Ich mag große Lager, wo viele Pfadfindergruppen aufeinandertreffen. Ganz, ganz wichtig ist für mich der rheinische Singwettstreit. Ich mag große Auslandsfahrten. Dann gibt es aber manchmal auch ganz kleine Lager, bei denen man nur zu fünft ist, in der eigenen Gruppe, die man dann einfach nicht aus dem Kopf verliert. Das ist ganz schwer zu sagen, woran das liegt, dass manche Erlebnisse für immer in Erinnerung bleiben.

Zisch: Was macht man bei den Pfadfindern?
Stendel: Die Pfadfinder haben ein Konzept. Pfadfinder sind eine Erziehungsmethode, das heißt, es geht darum, dass Kinder zu selbstbestimmten und verantwortlichen Bürgerinnen und Bürgern erzogen werden. Ganz wichtig bei den Pfadfindern ist die Selbstbestimmung. In den Gruppenstunden sieht das dann so aus, dass die Kinder und Jugendlichen es selbst in der Hand haben, was sie machen wollen. Es wird viel gespielt, es wird gebastelt, es gibt Pfadfindertechniken, wir lernen etwas zur Pfadfindergeschichte – aber auch aktuelle und wichtige gesellschaftliche Themen werden miteinander besprochen.

Zisch: Warum würdest du einem Kind empfehlen, zu den Pfadfindern zu gehen?
Stendel: Ich kann das den meisten Kindern sehr herzlich empfehlen, weil es sehr gut und wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung ist, und weil man Vieles lernen kann, was wichtig für das ganze Leben ist. Ich bin sehr jung, aber ich habe jetzt schon oft gemerkt, wie die Pfadfinder mir im Privaten, aber auch wenn man mal ein Bewerbungsgespräch hat, weiterhelfen können.

Zisch: Was macht dir am meisten Spaß?
Stendel: Das meiste macht mir ganz viel Spaß. Ich kann gar nicht sagen, dass ich eine Lieblingssache habe, die mir am meisten Spaß macht. Ich denke, dass die Lager das Wichtigste sind, also im Zelt unterwegs zu sein, draußen auf eine Hütte zu fahren, da passiert am meisten. Zu sehen, wie man sich selbst verändert, wenn man für längere Zeit unter einfachsten Bedingungen unterwegs ist, aber auch wie Kinder sich entwickeln, wie Kinder sich kennenlernen, das ist ein Riesensprung von der Gruppenstunden zum Lager. Deshalb denke ich, alle Lager sind die schönsten Erlebnisse bei den Pfadfindern.