Offenburg

Die Hochschule fordert mehr Geld

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mo, 19. August 2019 um 10:35 Uhr

Offenburg

Weil die Zahl der Studienangebote in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sei, ebenso die Zahl der Studierenden, ist mehr Geld notwendig.

Die Rektorenkonferenz der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Baden-Württemberg, zu denen auch die Hochschule Offenburg gehört, fordert vom Land mehr Geld und Planungssicherheit. Nur so könnten die HAW sich den künftigen Herausforderungen erfolgreich stellen, hieß es bei der jährlichen Klausurtagung. Im Einzelnen fordern die HAW, die rückläufige Finanzierung der vergangenen Jahre durch zusätzliche 1000 Euro im Jahr pro Studentin und Student zumindest teilweise zu kompensieren.

Zudem sollten alle befristeten Programmmittel in die Grundfinanzierung überführt werden. Und in Zukunft sollte es eine jährliche Dynamisierung der dann erreichten Gesamtfinanzierung auf auskömmlichem Niveau – um drei Prozent – geben. Schon vor mehr als einem Jahr hatten die HAW laut Mitteilung der Hochschule Offenburg gegenüber dem zuständigen Ministerium auf die negativen Folgen des aktuellen Finanzierungskonzepts – eine Steigerung der Grundfinanzierung aller Hochschulen um jährlich drei Prozent – hingewiesen. Diese hätten insbesondere für jene Hochschulen erhebliche Nachteile, die die ambitionierten hochschulpolitischen Ziele des Landes durch die Entwicklung zusätzlicher, attraktiver und zukunftsorientierter Studienangebote maßgeblich getragen haben – und das seien vor allem die HAW.

Das Ergebnis im Vergleich zu 2007: Die Studierendenzahl sei stark gestiegen, alleine an der Hochschule Offenburg habe sie sich seit dem Sommersemester 2007 fast verdoppelt: von 2088 auf 4112 Studierende. Viele befristete Stellenverhältnisse seien hinzu gekommen, die Aufgaben seien starken gewachsen. Umgekehrt stünden den HAW inflationsbereinigt in Sachen Landesfinanzierung jährlich rund 1000 Euro weniger pro Studentin und Student zur Verfügung, ein Rückgang von etwa 15 Prozent.

Ein erfolgreicher Abschluss der aktuellen Finanzierungsverhandlungen im Sinn unserer Forderungen ist für die Zukunftsfähigkeit unserer Hochschulen ein Muss."

Bastian Kaiser, Vorsitzender der HAW-Landesrektorenkonferenz

Die Entscheidung des Wissenschaftsministeriums 2016 zur Bund-Länder-Vereinbarung, zehn Prozent der Bundespaktmittel in den neuen Fonds "Erfolgreich studieren in Baden-Württemberg (FESt-BW)" einfließen zu lassen, habe die Finanzsituation noch verschärft. Dies treffe die ausbaustarken Hochschulen – und damit Offenburg – ganz besonders: So würden dadurch alleine der hiesigen Hochschule 1,5 Millionen Euro für die Infrastruktur des Studienbetriebs entzogen. Da sie in der wettbewerblichen Ausschreibung des FESt-BW überaus erfolgreich sei, bekomme sie das Geld zwar wieder zurück, nur eben jetzt zweckgebunden.

"Eigentlich sind die Aufgaben und Perspektiven der HAW noch nie so groß und spannend gewesen wie heute", erklärte Rektor Lieber (siehe "Menschen"). "Um diese jedoch nutzen zu können, muss das Land den Rahmen schaffen, die Finanzierung deutlich erhöhen und planungssicher machen. Die Bundesregierung hat in ihrer Vereinbarung mit den Ländern deutliche Zeichen gesetzt. Jetzt ist es auch am Land, diese Signale an die Hochschulen weiterzugeben und damit seiner hochschulpolitischen Verantwortung gegenüber der nächsten Fachkräftegeneration gerecht zu werden."
Hochschulen im Land

Mehr als ein Drittel der Studierenden in Baden-Württemberg (Ba-Wü) sind an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) eingeschrieben – darunter jede zweite zukünftige Ingenieurin und Ökonomin und jeder zweite zukünftige Ingenieur und Ökonom sowie mehr als zwei Drittel der ebenfalls dringend benötigten Fachkräfte in sozialen Berufen.

Lieber bezog sich damit auf den kürzlich erzielten Abschluss des "Zukunftsvertrags Studium und Lehre stärken". Darin verpflichtet sich der Bund, von 2021 bis 2023 jährlich 1,88 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Ab 2024 werde die Summe auf 2,05 Milliarden Euro steigen. Die Länder steuern jeweils die gleiche Summe bei. Der Vertrag schließe an den auslaufenden Hochschulpakt 2020 an, dessen Gelder gerade für die ausbaustarken Hochschularten von großer Bedeutung sind. "Ein erfolgreicher Abschluss der aktuellen Finanzierungsverhandlungen im Sinn unserer Forderungen ist für die Zukunftsfähigkeit unserer Hochschulen ein Muss", betonte auch der Vorsitzende der HAW-Landesrektorenkonferenz, Bastian Kaiser.

Die Hochschulräte – die Aufsichtsräte der Hochschulen – unterstützen die HAW-Forderungen ebenfalls: Diese seien angesichts der Lage dringend geboten und mindestens angemessen, erklärten sie. Die oft aus Unternehmen im Land kommenden Räte betonten die besondere Bedeutung der Innovationspotentiale der HAW-Forschung und deren Transferleistungen, die gerade der mittelständischen Wirtschaft den Rücken stärkten.