BZ-Serie "Gemüse & Co" (Teil 4)

Die kulinarische Migrationsgeschichte von Kürbis und Tomate

Petra Kistler

Von Petra Kistler

Mi, 21. Oktober 2015 um 10:39 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Auberginen, Zucchini, eingelegte Oliven, Kürbis – was vor 50 Jahren noch als exotisch galt, ist in den deutschen Küchen selbstverständlich geworden. Dafür haben Migranten gesorgt. Eine Spurensuche.

Tomaten? "Die gab es. Aber nur eine Sorte: die normalen, runden Tomaten", erinnert sich Zehra Akyürek, Jahrgang 1967, an ihre Kindheit in Eichstetten. Flaschentomaten? Fleischtomaten? Fehlanzeige! Grüne Tomaten? Die galten als giftig. Die Vielfalt kam erst Jahrzehnte später.

Feldsalat, Rote Bete, Karotten, Kartoffeln, Wirsing – solch bodenständiges Gemüse füllte die Mägen der ersten Gastarbeitergeneration. Aber was war mit der Seele? Die vermisste die dunkelviolett schimmernden Auberginen, die kleinen Zucchini, den roten Spitzpaprika, gar nicht zu reden von all den Bohnen, getrockneten Kichererbsen oder den in Salzlake eingelegten Weinblättern. "In der türkischen Küche sind die gefüllten Weinblätter der Höhepunkt jeder Vorspeisentafel", erklärt Zehra Akyürek, deren Schwärmerei kein Ende mehr finden will.

Schon die Suche nach dem "richtigen" Reis war ein kleines Abenteuer. "Nicht den gelben Reis mit dem schwarzen Mann", wurde die kleine Zehra ermahnt, wenn sie zum Einkaufen in den Dorfladen geschickt wurde. Cacik, der aus der türkischen Küche nicht wegzudenkende Joghurt mit Gurke und frischen Kräutern, wurde vom Vater selbst gemacht; die Milch holten die Kinder vom Bauern. Oliven gab es, mit Mandeln und Paprika gefüllt, nur aus Spanien.

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