Corona-Krise

Die Schauinslandbahn rechnet mit einem Millionenloch in der Bilanz

Uwe Mauch, Simone Höhl

Von Uwe Mauch & Simone Höhl

Mi, 05. August 2020 um 15:42 Uhr

Freiburg

367.516 Berg- und Talfahrten im vergangenen Jahr: Nach dem zweitbesten Jahr ihrer Geschichte erwartet die Schauinslandbahn im Jubiläumsjahr 2020 ein dickes Minus als Folge der Pandemie.

Das vergangene Jahr war das zweitbeste in der Geschichte der Schauinslandbahn. Die Verkehrs-AG als Betreiberin registrierte 367 516 Berg- und Talfahrten. "Wir sind knapp am Rekord vorbeigeschrammt", sagt VAG-Vorstand Stephan Bartosch. Die Pandemie indes wird die Bilanz fürs laufende Jahr verhageln. Und es gibt vereinzelt Beschwerden, dass in den Gondeln die Abstände nicht eingehalten würden.

Die 90 Jahre alte Umlaufseilbahn ist seit jeher ein Zuschussgeschäft. Die Einnahmen lagen im vergangenen Jahr bei 1,8 Millionen Euro, davon 1,7 Millionen durch Ticketverkauf. Eine Steigerung von 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch betrug das Defizit knapp eine Million Euro und damit etwas mehr als in den Vorjahren. Das liege auch an den Investitionen, etwa in Barrierefreiheit oder in schnelles Internet: Rund um die Berg- und Talstation wurde WLAN eingeführt (auch für die Audioguides).

Wie die VAG selbst wurde auch ihre Schauinslandbahn von der Corona-Krise getroffen: Nach der Revision Anfang des Jahres ging die Seilbahn in die Zwangspause. "Wir rechnen derzeit mit 900.000 bis eine Million Euro Ausfälle", sagte Bartosch. Seit Mai gondelt das Unternehmen wieder auf den Freiburger Hausberg. Anfangs stiegen rund 40 Prozent der Fahrgäste des Vorjahres ein. Im Juni waren es wieder 60 Prozent – Tendenz steigend. Die VAG beziffert ihr Corona-Minus insgesamt auf zehn Millionen Euro und hofft auf den Rettungsschirm von Bund und Land. Der würde für die Schauinslandbahn allerdings nicht greifen, erklärte Bartosch.

Unter den Corona-Einschränkungen litten auch die Revisionsarbeiten: Es gab Lieferengpässe, und eine Schweizer Firma hatte Ausreiseverbot. Ein Teil der Arbeiten wurde verschoben. Und die Pandemie führte zu erneuten Verzögerungen beim barrierefreien Ausbau der Aussichtsplattform der Bergstation samt Zuwegen, Hangsicherung und Spielplatz. Die Einweihung hätte eigentlich in diesen Tagen stattfinden sollen, pünktlich zur Feier des 90. Geburtstages in diesem Jahr. Wie alle anderen geplanten Festivitäten wurde auch die Eröffnung abgesagt. Sie soll im Oktober nachgeholt werden. Auswirkungen auf die Kosten in Höhe von knapp einer Million Euro erwartet die VAG nicht. Das Land schießt knapp 73 000 Euro aus seinem Tourismusinfrastrukturprogramm zu.

Einzelne Beschwerden über Verstöße gegen Corona-Regeln

Obwohl die Passagierzahlen auch für den Ferienmonat Juli coronabedingt deutlich unter dem Durchschnitt lagen, setzt die VAG alle Gondeln ein. "Wir fahren das volle Programm", sagt die kaufmännische Leiterin Christine Kury. Nicht zuletzt, um die Abstandsregeln einhalten zu können.

Doch offenbar klappt es nicht immer, wie aus Zuschriften an die BZ hervorgeht. In eine Gondel "gepfercht" worden seien sechs Leute, die sich nicht kannten und auch nicht verwandt gewesen seien, schreibt ein Leser aus Merzhausen. Ein Paar mit Jahreskarte berichtet: "Meterlange Warteschlangen ohne Sicherheitsabstand, keine Registrierung der Fahrgäste, keine Möglichkeit der Desinfektion weder am Einstieg noch am Ausstieg, das Schlimmste aber: Sieben Personen und zwei Hunde in einer Kabine. Außer einem kleinen Schiebefenster keine Möglichkeit der Frischluftzufuhr."

Christine Kury macht andere Erfahrungen. Die Gäste stünden diszipliniert in der Schlange. "Es ist toll, dass alle ihre Masken tragen." Dass es auch andere Situationen gebe, will sie nicht ausschließen. "Ich denke aber, dass das nicht oft passiert." Sie selbst habe bislang nur zwei Beschwerden bekommen. Tatsächlich kontrolliert niemand am Drehkreuz, wie viele Personen in die Gondel steigen und ob sie verwandt sind. "Das ist ein Stück weit auch Selbstorganisation." Dafür extra Personal einzusetzen, sei nicht gerechtfertigt. Ihr Appell: "Nur einsteigen, wenn die Abstandsregeln eingehalten werden."