Historie

Die Kreisreform besiegelte vor 50 Jahren des Ende des Landkreises Lahr

Walter Caroli

Von Walter Caroli

Fr, 20. August 2021 um 09:01 Uhr

Lahr

BZ-Plus Sich entweder für Emmendingen oder Offenburg zu entscheiden, war für viele Lahrer die Wahl zwischen Pest und Cholera. Die BZ blickt zurück auf bewegte Zeiten Anfang der 1970er-Jahre.

Vor 50 Jahren hat der Landtag von Baden-Württemberg mit dem Kreisreformgesetz die Region neu geordnet. In Folge dessen entstand der Ortenaukreis, den es seit 1. Januar 1973 gibt. In ihm wurden die Landkreise Lahr und Offenburg, der südliche Teil des Landkreises Bühl sowie jeweils der Großteil der Landkreise Kehl und Wolfach zusammengefasst. Walter Caroli zeichnet für die BZ die bewegte Zeit vor dem Beschluss nach.
Die 1971 vom Landtag Baden-Württemberg beschlossene Kreisreform entfachte im Vorfeld in Lahr eine leidenschaftlich, heftig, kontrovers und emotional geführte Diskussion, wie sie die Stadt selten erlebt hat. Es ging um die Fragen, ob der alte Landkreis erhalten und gegebenenfalls vergrößert werden sollte, oder ob er in einem Landkreis Emmendingen oder einem Landkreis Ortenau aufgehen musste. Sich entweder für Emmendingen oder Offenburg zu entscheiden, war für viele Lahrer die Wahl zwischen Pest und Cholera.
Vor der am 1. Januar 1973 in Kraft getretenen Reform hatten in Baden-Württemberg 63 Land- und neun Stadtkreise bestanden. Dabei hatte der kleinste Kreis 3 000 Einwohner, der größte fast 30 000. Zum kleinsten Kreis gehörten nur 13 Gemeinden. Die 1968 gebildete Landesregierung wollte in allen Teilen des Landes bei überkommunalen Aufgaben (zum Beispiel bei der Abfallbeseitigung und der Krankenhausversorgung) gleichwertige Verhältnisse schaffen und die kommunale Verwaltung effektiver und moderner gestalten. In der Koalitionsvereinbarung wurde deshalb das ehrgeizige Ziel einer Gebiets- und Verwaltungsreform verankert.
Ablehnung des Modells von Innenminister Krause
1969 legte Innenminister Walter Krause (SPD) ein Denkmodell vor, das die Schaffung von 25 Land- und fünf Stadtkreisen vorsah. Bei diesem Vorschlag war der Landkreis Lahr aufgelöst und einem Großkreis Offenburg zugeordnet, der in seinen Konturen noch etwas kleiner war als der heutige Ortenaukreis. Schon dieser erste Vorschlag stieß auf Entsetzen bei den Kreisverordneten, bei Landrat Georg Wimmer, bei Oberbürgermeister Philipp Brucker und bei dem Landtagsabgeordneten Karl Theodor Uhrig (CDU).
Mit dem Landkreis Lahr hatte sich die Kreisbevölkerung identifiziert. Es bestanden Überschaubarkeit und ein guter Zusammenhalt zwischen den zugehörigen über 40 Gemeinden. Die Mitglieder des Kreistages gingen, wie sich Wolfgang Miessmer erinnert, nach den Sitzungen ...

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