Universität

Digitales Pub-Quiz statt Bierpong für Freiburger Erstsemester

Anika Maldacker

Von Anika Maldacker

Fr, 30. Oktober 2020 um 20:26 Uhr

Freiburg

Der Studienstart verläuft anders als sonst für Anfänger an der Uni Freiburg. Die Erstiwoche fand zum Teil digital statt – und die Lehrveranstaltungen ab Montag alle nur online. Die Erstis nehmen das hin.

Video-Meeting anstatt zum ersten Mal Hörsaal-Luft schnuppern: Der Studienbeginn für Erstsemester läuft zum Wintersemester 2020/21 an der Uni Freiburg anders als sonst. Statt beim Bierpong-Exzess auf dem Platz der Alten Synagoge lernen sich die diesjährigen Erstsemester in Kleingruppen bei Rallyes auf der Wiese bei Günterstal kennen – oder am Laptop. Denn wegen der hohen Infektionsrate musste die Erstsemesterwoche, die traditionell kurz vor dem Semester stattfindet, zum Teil ins Netz verlegt werden. Und auch Seminare und Vorlesungen laufen ab Montag und bis Ende November nur digital ab.

Eine, die den Neubeginn in einer fremden Stadt trotz Corona-Pandemie doch gewagt hat, ist Lea Fröhlich. An der Uni hat sich die 20-Jährige aus Trier in Jura eingeschrieben. Sie wollte weg von der Mosel. Nach der ersten Hürde Wohnungssuche ist sie Anfang Oktober an die Dreisam gekommen. Über eine Facebook-Gruppe und einen Telegram-Chat für Jura-Erstsemester hat sie erste Kontakte zu anderen Neulingen in Freiburg geknüpft.

Zufrieden mit dem Start in Freiburg

"Die ersten beiden Tage war ich ein wenig einsam, aber jetzt habe ich fast ein wenig Freizeitstress, weil ich so viele neue Leute kennengelernt habe", sagt Fröhlich. Auf die Ersti-Woche hatte sie sich gefreut, dann kam die Absage vieler Veranstaltungen. Ein geplantes Pub-Quiz und ein Spieleabend wurden ins Digitale verlagert. "Ein wenig traurig war ich schon, aber ich hatte damit gerechnet", sagt sie.

Ihre Lehrveranstaltungen sollen im November nur digital stattfinden. Ursprünglich war Präsenz bei einer Vorlesung geplant. Dabei hätten die Studierenden in einem rollierenden System alle paar Wochen in Kleingruppen in den Hörsaal gehen dürfen. Für Lea Fröhlich ist das in Ordnung. "Ich bin zufrieden mit meinem Start in Freiburg", sagt sie, "aber ich glaube, viele meiner Generation sind inzwischen frustriert über die Maßnahmen."

Von viel Verständnis kann Uni-Sprecher Nicolas Scherger ebenfalls berichten. Der Erstsemestertag in der vergangenen Woche, der vor Jahren aus Platzgründen ins SC-Stadion verlegt wurde, war in diesem Jahr zum ersten Mal rein digital. Doch bei einigen Studienbeginnern kam es zu technischen Problemen – Teilnehmer konnten sich nicht in die Lernplattform Ilias einloggen, andere gelangten nicht in die verschiedenen Chat-Räume. Der Grund: Die Server waren überlastet.

Verständnis für die Ausnahmesituation

"Wir hatten nicht damit gerechnet, dass sich mehr als 3000 Studienanfängerinnen und Studienanfänger live zuschalten", erklärt Scherger. Die Uni hat das Problem nun behoben. Aber das Verständnis für die Ausnahmesituation sei deutlich zu spüren, so Scherger. Auch Lea Fröhlich hat am Erstsemestertag teilgenommen – lange hielt die Verbindung bei ihr nicht. Doch sie hat Verständnis dafür. "Die Uni gibt sich wirklich Mühe die Erstsemester gut abzuholen", sagt sie.

Auch die Biologie-Fachschaft hat sich die Erstsemesterwoche anders vorgestellt. "Wir haben bei unserer Planung im Sommer schon eine Präsenz- und eine Online-Variante geplant", erklärt Simon Schäfer von der Fachschaft. Im Vorfeld haben sie Videos gedreht, in denen der Campus vorgestellt wird. Die Begrüßungsveranstaltung zu Beginn der Woche fand digital statt. Treffen zum Kennenlernen wie eine Rallye hat die Fachschaft jedoch real auf der Wiese bei Günterstal organisiert – in Kleingruppen, mit Maskenpflicht und eingeschränktem Alkoholkonsum. "Jeder Erstsemester durfte nur zwei Flaschen Bier trinken", sagt Schäfer. Das habe gut geklappt. Anstatt Enttäuschung hat der Bio-Student bei den Erstsemestern viel Dankbarkeit wahrgenommen. "Sie waren froh, dass es überhaupt reale Treffen gab", sagt er.

Auch für die 19-jährige Claire Mehlen aus Luxemburg war klar, dass sie trotz Corona-Pandemie zum Studium ihre Heimat verlässt. Seit zwei Wochen wohnt die Biologie-Studentin nun in Südbaden. "Es gefällt mir sehr gut hier und die Leute sind sehr nett", sagt sie. Über soziale Netzwerke und in der Ersti-Woche hat sie schon Kontakte geknüpft. Ihre Lehrveranstaltungen finden aber fast nur digital statt. Vor Vereinsamung hat sie keine Angst. "So lange man sich mit anderen noch für einen Kaffee treffen kann, ist es okay", sagt sie. Und falls eine längere Ausgangssperre verhängt würde, würde sie zu ihrer Familie nach Luxemburg zurückfahren und von dort weiter studieren.

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