"Fehlende Medienkompetenz verursacht Stress"

Fr, 19. Dezember 2014

Schülertexte

ZISCHUP-INTERVIEWmit dem Lehrer Jörg Wassenberg darüber, was seit der Einführung von G8 alles anders ist .

Alexandra Fritz und Seline Gallus gehen in die 8a des Max-Planck-Gymnasiums in Lahr. Sie wollten von Jörg Wassenberg, der an ihrer Schule Sport und Latein unterrichtet, wissen, was der Unterschied zwischen G8 und G9 ist. Und ob G8 wirklich so stressig ist, wie viele Schüler behaupten.

Zischup: Haben Sie mit G8 mehr Stress als mit G9?
Wassenberg: Als Lateinlehrer ist es schon stressig, da man nur zweieinhalb Jahre Zeit hat, um den ganzen Stoff durchzubekommen. Da bleibt nicht mehr viel Zeit für andere Themen übrig. Mit dem G9 hat man fünf Jahre Zeit und die Schüler bekommen danach gleich das Latinum.
Zischup: Spüren Sie das G8 als Lehrer?
Wassenberg: Ich spüre, dass dadurch die Persönlichkeit der Schüler beeinflusst wird. Auch ihre Fähigkeiten nehmen ab. Jedoch ist bei den Noten kein signifikanter Unterschied festzustellen.
Zischup: Wie unterscheidet sich das G8 von dem G9?
Wassenberg: G8-Schüler haben ihr Abitur ein Jahr früher, was im internationalen Vergleich natürlich sinnvoll ist. Mit dem G8 gab es eine Strukturreform der Lehrpläne, seither steht zum Beispiel auch der kompetenzorientierte Unterricht im Vordergrund.
Zischup: Finden Sie, dass die Schüler wegen G8 gestresst wirken?
Wassenberg: Nein, wenn man schaut mit welchen Beschäftigungen die Schüler ihre Zeit verbringen, weigere ich mich zu sagen, dass das G8 Schuld am Stress der Schüler und ihren mangelnden Leistungen ist. Ich glaube vielmehr, dass die fehlende Medienkompetenz Stress verursacht.
Zischup: Gibt es Beschwerden von Seiten der Eltern, Schülern oder Lehrern?
Wassenberg: Keine direkten Beschwerden, aber es gibt Eltern, die sich für die Realschule entscheiden, damit das Kind später das Abitur mit dem G9 machen kann.
Zischup: Wieso gibt es jetzt eigentlich das G8?
Wassenberg: Böse Zungen behaupten, dass so Lehrerstellen eingespart werden können.
Zischup: Wollen sie noch abschließend etwas sagen ?
Wassenberg: Ich finde das deutsche Schulsystem im Grunde gut, womit ich manchmal unzufrieden bin, sind die Einstellungen der Schüler und Lehrer. In Frankreich zum Beispiel kommt ein Schüler erst abends um sieben Uhr nach Hause und macht dann noch freiwillig seine Hausaufgaben.
Zischup: Herr Wassenberg, Ihnen vielen Dank für dieses Interview!