HINTERGRUND

Michael Baas

Von Michael Baas

Fr, 31. Juli 2020

Basel

Ein Wunder von Basel

"Ein Wunder" nennt es Benedikt von Peter. Das meint zwar vor allem die Rahmenbedingungen seiner ersten Regiearbeit am Basler Theater, passt aber auch zu deren Inhalt. Der handelt von Franz von Assisi, dem nach ausschweifendem Leben im frühen 13. Jahrhundert erst zum Eremiten und später zum Gründer des Franziskaner-Ordens geläuterten umbrischen Christen, den die katholische Kirche heute als Heiligen verehrt. "Saint François d’ Assise" ist die Oper betitelt und stammt vom französischen Komponisten Olivier Messiaen (1908 bis 1992) – ein in Basel dreieinhalbstündiges Mammutwerk, das der Schweizer Intendant der Pariser Oper Rolf Liebermann in den 1970er Jahren bei Messiaen in Auftrag gegeben hatte. Es ist dessen einzige Oper überhaupt, "ein superwichtiges Werk des 20. Jahrhunderts", findet Benedikt von Peter.

Wichtig, aber nicht corona-kompatibel: Die Originalbesetzung besteht aus 120 Musikern und einem mindestens 80-köpfigen Chor. Ein No-Go in Corona-Tagen. Von Peter und seinem Team aber ist es gelungen, die Messiaen-Erben für eine Corona-Version mit nur 45 Musikern und einem mittels Playback-Effekten vergrößerten Chor zu gewinnen. Erarbeitet wird diese von dem in Frankreich lebenden russischstämmigen Oscar Strasnoy. Diese Version, die auch mit Elektronik wie Moogs arbeitet, die Messiaen kaum kannte, werde zwar ein bisschen moderner, aber wahnsinnig spannend, kündigt von Peter an und ist ganz angetan, dass die Familie, die das Komponisten-Erbe sorgsam hütet, zu diesem Schritt bereit war.

Ein Wunder eben, das auch deshalb gut nach Basel passe, da die speziellen Instrumente, die Ondes Martenot, die Messiaen nutzt, in Colmar hergestellt werden. Die Premiere ist übrigens am 15. Oktober. Ein "tolles Stück", das gar nicht so "opere" und durch den Humanismus und den Blick auf Tod und Sterben brandaktuell ist, findet der Intendant.