Museen in Freiburg

Bei der gut besuchten Freiburger Museumsnacht gab's Hula-Tanz - und eine Ritterführung

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mo, 22. Juli 2019

Freiburg

An einem langen Sommerabend von Museum zu Museum schlendern, essen, schauen und viel Interessantes hören: Das kommt jedes Jahr gut an. Am Samstag waren bis Mitternacht rund 5000 Menschen bei der Museumsnacht unterwegs

. Einige hatten Fächer dabei, um sich in den stickigen Sälen und Fluren etwas abzukühlen. Nicht nur drinnen, auch in den idyllischen Innenhöfen war unter dem Motto "Anders" für alle Interessen und jedes Alter viel geboten.

Langsam kommt die Dämmerung. Im Hof des Museums Natur und Mensch duftet es nach Reis, es gibt Getränke, und Héléne Le Pargneux schwärmt von der Percussion mit dem Trommelkünstler Murat Coskun, die gerade zu Ende ging: "Er kommt auf eine so angenehme Art mit dem Publikum in Kontakt." Sie ist mit ihrer Freundin unterwegs, die beiden waren davor beim Akrobatikprogramm "Voili-Voila" im Hof des Museums für Neue Kunst. Sie sind an diesem Abend vor allem an Musik- und Showangeboten interessiert, und davon gibt’s einige. Auf Murat Coskun folgen fünf Tänzerinnen in hawaiianischen Kostümen der Gruppe "Hula Me Ke Aloha", das heißt übersetzt "mit Liebe tanzen". Es geht sehr folkloristisch zu, der Hof ist voll.

Viel los ist auch im Innenhof des Museums für Stadtgeschichte am Münsterplatz, dort spielen Kammermusiker. Den still daliegenden Berthold V. im Erdgeschoss des Museums stört das nicht. Er hat die Hände gefaltet, die Augen geschlossen und ist aus Stein. Eine Gruppe kleine Jungs, ein Mädchen und einige Mütter hören zu, was Vera Rammelkammer über den echten Berthold erzählt, der seit 1218 tot ist. Er stammte aus der Ritterfamilie der Zähringer, die Freiburg gegründet haben und auf dem Schlossberg in einer Burg wohnten. Aber wie kann man überhaupt Ritter werden? "Gar nicht", sagt Simon (8), denn er weiß: Heutzutage gibt’s keine Ritter mehr. Auch im Mittelalter war es nicht einfach. Man musste aus einer reichen Familie stammen, reiten und kämpfen können und mutig und fromm sein, sagt Vera Rammelkammer. Mädchen hatten ohnehin keine Chance, die wurden, wenn sie aus angesehenen Familien stammten, stattdessen Edeldamen. "Was machten die den ganzen Tag?" fragt Vera Rammelkammer. Simon überlegt: "Putzen? Oder Zeitung lesen?" Doch fürs Putzen waren sie zu vornehm, und Zeitungen gab es noch nicht. Sie mussten Handarbeiten, außerdem Feste und den Haushalt organisieren, erläutert Vera Rammelkammer. Dann probiert Mark (8) aus, wie es ist, ein Ritter zu sein: Er schlüpft in ein Kettenhemd, wie Ritter es trugen. Es wiegt mehr als zehn Kilo, Mark braucht Hilfe beim Drüberziehen. Wie fühlt er sich? Er sagt skeptisch: "Das Hemd ist schwer und kalt." Auch Simon, der schon viel über Ritter gelesen hat, möchte lieber keiner sein: "Das wäre mir zu gefährlich." Er ist mit seinem Bruder Niklas (11) und seiner Mutter Cornelia Braun unterwegs. Die Drei waren schon in der Münsterbauhütte, nun ziehen sie weiter zum Fasnachtsmuseum und zum Colombischlössle. Normalerweise wären die Jungs jetzt im Bett. Simon findet: "Abends macht es viel mehr Spaß, im Museum zu sein." Das geht offenkundig vielen so.

Im Museum für Neue Kunst gibt’s eine Kurzführung nach der anderen, unter anderem zeigt Noura Johnson die esoterisch geprägten Pferdebilder der Neoexpressionistin Christa Näher, die 1947 geboren wurde und von Totentanz-Motiven fasziniert ist: Auf einem der Bilder umarmt ein schwarzes Skelett einen Pferdehals.

Im Uniseum stehen 50 Menschen unter dem Siegel an der Decke nahe des Eingangs: Dort, wo auf der Abbildung ein großer Jesus seinen durch ihre spitzen Hüte als Juden gekennzeichneten, untergebenen Zuhörern vermeintliche "Wahrheiten" lehrt, beginnt eine Führung zur Geschichte der Juden an der Universität. Die war, trotz Blütezeiten mit erfolgreichen jüdischen Wissenschaftlern, meist geprägt von Ausgrenzung: von der Gründung der Universität 1447, als nur Katholiken und Männer zum Studium zugelassen wurden, bis zur Vertreibung und Ermordung jüdischer Menschen im Nationalsozialismus. Begründet wurde das immer wieder mit Ängsten vor einer "Judaisierung". Das sei hochaktuell, findet ein älterer Zuhörer: "Heute sprechen viele von einer angeblichen Islamisierung, und die Argumente sind seit Jahrhunderten derselbe Blödsinn."