Leserbriefe

Isabel Sasse, Lahr

Von Isabel Sasse & Lahr

Mi, 05. Mai 2021

Lahr

KRÖTENSAMMLUNG
Wanderung wird durch Bauarbeiten behindert
Zum Bericht über die Amphibienwanderung und die sinkende Zahl von Erdkröten ("Zahl der Erdkröten geht stark zurück"/ BZ vom 30. April) schreibt eine Leserin.

Meiner Meinung nach wurden zwei wichtige Gründe für den starken Rückgang der Erdkrötenpopulation an der Langenhardstraße oberhalb von Sulz und für die Abnahme der Erdkröten, die zum Hohbergsee wandern, in dem Artikel nicht genannt:

Am Hang bei Sulz an der Panzerstraße in Richtung Langenhard wurde Ende Januar ein Kahlschlag auf einer Fläche von über zwei Hektar vorgenommen ("Kahlschlag bei Stadtbäumen"/BZ vom 28. April). Dieses Gebiet war sicherlich das Habitat zahlreicher Erdkröten, die getötet oder vertrieben wurden.

Die Wanderung der Erdkröten Richtung Hohbergsee wurde enorm behindert und verhindert durch die Bauarbeiten auf dem ehemaligen Akad-Gelände, die genau in dem Moment einsetzten, als die Krötenwanderung begann. Bagger zerstörten die Amphibien-Leiteinrichtung entlang der Mauer, so dass den Tieren dieser Weg plötzlich versperrt war.

Die Anzahl der Tiere, die den Weg in den eingegrabenen Sammelbehälter fanden, war dadurch zweifelsohne stark dezimiert, auch wenn man dort an einigen warmen Tagen zahlreiche vorfand. Außerdem gibt es keine Vergleichszahlen. Die Wanderung der Tiere an der Rückseite der Akad-Gebäude und über den Akad-Parkplatz in Richtung See endete jetzt an den Baugruben. Außerdem herrschte hinter und neben den Gebäuden reger Autoverkehr der Anwohner.

Wie viele Tiere in die Baugruben stürzten und dort verendeten, lässt sich nur vermuten. Hinzu kommt, dass Erdkröten, denen es nicht gelingt, sich bei niedrigen Temperaturen auf ungeeignetem Gelände rechtzeitig einzugraben oder unter Laub Schutz vor Kälte zu suchen, erfrieren.

Genauso problematisch gestaltete sich ihr Rückweg Richtung Wald. Ohne die Hilfe der Amphibiengruppe des Naturschutzbundes wären die Kröten, die vom See aus Richtung Burkhard wandern wollten, verloren gewesen.

Ich frage mich: Hätten die beiden einschneidenden Maßnahmen – die enorme Abholzung in Sulz und die Zerstörung der Leiteinrichtung am Hohbergsee zur Unzeit – nicht vorab mit der Umweltbehörde und dem Naturschutzbund diskutiert und abgestimmt werden können oder müssen? Fest steht: Der Natur- und Artenschutz wird materiellen Interessen immer untergeordnet.