Koffeinfrei und säurearm

Lupinenkaffee ist eine Alternative zum Bohnenkaffee

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

So, 22. Mai 2022 um 07:00 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Kaffee, der aus Getreide oder Hülsenfrüchten hergestellt wird, erlebt eine Renaissance. Vor allem ein Heißgetränk aus gerösteten Lupinensamen macht dem Klassiker geschmacklich Konkurrenz.

Erst war es ein Experiment. 2013 haben Linda Kelly und ihre Familie auf ihrem Biolandhof in Herdwangen im Landkreis Sigmaringen Süßlupinen angebaut. "Um mal zu gucken, wie das so funktioniert und was man damit machen kann", erzählt die Landwirtin. Für Tierfutter genügte der Ertrag nicht, doch bei einer Online-Recherche stieß Kelly auf den "Arme-Leute-Kaffee" aus gerösteten Getreidekörnern und Hülsenfrüchten und wagte einen Versuch. Das Ergebnis war so überzeugend, dass eine eigene Marke draus geworden ist: Unter dem Namen Lupinello verkauft Kelly Lupinenkaffee – als ganze "Bohne", gemahlen oder in sogenannten Coffee Bags zum Aufbrühen in einer Tasse.

Lupinenkaffee ist ein schöner Kompromiss

Anders als echter Kaffee enthält die Lupinenvariante kein Koffein. Und kommt damit dem Bedürfnis vieler Menschen nach einem kaffeeähnlichen Getränk ohne Wachmachereffekt entgegen, sagt Kelly: "Es gibt zwar koffeinfreien Kaffee, allerdings wird dabei das Koffein häufig in einem aufwändigen chemischen Prozess herausgezogen." Mit koffeinfreien Getreidekaffees wiederum haben diejenigen Probleme, die unter einer Glutenunverträglichkeit leiden. Da scheint Lupinenkaffee ein schöner Kompromiss. Zumal er – und das ist in den Augen von Linda Kelly ein enorm großer Pluspunkt – regional angebaut werden kann und keine langen Transportwege benötigt. Auch für Menschen, denen die Säure von Bohnenkaffee auf den Magen schlägt, könnten von der sehr viel säureärmeren Lupine in der Tasse profitieren.
Die Süßlupine


Die Hülsenfrucht wächst seit vielen Jahrhunderten hauptsächlich in Mittel- und Nordeuropa. Wilde Lupinen enthalten giftige Bitterstoffe, die Nervensystem, Kreislauf und Verdauung beeinträchtigen und zum Tod durch Atemlähmung führen können. In den für den Verzehr angebauten Sorten sind die Bitterstoffe herausgezüchtet worden. Das Lupineneiweiß enthält alle acht essenziellen Aminosäuren, kann aber bei Menschen mit einer Überempfindlichkeit gegen Hülsenfrüchte Allergien auslösen. Lupinen blähen weniger stark als andere Hülsenfrüchte. Sie liefern mehr als 40 Prozent Eiweiß, das für den Zellschutz wichtige Vitamin E sowie Kalzium, Magnesium, Phosphor und Eisen. Süßlupinensamen werden außer zu Kaffee auch zu Mehl, Schrot, Joghurt, Milch- und Fleischersatzprodukten verarbeitet.