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Entwarnung – die Fliegerbombe am Hohbergweg in Lahr ist entschärft

cll, malx, ch

Von Claudia Müller, Mark Alexander & Christian Kramberg

Mi, 28. April 2021 um 14:05 Uhr

Lahr

Die Fliegerbombe auf dem ehemaligen Akad-Gelände in Lahr ist entschärft worden. Es handelte sich um einen 250 Kilogramm schweren Blindgänger. 800 Anwohner mussten evakuiert werden.

14.15 Uhr: Die Evakuierung ist beendet. Hunderte Lahrerinnen und Lahrer können zurück in ihre Wohnungen. Die Sperrungen für Verkehrsteilnehmer sind aufgehoben. Laut Polizeisprecher Hilger verlief alles problemlos. Das gilt auch für die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdiensts. Der entschärfte Blindgänger wird nun abtransportiert und vernichtet. Oberbürgermeister Markus Ibert ist "froh und erleichtert". Solche Einsätze könne man nie als Routine bezeichnen, sagt der Rathauschef. Gleichzeitig habe das Zusammenspiel der verschiedenen Akteure sehr gut funktioniert. Ingolf Grunwald, der Leiter des Lahrer Polizeireviers, sagt: "Ich möchte mich nicht nur für die gute Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Stadt Lahr inklusive der Feuerwehr bedanken, ein großes Lob geht auch an unseren Bürgerinnen und Bürger. Sie haben unsere Maßnahmen durch ihr aufgebrachtes Verständnis und ihre Mithilfe erheblich entlastet."

13.40 Uhr: Die Experten geben Entwarnung: Die Fliegerbombe ist in gut 20 Minuten entschärft worden.

13.15 Uhr: Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdiensts aus Stuttgart haben wie geplant mit der Entschärfung der Bombe begonnen. Gegen 14 Uhr soll sie beendet sein. Die Polizei hat derweil alle Hände voll zu tun, Radfahrer umzuleiten, weil ein Teil des Radwegs gesperrt ist. Unerfreuliche Zwischenfälle sind nicht bekannt, alles läuft wie geplant.

12.50 Uhr: Die Mehrzweckhalle im Bürgerpark dient als Ausweichquartier. Diese Option nutzt aber kaum jemand. Zur Mittagszeit sind dort neben den Einsatzkräften der Polizei und den Helfern des DRK gerade einmal fünf Menschen. Die Sicherheitsabstände könne man also problemlos einhalten, sagt ein DRK-Mitarbeiter augenzwinkernd. Der Shuttlebus, der am Herzzentrum wartet, wurde am Vormittag nicht genutzt.
Eine Bildergalerie gibt es unter mehr.bz/bombenfund

12.20 Uhr: Im Jahr 2018 gab es schon zwei Evakuierungen auf dem Areal. Im Pandemiejahr 2021 gibt es laut Polizei einige Unbekannte: Sind aufgrund von Homeoffice und Schulschließungen mehr Menschen zu Hause? Sicher ist, dass alle den Gefahrenbereich bis auf Weiteres verlassen müssen. Die Stadt hat eine entsprechende Allgemeinverfügung veröffentlicht. "Für den Fall der Nichtbefolgung wird unmittelbarer Zwang angedroht", heißt es darin. Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich Menschen nicht daran halten. Etwa 100 Anwohner werden in den Wohnungen angetroffen und verlassen diese umgehend.

11.50 Uhr: In einem Pressegespräch spricht Yannik Hilger vom Polizeipräsidium Offenburg über die Strategie. "Wir evakuieren alle, Einwohner wie auch Jogger, damit niemand im Gefahrenbereich unterwegs ist", sagt er. Rund 100 Einsatzkräfte sind hierfür im Einsatz, zwölf Absperrpunkte sind eingerichtet. Die Polizisten gehen von Haus zu Haus, sprechen Anwohner an. Sollte jemand in Quarantäne sein, gibt es die Möglichkeit einer separaten Fahrt, erklärt Hilger.
BOMBENFUNDE IN LAHR

» Im August 2018 wurden auf dem ehemaligen Akad-Areal am Hohbergweg innerhalb einer Woche zwei 250 Kilogramm schwere Blindgänger gefunden. Sowohl am 2. August als auch am 8. August kam es zu Einsätzen auf dem Gelände. Die Anwohner im Umkreis von 300 Metern wurden jeweils evakuiert. Beide Bomben wurden innerhalb kurzer Zeit entschärft. Der Grund für die Funde ist die Bombardierung der Serre-Kaserne Ende des Zweiten Weltkriegs.
Im Mai 2017 wurde bei Arbeiten am Lahrer Bahnhof eine 500 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden und entschärft. 3000 Menschen wurden evakuiert, der Zugverkehr war kurzzeitig unterbrochen.
» Im Mai 2015 wurde bei Bauarbeiten
im Baugebiet Hagendorn in Burgheim
eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. In 75 umliegenden Häusern wurden 38 Anwohner angetroffen und evakuiert.
Im März 2011 wurden im Baugebiet
Hosenmatten II die Reste zweier amerikanischer 500-Kilogramm-Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt und entschärft.

11.30 Uhr: Die Evakuierung läuft. Die Polizei ist mit vielen Kräften vor Ort. In einem Radius von 300 Metern rund um den Bombenfund spricht sie Bewohner sowie Gewerbetreibende an, die den Gefahrenbereich bislang nicht verlassen haben. Es gibt auch Lautsprecherdurchsagen, mit Unterstützung der Feuerwehr Stadt Lahr. "Der Beginn der Bombenentschärfung ist auf 13 Uhr geplant", teilt die Polizei mit. Bis dahin müssen alle Meschen innerhalb des festgelegten Radius ihre Wohnungen oder ihre Arbeitsstelle verlassen haben. "Der betroffene Bereich wird für den Verkehr während der Evakuierung und der Entschärfung komplett gesperrt", heißt es. Verkehrsteilnehmer werden gebeten, diesen Bereich weiträumig zu umfahren.

Mittwoch, 28. April, 11 Uhr: Die Evakuierung beginnt. Betroffen sind etwa 800 Anwohner des Hohbergwegs, der Lester-Pearson-Straße, des Gustav-Stresemann-Rings, Teile des Schillingswegs, Teile der Bertha-Suttner-Allee und der Aristide-Briand-Straße und die Breitmatten 14. Das Herzzentrum ist von der Evakuierung nicht betroffen. Die Mehrzweckhalle im Bürgerpark steht als Ausweichquartier zur Verfügung. Es gibt es einen Bus-Shuttle-Service. Abfahrt ist an der Bushaltestelle Herzzentrum.
Ein Bürgertelefon ist seit 9 Uhr für Rückfragen geschaltet: Tel. 07821 / 996 7000.

Dienstag, 27. April, 19 Uhr: Die 250 Kilogramm schwere Bombe wurde nach den ersten Informationen der Stadtverwaltung bei Bauarbeiten in etwa sechs Meter Tiefe auf dem ehemaligen Akad-Gelände am Hohbergweg gefunden. Dort entstehen derzeit mehrere Wohnhäuser. Es handelt sich um ein US-amerikanisches Fabrikat mit zwei Standardzündern. Die Entschärfung nimmt der Kampfmittelbeseitigungsdienst Baden-Württemberg vor. Die Entschärfung ist für, Mittwoch, 28. April, 13 Uhr, geplant. Die Experten haben am Dienstagabend die Bombe gesichert. Ein Bereich von 300 Metern rund um die Fundstelle wird am Mittwoch ab 11 Uhr evakuiert, teilte die Stadtverwaltung am späten Dienstagabend mit.

Rückblick: In der ersten August-Woche des Jahres 2018 hatte es auf dem früheren Akad-Gelände am Hohbergweg innerhalb von wenigen Tagen gleich zwei Bombenfunde gegeben: Am 2. August wurde eine 250 Kilogramm schwere US-amerikanische Fliegerbombe entdeckt. Häuser und Wohnungen in einem Radius von 300 Metern mussten evakuiert werden. 750 Bewohner und Gewerbebetreibende waren betroffen. Angetroffen hatte die Polizei etwa 250 Anwohner. Zwei Stunden später war die Bombe entschärft.

Dasselbe Spiel wiederholte sich knapp eine Woche später, am 7. August: wieder eine Fliegerbombe, wieder eine Evakuierung, wieder Entwarnung am Abend. Rund 100 Anwohner waren dieses Mal betroffen. Kurz nach 13 Uhr ist der Fund gemeldet worden, zwei Stunden später waren die Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst aus Stuttgart vor Ort. Die Bombe wog 250 Kilogramm. Die Polizei glaubte damals, dass es sich um den letzten Fund auf der Grünfläche handelt. "Wir gehen nicht davon aus, auf der Grünfläche noch weitere Blindgänger zu finden", sagt der damalige Pressesprecher Patrick Bergmann nach Rücksprache mit den Experten. Sie sollten sich täuschen.
Bombardierung der Serre-Kaserne

Der Grund für die Bombenfunde im Hohbergweg ist die Bombardierung der früheren Serre-Kaserne Ende des Zweiten Weltkriegs. Im Kampfmittelkataster der Stadt ist das Areal als bombardierte Fläche eingetragen. "Der gefundene Blindgänger stammt höchstwahrscheinlich vom Großangriff auf die damalige Serre-Kaserne", erklärte der Lahrer Historiker Norbert Klein 2018, als die letzten beiden Bomben gefunden wurden. Die Kaserne war 1937 im Lahrer Gewann Elend entstanden und nach einem Kriegsschauplatz des Ersten Weltkrieges benannt worden. Ziel des Fliegerangriffs wurde sie Ende des Zweiten Weltkriegs, am 19. Februar 1945, gegen 15 Uhr.

Klein hat die Ereignisse im Jahrbuch Geroldseckerland festgehalten: "Wieder einmal überflog eine große Bomberformation die Stadt Lahr und schwärzte den Himmel. Doch dieses Mal war deren Ziel nicht irgendeine Groß- oder Industriestadt im Osten, sondern eine Militärkaserne, von der sich die alliierten Streitkräfte beim sich nähernden Kriegsende einen gewissen Widerstand erwarten konnten. Und das war die Serre-Kaserne in Lahr."

64 zwei- und viermotorige Langstreckenbomber flogen in mehreren Wellen heran. Sie warfen etwa 250 Sprengbomben ab. 27 Menschen verloren ihr Leben, 20 wurden verletzt. Die Bomben trafen nicht nur die Kaserne, sondern auch den angrenzenden Rosenweg, das Hohbergsee-Hotel und die Geroldsecker Vorstadt.

Die meisten Opfer befanden sich unter den Männern, Frauen und Kindern, die im nahen Wald Brennholz machten – aus Bäumen, die am 14. Februar zerbombt worden waren. "Überlebende Zeitzeugen berichteten von den grauvollen Bildern der Zerstörung, den vielen schrecklichen Bildern der Opfer und den Schreien aus den Trümmern und den Schreien aus dem Wald", hat Klein in seinen Aufzeichnungen festgehalten.