Baden-Württemberg

Nur wenige nehmen sich Bildungszeit

Jens Schmitz

Von Jens Schmitz

Do, 14. März 2019 um 21:49 Uhr

Südwest

Ein Gesetz verpufft: Die meisten Baden-Württemberger wissen nicht, was das Bildungszeitgesetz ist – und nur 1,1 Prozent der Berechtigten nehmen es in Anspruch.

STUTTGART. Das geht aus einem Evaluationsbericht hervor, den Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) und das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (FBB) am Donnerstag vorgestellt haben.

Seit 2015 haben Beschäftigte in Baden-Württemberg Anspruch auf jährlich bis zu fünf Tage bezahlter Freistellung für Weiterbildung, und zwar neben dem Beruf auch für politische und ehrenamtliche Zwecke. Im Koalitionsvertrag hatte die grün-schwarze Landesregierung 2016 vereinbart, das Bildungszeitgesetz nach zwei Jahren zu evaluieren. Das FBB hat den ersten Teil anhand von mehr als 1750 Fragebögen und Interviews umgesetzt.

Demnach haben 1,1 Prozent der Berechtigten 2017 Bildungszeit in Anspruch genommen, das sind 53 000 Menschen. Nach Angaben von FBB-Vertreterin Iris Pfeiffer liegt Baden-Württemberg im Mittel der Bundesländer mit vergleichbaren Gesetzen. Allerdings wissen im Südwesten auch nur 34,5 Prozent der Berechtigten von dem Gesetz. In Anspruch genommen wird es vor allem von Jüngeren, von Menschen mit Führungsverantwortung und von befristet Beschäftigten. In 75,5 Prozent der Fälle wurde Bildungszeit für berufliche Weiterbildung verwendet, gefolgt von politischer Qualifizierung (23,8 Prozent) und Fortbildung fürs Ehrenamt ohne den Bereich Sport (0,7 Prozent). Erkennbar ist auch, dass das Angebot von an- und ungelernten Beschäftigten offenbar nur spärlich angenommen wird. Von den befragten Unternehmen gaben nur 3,4 Prozent an, dass auch Mitarbeiter aus diesem Bereich Bildungszeit in Anspruch genommen hätten. Das sei schade, sagte Pfeiffer. "Denn das war ja mal als explizites Ziel des Bildungszeitgesetzes formuliert worden."