Probleme mit Schweißnähten

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Do, 19. September 2019

Südwest

Bei Dampferzeugern im Akw Fessenheim gibt es Herstellungsmängel / Atomaufsicht prüft.

FESSENHEIM/STRASSBURG. Der französische Stromkonzern EdF hat Herstellungsmängel an sechs Reaktoren in Frankreich eingeräumt, darunter auch Reaktor 2 des Akw Fessenheim. In Frage stehen die Schweißnähte von 16 Dampferzeugern. Dies geht aus einer Mitteilung des Konzerns vom Mittwoch hervor. Nach einer Prüfung der betroffenen Komponenten gemeinsam mit deren Hersteller Framatome ist man bei EdF allerdings der Ansicht, die Abweichungen stellten eine Nutzung des Materials "nicht in Frage".

Eine Sprecherin der Atomaufsicht (ASN) bestätigte auf Anfrage am Mittwoch, alle drei in Reaktor 2 des Akw Fessenheim eingebauten Dampferzeuger könnten von den durch EdF angezeigten Fehlern betroffen sein. Die "thermische Bearbeitung" der Schweißnähte soll nicht vorschriftsgemäß ausgeführt worden sein. Die Behandlung der Nahtstellen zusammengefügter Bauteile bei mehreren hundert Grad Celsius über mehrere Stunden hinweg soll Spannung im Material abbauen und die Stabilität erhöhen. Bei diesem Vorgang seien bei Framatome, so die Sprecherin der ASN, die vorgeschriebenen Minimal- wie Maximaltemperaturen nicht eingehalten worden.

In einem Papier des französischen Forschungsinstituts für nukleare Sicherheit (IRSN) heißt es, das von Framatome angewandte Verfahren habe keine homogene Temperatureinwirkung auf die Komponenten erlaubt. Es sei zu prüfen, ob die mechanischen Eigenschaften des Materials beeinträchtigt worden seien.

Die ASN will noch diese Woche die Produktionsstätte von Framatome in Saint Marcel südlich von Dijon in Augenschein nehmen. Einer der fraglichen Dampferzeuger aus Fessenheim 2 war Grund für dessen Abschaltung von 2016 bis 2018. Vor diesem Hintergrund fordert André Hatz, Sprecher der elsässischen Organisation Stop Fessenheim, eine Abschaltung des Akw, bis die Atomkontrolleure der EdF-Expertise eine eigene entgegenstellen könnten.