OB-Wahl Lahr

So haben sich die Kandidierenden beim BZ-Speed-Dating zur Wahl geschlagen

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Von Mark Alexander, Klaus Fischer, Tamara Keller, Lena Jörger & Karl Kovacs

Mi, 18. September 2019 um 16:42 Uhr

Lahr

Fragerunde einmal anders: Am Dienstagabend hatten Interessierte die Möglichkeit, den Oberbürgermeister-Bewerbern in kleinen Gruppen auf den Zahn zu fühlen.

Die Begrüßung
Bevor es ins Klassenzimmer geht, betritt das Bewerber-Quintett die Bühne in der Aula. Vor knapp 100 Besuchern eröffnen BZ-Heimatredaktion-Chef Holger Knöferl und der Lahrer Redaktionsleiter Christian Kramberg die Runde mit kurzweiligen Fragen, anschließend dürfen sich die Kandidierenden gegenseitig befragen. Dann erhalten – wie sollte es anders sein im Gymnasium – die Schüler Jakob Schwerer und Robin Franz das Wort. Auf ihre Frage erfahren sie, dass alle Bewerber ein Städte-WLAN befürworten, zumindest auf wichtigen Plätzen in der Innenstadt. Bei der Nutzung des Seeparks wird es differenzierter: Lukas Oßwald und Jürgen Durke wollen dort vor allem neue Bäume, Christine Buchheit wünscht sich einen Grillbereich und einen Biergarten. Markus Ibert und Guido Schöneboom auf die Abstimmung mit der Innenstadt, wenn es um zukünftige Veranstaltungen geht. Und die Chancen bei den unter 30-Jährigen? Die schätzen die Fünf ordentlich bis sehr gut ein. Kurz darauf ertönt der Gong und es geht zum Speed-Dating. Fünf Runden, je zehn Minuten, kurze Fragen und Antworten.

Markus Ibert
Was will Ibert in den ersten 100 Tagen im Amt anpacken? Er nutzt die Frage als Steilvorlage, um auf seine Idee hinzuweisen: 600 neue Wohnungen in Mietersheim. Ob sein Fokus beim Thema Wohnen auch auf die Innenstadt ausgerichtet sei, will eine Seniorin wissen. Ein Leerstandsmanagement sei für ihn ein Lösungsansatz, um 400 unbewohnte Wohnungen zu vermitteln. Von einem Umbau- oder Wohnbaugebot für Hauseigentümer hält er wenig. Auch Enteignung lehnt er ab. Zu einer wachsenden Stadt zählen für ihn Kitas und Schule, die nicht nur in der Gebäudesubstanz in Ordnung sind, sondern in denen auch die Betreuungs- und Sozialarbeit stimmt. Von befristeten Arbeitsverhältnissen in der Betreuung hält er deshalb wenig. Ob eine Hochschule die Attraktivität der Stadt entscheidend steigern werde, bezweifelt er: "Eine Hochschule passt zu Lahr, aber es gibt schon eine in Offenburg." In einer permanenten Bühne, auf der auch mal jemand spontan spielt, sieht Ibert einen Mosaikstein, um die Innenstadt zu beleben. Mit einer schnellen Verbindung vom Schuttertal ins Ried mit Unterführung unterm Bahnhof will er Radfahren in der Stadt attraktiver machen. Und die immer wiederkehrende Frage, ob er als OB von Wallburg nach Lahr ziehen würde: "Selbstverständlich – wenn ein Bauplatz bezahlbar für mich ist."
Hintergrund: Alle Artikel zur OB-Wahl finden Sie gesammelt im BZ-Online-Dossier.

Jürgen Durke
Als eine der klima- und tierfreundlichsten Städte Europas, wenn nicht sogar der Welt, stellt sich Jürgen Durke Lahr in zehn Jahren vor. "Das sind sehr hohe Ideale, aber das ist eine Vision, die ich zu zwei Dritteln umsetzen möchte." Klimafreundlichkeit möchte er vor allem durch andere Formen der Energiespeicherung umsetzen und nennt Warmwasserspeicher oder Power-to-Gas-Anlagen als Beispiele. Um auch in Zukunft genügend Strom für E-Autos zu haben, hält er die Speicherung von flüssigem Wasserstoff lohnend. Auf die Frage, was er gegen marode Schulgebäude tun möchte, antwortet er, dass der Gemeinderat dieses Problem bereits mit drei Projekten in Angriff genommen habe. "So lange es keine Gleichberechtigung gibt, ist es wichtig, sich dafür aktiv einzusetzen", sagt Durke zum Thema Frauenbeirat und der Stabstelle für Chancengleichheit. Auch eine Baumschutzverordnung, die dafür sorgt, dass vor jeder Baumfällung ein Antrag an die Stadt gestellt werden muss, kann Durke sich vorstellen. Bei den Fahrradwegen sieht der Kandidat Handlungsbedarf: Oft sei der Radweg in Lahr nur zusätzlich aufgemalt worden, das will er durch ein besseres Straßenkonzept umgehen: "Wenn die Dinglinger Hauptstraße neu gemacht wird, sollten die Bereiche für Autos und Fahrräder strikt getrennt werden." Wenn möglich, will er auch für mehr Parkhäuser sorgen, damit Autos keine Fahrradwege zuparken. Auch für den Urteilsplatz hat er eine Vision: Er würde ihn gern weitgehend autofrei sehen.

Christine Buchheit
Nahverkehr, Chrysanthema, Integration, Biodiversität, Bildung – die Bandbreite der Themen, mit denen Buchheit konfrontiert wird, ist groß. Die Innenstadt ist mehrfach Thema. Die Aufenthaltsqualität müsse, so Buchheit, gesteigert werden, zum Beispiel durch Sitzgelegenheiten. Zusammen mit der Werbegemeinschaft könnte sie sich vorstellen, einen Aktionsplan aufzustellen, um Leerständen entgegenzuwirken. Zudem spricht sie sich für einen Lebensmittelladen samt Lieferservice in der Stadt aus. "Ein Frauenbeirat wäre mit mir als OB eine schöne Sache", antwortet sie auf die Frage einer Besucherin. "Wir haben in Sachen Gleichberechtigung noch was zu tun", sagt Buchheit und berichtet von Erfahrungen aus dem Wahlkampf. Eine Frau habe ihr zum Beispiel gesagt, dass nur Männer für den Job als OB geeignet seien. Auch der Verkehr ist Thema. Um Autofahrer zum Umsteigen auf den ÖPNV zu bewegen, brauche es ein attraktives Angebot, sagt Buchheit. Beim Thema Busverbindungen wolle sie "schnell in Aktion treten". Auf die Frage nach der Sicherheit verweist sie auf die Kriminalstatistik, die "keine Auffälligkeiten" aufweise. Über einen Ausbau des Kommunalen Ordnungsdienstes könne man nachdenken. Buchheit macht zu bekannten Positionen deutlich: Sie lehnt die Schutterparallele und chinesische Investoren als Flugplatzbetreiber ab.



Guido Schöneboom
Guido Schöneboom setzt auf Kontinuität. Dieses Wort fällt zuerst, als der Erste Bürgermeister gefragt wird, wie er sich von Bewerbern mit ähnlichen Positionen abheben will. Dann möchte jemand wissen, wie er Markus Iberts Vision für Wohnbebauung in Mietersheim bewertet. "600 Wohnungen halte ich für zu viel an diesem Standort", lautet die Antwort. Den Wunsch, den Frauenbeirat wieder zu beleben, bewertet Schöneboom kritisch. "Ich sehe keine große Notwendigkeit", sagt er. Einerseits gebe es das Frauenpolitische Forum, andererseits städtische Beiräte, wo viele entsprechende Themen bereits diskutiert würden. Dass Sportvereine städtische Hallen gern länger als 22 Uhr nutzen würden, nimmt Schöneboom auf: "Dem wollen wir gerecht werden." Er stellt ein Konzept zur Hortbetreuung in Aussicht, weitere Bäume in der Innenstadt und neue Fahrradabstellplätze. Und was ist aus den Plänen für einen Campus mit Musik- und Volkshochschule auf dem Zeitareal geworden? "Das war finanziell nicht zu stemmen", sagt Schöneboom. Perspektiven sieht er woanders, nämlich auf dem Postareal in der Innenstadt. Nicht lange überlegen muss Schöneboom, als jemand die Schließung des Terrassenbads befürchtet. Die klare Antwort: "Das Terrassenbad ist untrennbar mit Lahr verbunden. Es bleibt."

Lukas Oßwald
Im Klassenzimmer setzt sich Oßwald locker auf einen Tisch in der ersten Reihe, er ist bereit für die Fragen. "Als OB möchte ich selbstverwaltete Jugendzentren schaffen. Das ist wichtig, auch um Verantwortung zu lernen", sagt der Kandidat zum Thema Jugendförderung. Dafür erntet er Zustimmung. Anders als ein Fragesteller ist für ihn nicht Verbrechensprävention, sondern Verkehrssicherheit ein drängendes Thema. Lahr müsse sicherer für Radfahrer und Fußgänger werden. "Ich bin täglich mit dem Rad unterwegs und weiß, wie es ist." In den ersten 100 Tagen als möglicher OB werde er die drängendsten Verkehrsthemen angehen und sich seinem Herzensthema widmen: bezahlbarem Wohnraum. Im Bereich der Chancengleichheit sieht Oßwald wie eine Besucherin Handlungsbedarf. Die Einrichtung einer vollen Stelle für Gleichstellung unterstütze er. "Es geht aber nicht nur um Frauenthemen, sondern um gleiche Chancen für alle." Geförderte Jobs für Arbeitslose oder Geflüchtete lehnt er ab. "Arbeit, die nicht sozialversichert ist, ist nicht sozial." Die Kritik, er habe zu viele Ziele in seinem Wahlprogramm formuliert, kontert Oßwald: "Ich habe sie bewusst gewählt, damit darüber gesprochen wird." Eine Einkaufsmeile könne er sich vorstellen, um die Innenstadt zu beleben. Als Vorbild nennt er die Stadt Weiden.