Corona-Schutz

SPD will Vor-Ort-Aktionen für beschleunigtes Impfen im Kreis Lörrach

Michael Baas

Von Michael Baas

Di, 06. April 2021 um 19:02 Uhr

Kreis Lörrach

Die SPD im Kreis Lörrach fordert mehr Tempo und Flexibilität bei den Corona-Impfungen. Der Vorstoß der Fraktion stößt auf Vorbehalte im Landratsamt:Die Impfstoffknappheit sei der limitierende Faktor.

"Wir müssen schneller und flexibler werden", forderte Marion Caspers-Merk, SPD-Kreisrätin und frühere Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, dieser Tage im Kreistag hinsichtlich des Tempos der Corona-Impfungen. Dass schneller geimpft werden kann, machen dieser Tage tatsächlich viele Staaten vor. Auch vielen Ländern der Europäischen Union, die durch die gemeinsame Impfstoffbeschaffung faktisch die gleiche Ausgangsposition haben wie Deutschland, gelingt es derzeit, den verfügbaren Impfstoff pragmatischer zu verteilen.

An der Stelle hakt die SPD nun erneut nach. Ende März hatte sie bereits das Vorgehen des Landratsamtes im Fall einer ehrenamtlich geplanten, dann aber abgesagten "wilden" Impfaktion in Efringen-Kirchen kritisiert. In einem offenen Brief an die Landrätin regt die Kreistagsfraktion nun an, das mobile Impfteam (MIT) aus Freiburg ab sofort in konzentrierten Vorort-Aktionen einzusetzen.

SPD schlägt konkrete Standorte vor

Nach Informationen der SPD sei dieses inzwischen in der Lage bis zu 400 Dosen pro Tag zu verimpfen und bietet das auch so an. Das aber gehe am besten an einem Ort und nicht durch Herumfahren zu kleinen Gruppen beim Betreuten Wohnen, begründet Marion Caspers-Merk den Vorstoß auf Nachfrage. Insofern mache es mehr Sinn, diese Gruppe zu impfen und "dort weitere Berechtigte des Ortes unter Mithilfe der Gemeinde mitzunehmen." Zumal die Impfstrategie des Landes solche Vor-Ort-Aktionen zulasse. Die SPD schlägt daher vor, größere dezentrale Aktionen anzubieten.

Als Standorte böten sich das Kurhaus Bad Bellingen sowie Hallen in Rheinfelden, Schönau und Kandern an. Da gebe es Parkmöglichkeiten und die Gemeinden könnten die Organisation unterstützen. "Diese Aktionen würden Druck vom KIZ nehmen, wären für viele einfacher zu erreichen" und trügen "zu mehr Tempo und Flexibilität" bei, befindet die SPD.

Landrätin sieht keine Spielräume

Die Landrätin sieht in ihrer ebenfalls veröffentlichten Antwort einstweilen jedoch keine Spielräume für diese Option, signalisiert aber die Bereitschaft, im Mai, wenn mehr Impfstoff vorhanden sei, auf Kommunen zuzugehen. Derzeit schöpfe der Kreis die über das Freiburger und sein mobiles Team "maximal abrufbare Impfstoffmenge" bereits aus. Konkret verfüge das MIT Freiburg bis Ende April über 1660 Impfdosen, weitere 1500 stünden dem des Kreises zur Verfügung. Alle aber würden nach der Impfverordnung, dem Leitfaden des Landes und in Absprache mit den Kommunen zum Schutz der Vulnerabelsten genutzt, also der Menschen die Tagespflege-Einrichtungen besuchten, im betreuten Wohnen oder einer Einrichtung der Eingliederungshilfe lebten.

Keine ungenutzten Kapazitäten

Zusätzliche Vor-Ort-Impfungen könnten diese individuellen Einsätze und das KIZ dann ergänzen, wenn diese vulnerabelsten Gruppen geimpft seien. Allerdings dürften zusätzliche Vor-Ort-Termine durch mobile Teams eben nicht zu deren Lasten gehen. Auch müssten dezentrale Lösungen von den Vertretern des KIZ abgenommen werden und schlussendlich hänge es davon ab, ob genug Impfstoff verfügbar sei. Das sei überhaupt der entscheidende Faktor in Sachen Impftempo.

Ungenutzte Kapazitäten gebe es im Kreis bisher jedenfalls ebenso wenig wie Impfdosen oder gar Reste. Im KIZ sei noch keine Dose entsorgt worden, betonte das Landratsamt am Dienstag auf Nachfrage. Für den Fall, dass Reste zeitnah verimpft werden müssten, gebe es eine Back-up-Liste von Berechtigten, die kurzfristig einbestellt werden könnten. Auf dieser vom KIZ gepflegten Liste befänden sich unter anderem Mitarbeitende des KIZ, der ambulanten Pflege- und des Rettungsdienstes, der Schwerpunktpraxen, Abstrichstellen und des Gesundheitsdienstes.