Brödli-Tipps

"Springerle backen ist eine Gefühlssache"

Andrea Gallien

Von Andrea Gallien

Sa, 12. Dezember 2020 um 16:06 Uhr

Gastronomie

Mehl, Zucker, Eier, Salz und Kirschwasser – mehr braucht man nicht für Springerle. Springerle-Fachfrau Brigitte Rees aus Merzhausen weiß, worauf es ankommt, damit sie perfekt werden: aufs Gefühl.

Die Adventszeit, das ist auch die Zeit der Weihnachtsmärkte in den Gemeinden. Doch sie fallen aus in einem Jahr, das maßgeblich von Corona geprägt ist mit Hygienevorschriften, Maskenpflicht und Abstandsgebot. Wie geht es denjenigen, die die Märkte normalerweise mit ihren Waren bestücken und in diesem Jahr nicht zum Zuge kommen? Die BZ hat nachgefragt, heute bei Brigitte Rees in Merzhausen.

Springerle macht man nicht einfach so nebenbei. Springerle backen will gelernt sein. Brigitte Rees ist schon ihrer Mutter beim Backen zur Hand gegangen. Später, als sie einen eigenen Haushalt führte, hat sie die Tradition fortgesetzt, "Es dauerte aber eine Zeit, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden war". Denn beim Springerlebacken muss man wissen, was in den Teig gehört: Mehl, Zucker, Eier, eine Prise Salz und Kirschwasser. Man muss wissen, wie lange die Springerle im Ofen bleiben dürfen, zu kurz, dann schmecken sie nicht, zu lang, dann werden sie hart. Aber: "Springerle backen ist auch eine Gefühlssache", sagt Brigitte Rees.

Und die wiederum hängt mit der Erfahrung zusammen, die sie nach vielen tausend Springerle, die in ihrer Küche in den vergangenen Jahrzehnten entstanden sind, gemacht hat. Seit 2012 kommt nicht nur die Familie in den Genuss des Gebäcks, seither ist Brigitte Rees auch regelmäßig auf dem Merzhauser Markt und verkauft ihre Springerle. Den Stand teilt sie sich mit einer Bekannten. Glücklicherweise steht er im Foyer, sagt sie, "draußen würde ich es nicht aushalten, das wäre mir zu kalt".

50 verschiedene Model-Formen hat Brigitte Rees

Mehr als 50 Tüten mit kleinen und großen Springerle hat sie verkauft. "In keiner Tüte waren zwei mit dem gleichen Motiv, darauf habe ich immer geachtet". Aber dieses Jahr gab es keinen Markt. Für Freunde und Bekannte, die sich eine Adventszeit ohne Brigitte Rees’ Springerle nicht vorstellen konnten, hat sie dennoch welche gebacken. Aber jetzt soll Schluss sein für dieses Jahr. Der Herd ist zum letzten Mal angestellt, die letzten Springerle haben eine Nacht auf dem Backbrett geruht, bevor sie nun in den Ofen kommen.

Vielfältig sind die Motive. Mit Holzformen, den sogenannten Model, werden Motive in den Teig gedrückt. Brigitte Rees hat mehr als 50 verschiedene, runde und eckige, kleinere und größere. Sie bevorzugt die Schweizer Model, sagt Brigitte Rees, "deren Bilder sind besonders filigran." Weihnachtsmotive gibt es natürlich: Maria mit Josef und dem Jesuskind, Knecht Ruprecht, die Krippe, aber auch eher zeitlose wie den Flötenspieler, die Sterne oder den Fliegenpilz. Alte Model, die noch die Muter verwendet hat, benutzt Brigitte Rees nicht. Die heutigen seien hygienischer und unter fließendem Wasser leichter zu pflegen.

Brigitte Rees hofft, dass sie nächstes Jahr wieder auf dem Merzhauser Weihnachtsmarkt verkaufen kann. Denn trotz aller Freunde, die ihre Backkunst loben und schätzen, habe ihr der Markt doch gefehlt. "Die Bestätigung der Leute dort, die tut einfach gut und motiviert einen, dass man weiter macht."