Ernährung

Veganern fehlt es oft an Jod – aber nicht nur ihnen

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Sa, 19. September 2020 um 22:02 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Das Bundesinstitut für Risikobewertung untersucht die Risiken und Vorteile einer veganen Ernährung. Eine Erkenntnis: Auch Mischköstler leiden oft an Jodmangel.

Wie gut sind eigentlich Menschen, die sich vegan ernähren, mit Vitaminen und Nährstoffen versorgt? Dieser Frage ging das Studienprojekt "Risiken und Vorteile einer veganen Ernährung" des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) nach. "Es geht dabei keineswegs darum, primär von einer Ernährungsweise abzuraten", betont Projektleiterin Cornelia Weikert, "sondern wir wollen wirkliche Risiken und Vorteile identifizieren, vor allem, da die bisherige Studienlage zum Makro- und Mikronutrientenstatus von Veganern extrem schlecht ist."

Die im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichte Studie mit 36 Mischköstlern und 36 Veganern kommt zu dem Schluss, dass vor allem Jod das Sorgenkind ist: Die Mehrzahl der Studienteilnehmer war unterversorgt, sowohl die Mischköstler, mehr noch aber die Veganer.

Bei einem Drittel der vegan lebenden Probanden maßen die Forscher im 24-Stunden-Sammelurin einen Wert unterhalb von 20 Mikrogramm pro Liter. Das ist der von der Weltgesundheitsorganisation definierte Grenzwert – wird er unterschritten, gilt das als schwere Unterversorgung. "Das Ergebnis verwundert nicht, wenn man sich anschaut, welche Lebensmittel am meisten zu unserer Jodversorgung beitragen", sagt Weikert. "Als natürliche Jodquellen sind hier vor allem Meeresfisch und Milchprodukte zu nennen, wenn den Kühen jodiertes Futter gegeben wurde. Ansonsten wird Jod vor allem über tierische Lebensmittel wie Wurst und Käse, die mit Jodsalz hergestellt wurden, aufgenommen."

Die Forscher stellte zudem bei jeweils rund zehn Prozent der Mischköstler und der Veganer einen Eisenmangel fest. Die Versorgung mit Vitamin B12 war dagegen bei beiden Gruppen gut. Die Studienautoren führen das darauf zurück, dass vegan lebende Menschen Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen, da Vitamin B 12 in einer für den Menschen verwertbaren Form fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vorkommt.

Bei veganer Ernährung zeigten sich gesundheitliche Vorteile wie eine höhere Aufnahme von Ballaststoffen und niedrigere Cholesterinwerte. Bei den Veganern wurden im Vergleich zu den Mischköstlern jedoch auch geringere Konzentrationen der Vitamine B2, B3, E sowie A beobachtet. "Das bedeutet allerdings nicht, dass die betroffenen Personen auch klinische Symptome eines Mangels entwickeln", sagt Weikert. "Es ist bislang nicht geklärt, inwieweit diese niedrigeren Werte zu Nachteilen führen". Die niedrigen Jodwerte sieht sie kritischer: Veganer sollten dies als Warnsignal verstehen, dass ein solcher Mangel auftreten könne.

Aus dieser einen Studie mit ihrer verhältnismäßig geringen Teilnehmerzahl lassen sich keine generellen Schlüsse ziehen, das sagt auch Jochen Seufert, Leiter der Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie an der Klinik für Innere Medizin II am Uniklinikum Freiburg. Allerdings gebe es unabhängig davon durchaus Hinweise darauf, dass eine vegane Ernährung zu Jodmangel führen kann. "Das ist naheliegend, wenn man bedenkt, dass die fünf besten Jodlieferanten Seefische sind", sagt Seufert. Für vegan lebende Menschen stellt jodiertes Speisesalz die Hauptquelle für Jod dar. Manche essen Algen, wobei hier besonders auf den Jodgehalt geachtet werden muss, da man mit Algen schnell eine Überdosis Jod erreicht. Brokkoli ist ebenfalls relativ jodhaltig, sofern er – wie jedes Gemüse – auf jodhaltigem Boden wächst. "Deutschland ist zwar kein Jodmangelgebiet mehr wie noch vor einigen Jahrzehnten, aber an die von der WHO vorgegebenen Werte zur Jodversorgung kommen wir noch immer nicht ganz ran", sagt Seufert.

Rund 95 Prozent des Jods nutzt die Schilddrüse. "Ein Mangel kann vor allem im Kindheitsalter eklatante Folgen haben, das Wachstum wird gehemmt und Organe bilden sich nicht richtig aus", sagt Seufert. Er empfiehlt Veganern, ihren Jodstatus vom Hausarzt bestimmen zu lassen und bei Mangel Depottabletten zu nehmen. Er rät ab davon, einfach so Jodtabletten zu nehmen: "Das kann schnell in die Richtung einer Überdosierung gehen", sagt Seufert.