Lieferung ohne Bestellung

Verbraucher müssen nicht verlangte Ware nicht bezahlen

Sabine Holzäpfel

Von Sabine Holzäpfel

Sa, 20. Februar 2021 um 19:11 Uhr

Wirtschaft

Erhalten Verbraucher Ware, die sie nicht bestellt haben, müssen sie diese weder zurückschicken noch bezahlen. Doch mit Inkassoschreiben wird oft großer Druck aufgebaut.

Als Herr V. das Päckchen einer ihm unbekannten Firma öffnete, war er entsetzt: Fast 300 Euro sollte er für das beiliegende Präparat zur Penisverlängerung zahlen, laut Schreiben hatte V. sogar ein Abo für die Pillen abgeschlossen. Doch weder das Produkt namens "Horse Power" noch die Firma "Aliaz Cooperation" waren Herrn V. bekannt. Er beschwerte sich mehrfach bei der Aliaz Cooperation. Doch die Firma erklärte lediglich den Abo-Vertrag für beendet, bestand aber auf der offenen Forderung. Diese wurde mit Nachdruck eingefordert, Herr V. erhielt wenig später ein Inkassoschreiben von Inkassolution. Neben der IP-Adresse, über die die Bestellung angeblich getätigt worden war, führte das Unternehmen außerdem Herrn V.s E-Mail-Adresse als weiteren Beleg für die Bestellung auf. Mit Verzugszinsen, Gläubigerkosten und weiteren Auslagen betrug die geforderte Summe inzwischen 400 Euro.

Herr V. wandte sich an die Verbraucherzentrale. Dort war die Firma Aliaz Cooperation aus zahlreichen Verbraucherbeschwerden bekannt. Seit Jahren tauchte der Name immer wieder im Zusammenhang mit unbestellten Waren und aggressiven Zahlungsaufforderungen auf. Da sich der Firmensitz der Aliaz Cooperation in Lettland befindet, war die rechtliche Handhabe der Verbraucherzentrale gegen das Unternehmen beschränkt. Allerdings konnte das europäische Verbraucherzentrum EVZ in Kehl gemeinsam mit den lettischen Behörden erfolgreich gegen die Firma vorgehen.

In der Beratung wurde schnell klar: Die Forderung gegen Herrn V. ist unberechtigt. Die Verbraucherzentrale verwies ihn auf ihren Musterbrief, den V. an Inkassolution schickte. Wenige Tage später erhielt V. von der Inkassofirma die Information, dass der Mandant den Fall zurückgezogen habe und die Akte geschlossen werde. Er muss nun keine weiteren Mahnschreiben fürchten.

Verbraucher, die ein Inkassoschreiben erhalten haben und sich unsicher sind, ob dieses berechtigt ist, können die Forderung auch mit dem kostenlosen Online-Check der Verbraucherzentralen überprüfen lassen: http://www.inkasso-check.de
Sabine Holzäpfel ist Referentin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, Tel. 0711/669110
Mail: info@vz-bawue.de