Freizeitsport

Wakeboarden auf dem Freiburger Tunisee: "Ganz einfach Freiheit"

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

So, 14. August 2022 um 10:30 Uhr

Freiburg

Der Sonntag Seit dreizehn Jahren gibt es am Tunisee bei Freiburg eine Wakeboard-Anlage. Um bei dem Trendsport auf dem Brett zu bleiben braucht man Körperspannung, lockere Beine – dann kommt das Freiheitsgefühl.

Das Wasser ist im Mai schon warm, aber die Freiburger kämen immer erst, wenn es 30 Grad hat und Hochsommer ist, wundert sich Cornelia Bruder. Ab April, wenn der Campingplatz Tunisee nach der Winterpause öffnet, sitzt die Geschäftsführerin der Tunisee Camping GmbH bereits frühmorgens in der Rezeption. Hier machen alle Halt, bevor sie das Gelände betreten, winken mit der Jahreskarte oder schieben ein paar Münzen für den Badeeintritt durchs Fenster.

Drei Euro zahlen Erwachsene, Kinder 1,80 Euro. Dafür kann man die Badematte im Uferbereich ausrollen, nach Herzenslust schwimmen oder den großen Eisberg aus Kunststoff erklettern, der im See treibt. Und auf dem gepflegten Gelände saubere Duschen und Toiletten benutzen. "Für mich ist es eine Art Zuhause. Wir Kinder sind hier groß geworden", erzählt Cornelia Bruder, deren Familie den Campingplatz seit 35 Jahren betreibt. Blockhäuser und Mobilheime kann mieten, wer nicht mit dem eigenen Wagen oder einem Zelt anreist.

Die meisten Camper kommen aus Deutschland, doch der Platz ist auch bei Schweizern, Franzosen und Holländern beliebt. "Ich mag es nicht still. Man soll lachen und Spaß haben können. Auch sportliche Angebote sind mir wichtig", sagt Cornelia Bruder. Der Tauchcenter Freiburg hat sich vor über zehn Jahren auf dem Gelände angesiedelt und veranstaltet hier Tauchkurse.

Auch Wassersport-Fans aus Frankreich und der Schweiz sind gerne am Tunisee

Seit 13 Jahren gibt es auf der linken Seehälfte auch eine Wakeboard-Anlage. Wakeboarden, das ist eine Sportart, die sich in den 1950er Jahren aus dem Wasserskifahren mit Monoski entwickelt hat. Beim Wakeboarden steht man seitlich zur Fahrtrichtung auf einem Brett, die Füße durch eine Bindung fixiert. Der Wakeboarder wird von einem Jetski, Motorboot oder einem Lift gezogen und hält sich dabei an einer so genannten Handel. Der Allgäuer Wakeboard-Fan Peter Falb hatte die Idee, eine Anlage auf dem Tunisee zu errichten und Cornelia Bruder gab nach einem Ausflug zu einem bereits etablierten Wakepark in St. Leon-Rot bei Heidelberg und der Genehmigung der Stadt Freiburg grünes Licht für den Bau auf ihrem Gelände. Neben St. Leon-Rot und Pfullendorf ist Freiburg der dritte Hotspot für Wakeboarder in Baden-Württemberg. Seit einem halben Jahr gibt es zwar zwei Anlagen im Frankreich (Koba Wake Park in Wittisheim bei Selestat und East Park in Bartenheim bei Colmar), doch der Tunisee zieht nach wie vor auch viele französische und schweizerische Wassersportfreunde an.

Bereits um 8 Uhr morgens ist die "Bahn" in den Sommermonaten oft vermietet. "Heute zum Beispiel an eine Freiburger Familie, alle Anfänger", erzählt Laura Kehrt. Sie ist Betreiberin der Anlage und Wakeboard-Lehrerin. Um 7 Uhr, wenn die ersten Frühschwimmer in der rechten Hälfte des Sees ihre Runden drehen, hat sie bereits eine Kontrollrunde mit dem Boot gedreht. Um 9 Uhr steht ein gemischter Anfängerkurs mit Schwimmwesten und Badekleidung auf dem Holzsteg, in der Hand Boards oder Ski. Die kann man gratis ausleihen, wenn man einen der Kurse bucht, die täglich veranstaltet werden.

Erst wird an Land geübt

Auch wenn es am Tunisee spezielle Kinderkurse gibt, empfiehlt Laura Kerth Wakeboarden erst ab einem Alter von zwölf Jahren. "Man muss sehr gut schwimmen können und wenn man ins Wasser fällt, innerhalb von Sekunden Entscheidungen treffen", sagt sie. Wann lasse ich die Handel los, wie vermeide ich eine Kollision mit einem anderen Wakeboarder? Solche Fragen müssen auch Erwachsene blitzschnell beantworten und entsprechend reagieren, denn in Anfängerkursen ist man öfter im Wasser als auf dem Board. Daher beginnt jeder Kurs mit intensiven Trockenübungen.

Wenn man schon snowboarden, surfen oder skaten kann, bringt man zwar ein wenig Brettgefühl mit, muss aber mit dem permanenten Zug am Seil des Lifts klarkommen. Um zu simulieren, wie stark er bei 26 Stundenkilometern spürbar ist, zieht Laura Kerth an einem Seil, dessen anderes Ende ein Kursteilnehmer halten muss. Körperspannung ist gefragt und trotzdem lockere Beine. "Am Lift kommt der Zug noch stärker und man hat erst einmal den Reflex, sich am Seil hochzuziehen", schildert sie den nahezu unvermeidlichen Anfängerfehler.

Und jetzt: Rauf auf die Rampe. Mit dem Knieboard, den Ski oder dem Board. Denn alle drei Varianten sind beim Wakeboarden wählbar. Laura Kerths Kollege steht am Lift und reicht die Handeln an. Greifen, Körperspannung halten und nicht nach vorne kippen! Es braucht eine Weile, bis das klappt und mancher Teilnehmer steht nur für Sekunden auf dem Brett, um dann minutenlang mit seinem Sportgerät wieder an Land zu schwimmen. Besser machen möchte man es beim nächsten Mal und irgendwann klappt es plötzlich, auch wenn das Ansteuern und gezielte Überspringen der "Obstacles" genannten Hindernisse erst Fortgeschrittenen möglich ist.

Freiheitsgefühl – und reichlich Adrenalin

Es sei am Anfang "eine große Adrenalinausschüttung" und das bleibe auch so, wenn man den Sport länger betreibe, sagt Laura Kerth, selbst erfahrene Wakeboarderin. Das Gefühl, ein Stückchen weiter gekommen zu sein, das Brett zu spüren und schließlich lenken zu können, macht stolz und glücklich, wie man in den Gesichtern der Wakeboard-Frischlinge sehen kann. Wakeboarden ist für Laura Kerth "ganz einfach Freiheit": "Man spürt das Brett und den Widerstand des Wassers. Ist bei sich und trotzdem bei den anderen, die auch auf dem Wasser sind oder deine Fahrt vom Land aus verfolgen". Übrigens: Der älteste Wakeboarder, der regelmäßig auf der Anlage am Tunisee fährt, ist 80 Jahre alt. Und wer einfach mal schauen möchte, wie das die anderen machen, kann sich mit einem prickelnden Kaltgetränk von der neuen Mauri-Bar im Miniatur-Leuchtturm auch einfach auf einen der bequemen Stühle am Ufer setzen. Für das leibliche Wohl sorgen ein Kiosk und das "Wirtschäftle".
0Kontakt: tunisee.deund wakepark-tunisee.de.
Öffnungszeiten des Wakeparks (Ausnahme Kurse): Montag bis Sonntag 16 bis 21 Uhr.