BZ-Serie

Was macht eigentlich der altkatholische Pfarrer Christian Edringer heute?

Michael Gottstein

Von Michael Gottstein

Mo, 13. September 2021 um 09:53 Uhr

Bad Säckingen

Bis 2012 war Christian Edringer in Bad Säckingen als Pfarrer der altkatholischen Kirchengemeinde der Alt-Katholiken Hochrhein-Wiesental tätig. Was aus ihm geworden ist, wollte die BZ wissen.

Äußerlich kaum verändert, mit demselben Lachen und derselben offenen Art, begrüßt Christian Edringer die Besucher vor dem christkatholischen Gemeindezentrum von Möhlin, wo er seit 2012 lebt und arbeitet. Seine neue Wirkungsstätte liegt nicht weit von Bad Säckingen entfernt, aber doch in einem anderen Land, und auch die Rahmenbedingungen sind andere.

Als Pfarrer Edringer die Gemeinde Hochrhein-Wiesental im Jahre 2012 verließ, fiel ihm der Abschied nicht leicht, war er doch im Verlauf von siebeneinhalb Jahren in Bad Säckingen heimisch geworden. Er stammt aus Dortmund, trat den Franziskanern bei, studierte römisch-katholische Theologie und wurde im Jahr 1991 zum Priester geweiht. Nachdem er 2004 zur altkatholischen Kirche übergetreten war, nahm er die angebotene Stelle in Bad Säckingen an. Hier hatte er weite Fahrwege zurückzulegen, um vier kleine Gemeinden in Waldshut, Bad Säckingen, Rheinfelden und Zell zu betreuen. Die Altkatholiken unterhielten gute Beziehungen zu den Christkatholiken (so nennen sich die Altkatholiken in der Schweiz) in Möhlin, und so fragte die dortige Gemeinde bei Christian Edringer an, als sie einen Nachfolger für den in Pension gehenden Pfarrer Eugen Herzog suchte.

Teil der Dorfgemeinschaft

Er zögerte zunächst, aber als die Gemeinde nach einem Dreivierteljahr die Anfrage wiederholte, sagte er zu. "In der Schweiz standen mir die Türen von Anfang an offen, schließlich war die Gemeinde auf mich zugegangen", berichtet Christian Edringer. Seine 14 und zwölf Jahre alten Töchter sind hier geboren, völlig integriert und wechseln mühelos zwischen Mundart und Schriftsprache, und seine Ehefrau arbeitet als Französisch- und Spanisch-Lehrerin in Grenzach. Der 58-Jährige selbst spricht kein Schwyzerdütsch, was sich aber nie als Problem erwiesen hatte. "Ich bin Teil der Dorfgemeinschaft und fühle mich hier wohl, auch wenn ich früher nicht daran gedacht habe, einmal Dorfpfarrer zu werden."

Während viele römisch-katholischen Pfarrer immer größeren Seelsorgeeinheiten vorstehen, ist in Möhlin mit seinen etwa 800 Christkatholiken das alte Prinzip "Ein Dorf, eine Kirche, ein Pfarrer" noch lebendig. Pfarrer Edringer gehört zwar zusammen mit den christkatholischen Amtsbrüdern in Rheinfelden, Hellikon, Magden und Obermumpf zu einem Pastoralteam, das den Religionsunterricht gemeinsam organisiert, kümmert sich aber hauptsächlich um die Möhliner Gemeinde, wo es jeden Sonntag und an allen Feiertagen Gottesdienste gibt. Möhlin ist aus neun verschiedenen Weilern entstanden und hat mit 11 000 Einwohnern die Größe einer Kleinstadt erreicht, dennoch behielt es die Struktur eines sehr langgezogenen Dorfes und auch seinen dörflichen Charakter.

Bürokratische Hürden

Ein Problem, wenn man es so nennen möchte, war die Bürokratie beim Wechsel in die Schweiz: Nach dem (mittlerweile überarbeiteten) Schweizer Staatskirchenrecht musste ein "wählbarer Pfarrer" das Bernische Examen abgelegt haben. "Inhaltlich gibt es kaum einen Unterschied zu meinen Studienleistungen aus Deutschland, nichtsdestotrotz musste ich mit über 50 Jahren noch Prüfungen nachholen", berichtet Christian Edringer. Dass er als Pfarrer arbeiten durfte, war nicht zuletzt einem paragraphenkundigen Gemeindemitglied zu verdanken, das ein Schlupfloch entdeckt hatte: Das Recht ließ zu, dass er als "angestellter Pfarrverweser" arbeitete. Da Edringer mittlerweile alle Examina vorweisen kann, wird er am 26. September bei der alle vier Jahren fälligen Wahl erstmals als "wahlfähiger Pfarrer" antreten und dann auch de jure der Pfarrer sein, der er de facto schon ist. Der basisdemokratische Charakter der Schweiz führt zu einem etwas anderen Amtsverständnis, was aber für Christian Edringer kein Problem ist. "Selbst wenn ich das wollte, könnte ich in der Schweiz nicht als ,Hochwürden’ auftreten, hier bin ich einfach der Christian."

Als Pfarrer habe man nicht das letzte Wort, das stehe den gewählten Gremien und in allerletzter Instanz der Gemeindeversammlung zu. Als Deutscher aus dem Ruhrgebiet habe er nie Ressentiments gespürt, was sich auch darin zeigte, dass er zum Präsidenten der Pastoralkonferenz der Schweizer Christkatholischen Kirche gewählt wurde.