Veranstaltung

Weingarten ist einer von 13 Klima-Hotspots in Freiburg

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Do, 08. Oktober 2020 um 00:40 Uhr

Freiburg

Die Nächte in Freiburg-Weingarten sind oft heiß und stickig. Kein Wunder: Der Hochhaus-Stadtteil gilt als einer der Klima-Hotspots der Stadt. Doch es gibt auch Positives wie ein "Klimagarten" im Park.

Obwohl es vielen, die in Weingarten leben, wahrscheinlich nicht bewusst ist: Die Klimakrise zeigt sich auch in ihrem Umfeld. Es gilt sogar als einer von 13 "Hotspots" in Freiburg, an denen sich die Klimaänderungen besonders deutlich auswirken. Darauf macht eine dreiteilige Veranstaltungsreihe der Volkshochschule in Zusammenarbeit mit der Quartiersarbeit vom Verein "Forum Weingarten" aufmerksam, die am Dienstagabend begonnen hat.

Zitrusfrüchte gibt’s noch nicht, aber Auberginen und Physalisbeeren ernten die derzeit 25 Engagierten im Klimagarten im Dietenbachpark bereits. "Das wäre früher nicht möglich gewesen", sagt Meike Dünnweber, die zusammen mit Ines Schröder den Klimagarten bei der ersten Veranstaltung in der Klimareihe vorgestellt hat.

Allerdings nicht direkt vor Ort bei dem Klimaspaziergang durch den Stadtteil, der eigentlich geplant gewesen war: Wegen des starken Regens hat sich die Runde in einen der Quartiersräume im klimafreundlichen Passivhochhaus in der Bugginger Straße 50 zurückgezogen. Dort erzählen Ines Schröder und Meike Dünnweber, woran sie im Klimagarten die zunehmend auffälligeren Wetterveränderungen merken: Zum Beispiel mussten sie in diesem Sommer wieder besonders viel gießen. Das klappt dank des Bachs in direkter Nähe, doch dessen Wasserstand sinkt. Und die Bäume in der Umgebung, die wegen des Schattens sehr wichtig sind, hätten in diesem Jahr wieder besonders früh ihre Blätter verloren, erzählt Meike Dünnweber.

Der Klimagarten ist eins von viele Urban-Gardening-Projekten

Im Klimagarten arbeiten Menschen mit, die der Klimakrise entgegenwirken wollen – genau deshalb ist er 2012 entstanden, als eine kleine Gruppe einfach anfing, Gemüse im Dietenbachpark anzupflanzen. Inzwischen ist er längst eines der vielen von der Stadtverwaltung anerkannten Urban-Gardening-Projekten.

Und die Nachfrage ist so groß, dass die Klimagarten-Gruppe überlegt, ob die Fläche erweitert werden kann, erzählt Ines Schröder. Doch insgesamt gilt: Der Klimagarten ist zwar nicht untypisch für Weingarten, weil es viel Grün im Stadtteil gibt – aber erst recht ist hier auch die Verdichtung sehr stark. Und weil viele Menschen mit wenig Geld in Weingarten leben, seien viele überwiegend mit anderen Problemen als dem Klimaschutz beschäftigt, sagt die Quartiersarbeiterin Christel Werb. Genau deshalb findet sie es umso wichtiger, die Klimakrise auch hier stärker zu thematisieren. Sie nennt ein Beispiel, das vielen auffällt: Für die alten Mammutbäume, von denen es einige in Weingarten gibt, spitze sich die Situation immer mehr zu. Bei einigen sei es klar, dass sie sterben, weil ihnen der Wassermangel zu sehr zugesetzt habe.

Mit dem Gießen kommt man kaum noch hinterher

Ähnliche Erfahrungen kennen viele in der Gruppe: Ein Mann erzählt, dass er in seinem Schrebergarten mit dem Gießen nicht mehr hinterherkommt. Und eine Frau sagt, dass sie an den immer häufigeren heißen Sommertagen, wenn sie aus der Innenstadt mit der Straßenbahn zurück nach Hause fahre, beim Aussteigen an der Haltestelle Krozinger Straße merke, dass es in Weingarten viel heißer als in der Innenstadt sei. Das wundert Wulf Westermann vom Institut für Fortbildung und Projektmanagement und die freiberufliche Umweltpsychologin Nathalie Niekisch, die alle Veranstaltungen leiten, nicht: Überall, wo es dichte Bebauung und Versiegelung und keine Versickerungsmöglichkeiten gebe, speichere sich die Wärme, sagt Wulf Westermann. Das gelte besonders auch für die tropischen Nächte, die immer mehr werden und in denen sich die Hitze an solchen Orten viel länger halte als auf dem Land. Umso wichtiger sei es, dem entgegenzuwirken.
Zweite Veranstaltung der Reihe in Weingarten: Dienstag, 13. Oktober, 18 Uhr: "Der Klimawandel und seine Folgen". Die Teilnahme ist kostenlos, aber nur mit Anmeldung möglich, Infos bei Christel Werb, Quartiersarbeit Weingarten-West, Tel. 0761/4760697, werb@forum-weingarten.de.