Wein – Musik – Genuss

Weingenuss und Hochwasserhilfe auf dem Offenburger Marktplatz

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Sa, 31. Juli 2021 um 08:00 Uhr

Gastronomie

Im seinem zweiten Jahr ist das Miniaturweinfest "Wein – Musik – Genuss" bereits ein Selbstläufer. Winzer werben für Hilfe für die Kollegen im Ahrtal.

2020 war Premiere, und bereits im zweiten Jahr ist "Wein – Musik – Genuss" zum Selbstläufer geworden: Am Donnerstag und Freitag, wurde das Event angeboten, zweimal war es mit jeweils 200 Gästen ausgebucht. Was es eindrucksvoll macht: ein bunt dekorierter Marktplatz, lässige Sitzgelegenheiten, Live-Musik, Weininformationen aus erster Hand.

Das Ortenauer Weinfest fällt auch 2021 Corona zum Opfer. Doch das Stadtmarketing beließ es bereits 2020 nicht beim Wehklagen, sondern schuf ein anmutiges Wein-Festival namens "Wein – Musik – Genuss". Zwischen Corona-Testzentrum und dem H & M-Gebäude wurde erneut ein südländisch anmutender Festplatz geschaffen, mit Sonnenschirmen, Liegestühlen, Stehtischen. Erstaunlich, wie man aus Euro-Paletten pfiffige Sitzmöbel bauen kann. Dazu der – nur auf den ersten Blick karg wirkende – Dreiklang: Wasser, Brot, Wein.

Essen mitbringen erlaubt

Zahlreiche Wiederholungstäter waren anwesend, wie Florian Streif von der Weinmanufaktur Gengenbach-Offenburg abfragte: Diese offenbarten sich als Profis, hatten Pizza oder Leberwurstbrot mitgebracht.

Fachwissen exzellent vermittelt

Die Vertreter von sieben Weinbaubetrieben aus Offenburg und den Ortsteilen, zumeist Winzer oder Kellermeister, lieferten exzellentes Fachwissen, machten aus der siebenteiligen Weinprobe ein Weinseminar. Da klärte Stefan Huschle vom Weingut Franckenstein auf, dass sein Betrieb Mitglied des Verbandes der deutschen Prädikatsweingüter sei und dieser nicht mehr auf Begriffe wie Kabinett oder Spätlese setze, dafür auf Gutswein, Ortswein, Erste Lage und Große Lage, und dass die mitgebrachte Rosé-Cuvée eine Mixtur aus Spätburgunder und Monarch ist. Monarch? Ja, eine Neuzüchtung sei das, eine pilzwiderstandsfähige Sorte. Nichtexperten legte Streif ans Herz: "Probieren Sie. Sie könnten überrascht sein."

Nicht alle Gäste schienen zu wissen, dass der Pinot der internationale Begriff für Burgunder und ein Pinot Blanc eben ein Weißburgunder ist, einen solchen hatte Christian Danner vom Ortenauer Weinkeller dabei.

Jochen Basler vom erst vier Jahre alten Weingut Pieper-Basler klärte auf, dass die sozialen Medien längst auch bei den Winzern angekommen seien: "Gott sei Dank gibt es Whats-App-Gruppen, damit konnte man sich sogar auf dem Traktor mit den Kollegen abstimmen, wer was zu diesem Abend mitbringt."

Was macht der Monarch im Wein?

Mit im Boot auch das Weingut Renner in Fessenbach, vertreten durch die Nachwuchsgeneration, das Weingut Schloss Ortenberg, seit Anfang Mai an den Kölner Hotelier Althoff verpachtet, sowie die WG Rammersweier mit Georg Lehmann und Manfred Hauser. Und Florian Streif, ehedem auch als Torhüter des OFV bekannt, präsentierte im Beisein der Badischen Weinprinzessin Victoria Lorenz aus Sasbachwalden und deren Vorgängerin Hanna Mußler aus Berghaupten einen weiß gekelterten Spätburgunder, zu einem erfrischenden Crémant verarbeitet.

Großen Applaus auch die von Stefan Huschle vorgestellte Hilfsaktion für die hochwassergeschädigten Winzer an der Ahr: Von zahlreichen Weinbaubetrieben seien Weine gestiftet und daraus Secher-Weinpakete zusammengestellt worden, zum Preis von je 65 Euro. Das Geld komme den Kollegen an der Ahr zugute, die in den Fluten ihren Wein verloren hätten. "Das große Ziel ist, die Million vollzumachen" - eine Million Euro als Spende. Huschle warb um Unterstützung der Initiative "SOLIDA(H)RITÄT Paket". Spendenwillige verwies er auf die Internetseite des Deutschen Weinbauverbandes.

Der Musik wurde besonderer Applaus gezollt: Jenny Jahnz aus Ettenheim und Sandra Schwörer aus Hornberg. Als Duo Spirits & Music machten sie aus dem Event ein musikalisches Ereignis, ob sie nun Janis Joplin interpretierten, Neal Young oder, mit "Pfüäti Gott, Elisabeth", die Spider Murphy Gang.