Polizeistatistik 2018

Weniger Gewalttaten in Freiburg – aber mehr Einbrüche und mehr Sexualdelikte

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Mo, 25. März 2019 um 11:37 Uhr

Freiburg

Die Zahl der Gewalttaten ist in Freiburg im Jahr 2018 um 11,1 Prozent zurückgegangen. Allerdings wurden deutlich mehr Sexualstraftaten und deutlich mehr Einbrüche registriert.

Die Zahl der Straftaten in Freiburg ist im Jahr 2018 gesunken, die Belastung durch Kriminalität erreicht den niedrigsten Wert seit 2003. Es gab weniger Gewaltdelikte als im Vorjahr. Die Polizei schreibt den Erfolg der Sicherheitspartnerschaft mit dem Land zu – und der Personalaufstockung: "Wir haben bewiesen, dass wir die Kriminalität senken können, wenn wir mehr Polizei zielgerichtet einsetzen", erklärte Polizeipräsident Bernhard Rotzinger. Zugenommen haben jedoch die Sexualstraftaten und – gegen den Landestrend – die Zahl der Einbrüche.

Freiburg bleibt die kriminellste Großstadt in Baden-Württemberg

Trotz des positiven Gesamtergebnisses bleibt Freiburg die kriminellste Großstadt im Land, auch wenn der "Vorsprung" gegenüber Mannheim geschmolzen ist. Die Gesamtzahl der Straftaten ist 2018 gegenüber dem Jahr davor um rund 2000 auf 24 756 Fälle gesunken. Das entspricht einem Rückgang um 7,1 Prozent. "Wir liegen unter dem Zehn-Jahres-Schnitt", meinte der neue Polizeivizepräsident Matthias Zeiser im Pressegespräch am Montag. Auch positiv: Die Polizei verbesserte die Aufklärungsquote um knapp vier Prozentpunkte auf 64,2 Prozent.

"Wir sind noch lange nicht am Ziel, wir liegen in der Altstadt immer noch auf einem hohen Niveau." Berthold Fingerlin, Leiter der Direktion Polizeireviere
Vor allem bei Gewaltkriminalität wie Raub, räuberischer Erpressung, gefährlicher oder schwerer Körperverletzung zeige sich eine positive Entwicklung. Für den scheidenden Polizeipräsidenten Bernhard Rotzinger hängt der Erfolg mit der 2017 geknüpften Sicherheitspartnerschaft zwischen Stadt und Land zusammen. Dafür wurde auch das Personal bei der Polizei aufgestockt. Und es wurde eine neue Ermittlungsgruppe installiert, die sich schwerpunktmäßig um Intensivtäter kümmert.

Weniger Gewaltkriminalität in der Altstadt

Die Gewaltkriminalität in ganz Freiburg ist 2018 um 11,1 Prozent zurückgegangen, in der Altstadt sogar um 16,4 Prozent. Die Zwei-Jahres-Zahlen belegen: Seit dem Start der Sicherheitspartnerschaft haben die Gewaltdelikte in der Altstadt laut Polizei um knapp 30 Prozent abgenommen. Noch in diesem Jahr soll im Bermuda-Dreieck und in der unteren Bertoldstraße die Videoüberwachung installiert werden – die brauche man auch, so Berthold Fingerlin, Leiter der Direktion Polizeireviere: "Wir sind noch lange nicht am Ziel, wir liegen in der Altstadt immer noch auf einem hohen Niveau."

Die Sexualstraftaten sind um 44 auf 216 Fälle gestiegen. Das bedeutet eine Zunahme von rund 25 Prozent. Knapp die Hälfte dieser Straftaten passierte im öffentlichen Raum, wie Kripochef Peter Egetemaier berichtete. "Wir beschäftigen uns damit sehr intensiv ", meinte er. Es gehe auch um das Thema Prävention. Immerhin: Drei Viertel aller Fälle konnte die Polizei aufklären. Der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen erhöhte sich auf 51 Prozent.

Freiburg ist bei Einbrechern beliebt

Die Kriminalitätsstatistik belegt auch, das Freiburg wie die gesamte Region entlang des Rheins ein Hotspot für Einbrecher bleibt. Während in Baden-Württemberg gegenüber 2017 die Einbrüche um 15,5 Prozent zurückgegangen sind, sind sie in der Stadt Freiburg gegen diesen Trend um 18,4 Prozent gestiegen – von 332 auf 393 Fälle. Die Aufklärungsquote liegt bei mageren 10,9 Prozent – und das obwohl die Polizei viel Manpower investiert, Ermittlungsgruppen gegründet hat und bei der Einbrecherjagd auch Hubschrauber einsetzt. Das Problem seien mobile Banden, die oft von Frankreich aus operieren und sich nach der Tat dorthin auch wieder zurückziehen. Es gibt eine gute Zusammenarbeit mit der Polizei in Frankreich und auch in der Schweiz. Etliche Täter habe man verhaften können. Neue kämen jedoch nach: "Das Reservoir scheint unerschöpflich", so Rotzinger.

Die Banden wechseln immer wieder ihre Einsatzgebiete. In den letzten Tagen waren der Kreis Breisgau-Hochschwarzwald und der Raum Lörrach an der Reihe, wo es zuvor für viele Wochen, so Rotzinger, ruhig geblieben war.