Corona-Krise

Wie Gastronomen in Badenweiler mit der Wiedereröffnung umgehen

Silke Hartenstein

Von Silke Hartenstein

Mi, 20. Mai 2020 um 16:05 Uhr

Badenweiler

Gastronomen in Badenweiler betrachten die Wiedereröffnung ihrer Betriebe aufgrund des Regelwerks mit gemischten Gefühlen.

Seit Montag dürfen Gastrobetriebe wieder öffnen. Was gilt es dabei alles zu beachten? Drei Betreiber in Badenweiler stellten bei der Vorbereitung zur Wiederöffnung fest: Mit Abstandhalten, Hygiene und Datenschutz ist der Überblick im Regel-Dschungel derzeit nur schwer zu behalten.

"Es ist gut, dass es jetzt wieder los geht." Sibel Brachmanski, Ratskeller

Was das betrifft, ist die Inhaberin des Restaurants "Ratskeller", Sibel Brachmanski, dankbar für die Unterstützung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). Hierzu gehören auch Vorlagen für Hinweisschilder zum Ausdrucken, die für Gäste ausgelegt und aufgehängt werden müssen. Schon seit Anfang des Monats hat der Ratskeller einen Abholservice für Speisen angeboten, nun ging es diese Woche wieder richtig los im Restaurant in der Kaiserstraße. Hilfreich, so die Inhaberin, sei dafür der große Außenbereich. Vor Corona fanden draußen 92 und drinnen 90 Gäste Platz. Nun ist drinnen Raum für rund ein Drittel und draußen für die Hälfte der Gäste, abends kann zudem ein als Parkplatz genutzter Bereich zusätzlich bestuhlt werden. Die 16 Angestellten sollen möglichst in zwei Gruppen arbeiten.

Wie Brachmanski die von der Dehoga empfohlenen Vorab-Reservierungen umsetzen soll, muss sich noch zeigen, sagt die Gastronomin. Damit ein angemeldeter Gast sicher nicht im Regen steht, müsse drinnen reserviert werden. Das schränke das Platzangebot noch mehr ein. Auch sei noch fraglich, wie spontan eintreffende Gäste reagieren, wenn ihnen ohne Reservierung der Eintritt trotz freier Tische verwehrt werden muss: "Wir leben auch vom Tagestourismus". Die derzeit anvisierte Grenzöffnung zur Schweiz und Frankreich ab Mitte Juni und die Wiederkehr größerer Geburtstags- und Hochzeitsgesellschaften ab Juli bieten inzwischen eine Perspektive. Doch zu Brachmanskis Gästen zählten auch Besucher der Cassiopeia-Therme – und wann das Thermalbad wieder öffnet, ist noch nicht klar. Dennoch sagt sie: "Es ist gut, dass es jetzt wieder los geht."

"Die Regeln und Angaben ändern sich von Tag zu Tag." Franziska Schwer, Grüner Baum

Franziska Schwer, Inhaberin des Landgasthofs "Grüner Baum" im Ortsteil Sehringen beklagt: "Die Regeln und Angaben ändern sich von Tag zu Tag." Ihr Restaurant öffnet am heutigen Mittwoch, 20. Mai, wieder. Das werde höchste Zeit, sagt Schwer. Über zwei Monate Zwangspause und nun weniger Plätze, um Gäste zu bewirten, seien für etliche Gastronomiebetriebe eine Existenz bedrohende Kombination, vor allem für Restaurants mit nur kleinem Gastraum: "Im November kommt das dicke Ende." Schwer habe Glück, dass ihr Restaurant geräumig sei. Von den 80 Plätzen drinnen und 82 Plätzen draußen müssten jetzt jeweils nur zwei Tische weggeräumt werden.

"Die Leute freuen sich darauf", sagt sie zur Wiederöffnung der Gastronomie. Auch ihre Mitarbeiter freuten sich auf ihre Rückkehr an den Arbeitsplatz. Da der Grüne Baum früh einen Abholservice für Speisen und Kuchen eingerichtet hat, hat Schwer gelegentlich die Situation beim Einkauf im Großmarkt erlebt. Dort habe es anfangs eine "Rabattschlacht" für Fleisch- und Milchprodukte gegeben, erzählt sie. Danach hätten etliche Lieferanten die Produktion aber herunter gefahren. Ob nun mit Engpässen bei Zulieferern der Gastronomie zu rechnen ist? "Vermutlich ja", sagt sie, "wenn jetzt alle wieder hochfahren."

"Wir müssen eine klare Linie haben und wollen nicht täglich über neue Regeln nachdenken." Christian Muno, Café Glückauf

Das Café Glückauf in Schweighof fährt den Betrieb erst wieder im Juli hoch. Inhaberin Gisela Muno und ihr Ehemann Christian betreiben das Café gemeinsam. Grund für den späteren Start sind laut Christian Muno die sich ständig ändernden Bestimmungen: "Wir müssen eine klare Linie haben und wollen nicht täglich über neue Regeln nachdenken." Festangestellte haben die Munos keine. Die angestellten Minijobber hätten aber bereits signalisiert, dass sie gern wieder kommen wollen.

Von insgesamt 100 Plätzen, draußen und drinnen, fallen nach Stand jetzt nur zwei Tische weg. Doch gerade zu Pfingsten, wenn mit einem Gästeansturm zu rechnen ist, wollten die Munos den Betrieb nicht inmitten aller Unwägbarkeiten wiederaufnehmen.

Und noch etwas gibt Christian Muno zu denken: Nach den aktuellen Lockerungen sei eine zweite Welle nicht auszuschließen – und dann würde es wirklich schwierig.