77 Veranstaltungen

Wie war’s beim ersten Freiburger Digitaltag?

Jens Kitzler

Von Jens Kitzler

Fr, 18. Juni 2021 um 21:13 Uhr

Freiburg

Zur Premiere des Freiburger Digitaltags gab’s satte 77 Veranstaltungen zur Digitalisierung in vielen Lebensbereichen. Wir haben Zoom, Gotomeeting und Co. installiert und uns mal hineingestürzt.

Parallel zum bundesweiten Digitaltag lud am Freitag erstmals auch Freiburg zu einem eigenen Digitaltag ein, Veranstalter waren die Stadt, der Digihub Südbaden, der Verein Bwcon und die FWTM.

Der Digitaltag
Digitalisierung verändert das Leben fast aller und um das greif- und erlebbar zu machen, wurde bundesweit vor einigen Jahren ein jährlicher Digitaltag ausgerufen. Dass Freiburg nun einen eigenen am selben Tag veranstaltet, ist neu und der zur bundesweiten Eröffnungszeremonie zugeschaltete OB Martin Horn ist stolz: "Wir haben richtig geklotzt. Es sind 77 Veranstaltungen, es geht um E-Learning, Gesundheit, digitale Demokratie, Teilhabe, digitale Nachbarschaftsangebote, aber auch Gaming, natürlich auch die Coronapandemie und und und. Die Bandbreite ist riesig. Ganz verschiedene Akteure, ein Knallerprogramm."

Das Programm
Die 77 Veranstaltungen sind Vorträge, Diskussionen und Workshops, ihre Inhalte zu umreißen, ist kaum möglich. Einem roten Faden – abgesehen von Digitalisierung – folgt der Digitaltag nicht. Und so geht es unter anderem um: Business-Fachwissen, die digitale Stadtbibliothek, Studiengänge, New Work, Fake News, digitale Selbstverteidigung, digitale Mitarbeiter, Smart Cities, neue Formen der Nachbarschaftshilfe, Rechenzentren, Low Code und Social Media. Manche Veranstaltungen kommen daher wie ein Volkshochschulkurs, andere wie ein Seminar oder eine Talkshow. Im Vortrag der Hochschule Furtwangen wiederum läuft der Dozent schlicht mit Kamera durch die Gebäude und besucht verschiedene Forscher im Fachgebiet Game-Design. Hier fällt der bemerkenswerte Satz "wir gehen jetzt mal zu Markus, der gerade pneumatisch geschaukelt wird."

Die Technik
Sie schwächelt eigentlich nur beim Start – zur Eröffnungsveranstaltung gibt es Tonprobleme. Danach aber hakelt es kaum noch, ab und an beginnt ein Workshop mit den Worten "hallo, kann man mich jetzt hören?" oder "Was pfeift da noch?", doch größere Ausfälle sieht man nirgends. Ansonsten ist der Digitaltag ein Schaulaufen der gängigsten Systeme, und wer von Veranstaltung zu Veranstaltung springt, hat bald den Bildschirm voll mit Microsoft Teams, GotoMeeting, Zoom und Co. Die Stadt hat zudem 30 Kanäle des Konferenzsystems Big Blue Button zur Verfügung gestellt.


Die Programm-Macher

Quer durch die Stadt nutzen Firmen, Initiativen, Bildungsstätten und städtische Einrichtungen den Digitaltag als Bühne. Große Firmen wie der Haufe Verlag oder Badenova sind dabei, aber auch zahlreiche kleine Neugründungen. Gleich mit mehreren Veranstaltungen vertreten sind der IT-Dienstleister BadenIT und das Startup Scriptbakery. Dazu kommen Einzelpersonen, soziale Initiativen, die Stadt, die Stadtbibliothek, die Hochschule Furtwangen. Auch die Badische Zeitung ist dabei, sie zeigt, wie Journalismus von Daten profitiert. Etwas überraschend findet sich aber auch die Initiative zum Schutz vor Elektrosmog Südbaden unter den Vortragenden, die Mobilfunk und drahtlosem Internet kritisch gegenübersteht und mit Verschwörungstheorien mitunter schnell bei der Hand ist. Digitalisierungskritiker beim Digitaltag sozusagen.

Die Zuschauer
Die Pandemie hat einiges bewirkt – das Publikum wirkt routiniert im Umgang mit Video-Software und lässt auch brav Kamera und Mikro aus, bis die Fragerunden beginnen. Lustig ist ein Zuhörer, der seine Kamera an lässt und lange beim Bügeln von Hemden beobachtet werden kann. Die am schlechtesten besuchten Vorträge müssen mit einer Handvoll Zuhörer auskommen, die sehr gut besuchten überschreiten die Grenze von 40 Gästen. Am Nachmittag gehen die Zahlen dann aber deutlich zurück – Feierabend und Freibadwetter wird Tribut gezollt. Die Teilnehmerzahl insgesamt war am Freitag noch nicht zu bekommen.

Das Fazit
"Wir sind beeindruckt, dass es so viele Veranstaltung gegeben hat", sagt Solveig Schwarz aus dem Organisationsteam, als der Digitaltag am Abend zu Ende geht. "Und wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen. Viele haben gesagt: Das ist ein toller Startschuss". Sie hoffe, dass der Digitaltag im kommenden Jahr auch ein ganzes Stück analog stattfinden könne und nicht nur vor Bildschirmen.