Bier

1911 endete die Brautradition in Löffingen

Martin Wunderle

Von Martin Wunderle

Di, 19. Mai 2020 um 11:39 Uhr

Gastronomie

Dass früher mehrere Brauereien in Löffingen existierten, kann man sich heute kaum vorstellen. Einige davon hielten sich nur wenige Jahre, wie Heimatforscher Rudolf Gwinner herausgefunden hat.

In Löffingen braute der "Adler" von 1737 bis 1813 in den späteren Weinkellern der Weinhandlung Hogg (später Benitz) sein eigenes Bier. Dem "Pilgerhof" war von 1871 bis 1990 auch eine Brauerei angeschlossen. Aus dem Pilgerhof stammen die Gebrüder Faller, die in Villingen die Brauereigaststätte "Gambrinus" aufbauten.

Das "Ganterbräu" (in Löffingen "Fritschi" genannt) braute von 1869 bis 1902, der Bierkeller ist heute noch in der Nähe des Sportparks Haslach vorhanden. 2014 wurde die Gaststätte geschlossen. Der Name "Ganterbräu" hat nichts mit der Brauerei Ganter in Freiburg zu tun. Die Bezeichnung geht auf den aus Lenzkirch stammenden Bierbrauer Heinrich Ganter (1862-1914) zurück.

Fürstenberg konnte billiger produzieren

Nur elf Jahre (1880 bis 1891) dauerte die Ära der Brauerei Josef Bader in der Demetriusstraße (heute Stadtbau). In der Alenbergstraße betrieb ein Julius Schmutz von 1895 bis 1900 ebenfalls eine Brauerei. Das "Lamm" (ab 1930 "Sonne") braute sein Bier in der ehemaligen Badstube von 1836 bis 1899). Der Braukeller der Sonne ist heute noch auf dem Reichberg vorhanden. Im Sommer wurde neben dem Braukeller eine Gartenwirtschaft betrieben.



Die Löffinger Brauereitradition endet 1911, als die Brauerei Selb in der Oberen Hauptstraße (später Apotheke Knödler) ihren Betrieb eingestellt hatte. Dass einige der Brauereien nur eine kurze Lebenszeit hatten, könnte damit zusammenhängen, dass die Brauerei Fürstenberg in Donaueschingen rationeller und dadurch billiger produzieren konnte, vermutet Gwinner. Und dass ausgerechet 1911 die letzte Brauerei schloss, könnte mit der Erfindung einer neuen Kühltechnik durch Karl von Linde zusammenhängen, die sich viele kleine Brauereien vermutlich nicht leisten konnten, so Gwinner. Die beiden Keller unter dem Gasthaus Sonne und dem Gasthaus Ganterbräu sind in den letzten Kriegsmonaten auch als Luftschutzbunker benutzt worden.

Früher gab es in Löffingen folgende Gaststätten: Restauration zum Bahnhof 1827 bis 1919 (früher Uhrengeschäft Maier/Lorang), Gasthaus "David" 1790 bis 1908 (heute Scheffelapotheke), Gasthaus "Kreuz" 1699 bis 1887 (ehemalige Metzgerei Nickel), eine Gaststätte befand sich von 1799 bis 1821 im heutigen Schuhhaus Schmid. Die "Sonne" (im Löffinger Dialekt auch "die Alt Sunne" genannt – heute Volksbank) existierte vermutlich schon im 13. Jahrhundert und war bis 1920 in Betrieb.

"Ochsen" und "Löwen" sind die ältesten Gasthäuser

Von 1815 bis 1825 befand sich im heutigen Haus Walz in der Kirchstraße (früher Hafnergasse) eine Bierwirtschaft. Der damalige Wirt Thaddäus Messmer erbaute dann 1823 die "Linde", die 1825 den Gaststättenbetrieb aufnahm. Die Brauereigaststätte Selb existierte von 1840 bis 1919 (Einstellung der Brauerei 1911). Im heutigen Haus Koch in der Oberen Hauptstraße befand sich der "Kranz" von 1755 bis 1880. Das legendäre Hotel Pilgerhof existierte von 1871 bis 1993. Im heutigen Möbelhaus Rosenstiel war früher die Gaststätte "Witterschnee" von 1877 bis 1939. Das "Rössle" im Maienland (Haus Hans Grießhaber) gab es von 1872 bis 1902. Als letzte Einkehrmöglichkeit vor der Witterschnee Kapelle gab es noch den "Engel" von 1822 bis 1934. Nicht zu vergessen in der Unteren Hauptstraße den "Adler" von 1707 bis 1977/78 sowie den "Scherrbeck" (später Bäckerei Willmann) von 1810 bis 1899.

Die ältesten noch existierenden Gasthäuser Löffingens sind nach Angaben von Rudolf Gwinner vermutlich der "Ochsen" und der "Löwen". Man könne davon ausgehen, dass sie in die Zeit der Stadtgründung zurückreichen und ursprünglich im Besitz eines Klosters waren, sagt Gwinner. Die Bahnhofsgaststätte ist seit vielen Jahren geschlossen, ebenso wie die drei Cafés Alenberg, Fehrenbach und Schönblick.

Die hohe Anzahl der Gasthäuser lasse nicht unbedingt Rückschlüsse auf die damalige Trinkfreudigkeit der Löffinger zu. Vielmehr sei zu berücksichtigen, dass bis 1901 ein bedeutender Kornmarkt stattfand und die Wallfahrt zum Witterschnee (Schneekreuz) seit dem 18. Jahrhundert in voller Blüte stand. Dafür brauchte man natürlich Gaststätten, um Marktleute und Wallfahrer zu verköstigen. Auch Unterkünfte waren damals gefragt.

Die Wirtedynastien in Löffingen waren vermögend, politisch sehr einflussreich und meist miteinander verwandt. Genannt seien hier zum Beispiel die Familien Ba(a)der, Eggert, Gebert, Glunk, Hogg, Kuster, Lutz und Thoma.