Bevölkerung

Basel bleibt auf Wachstumskurs – der Kreis Lörrach ebenfalls

Michael Baas / BZ

Von Michael Baas & BZ-Redaktion

Mi, 17. Juli 2019 um 18:00 Uhr

Basel

Ein neues Bevölkerungsszenario erwartet für Basel bis 2040 einen Zuwachs von 20.000 auf dann 221.000 Einwohner. Und auch Lörrach wird wachsen.

Die Einwohnerzahl des Kantons Basel-Stadt wird die nächsten Jahre weiter wachsen. Zu diesem Fazit kommt das statistische Amt des Stadtkantons in der Fortschreibung der Bevölkerungsszenarien. Danach hält das zuletzt beobachtete Wachstum auf Basis des mittleren, sprich wahrscheinlichsten, Szenarios in den nächsten Jahren an. Für das Jahr 2040 prognostizieren die Statistiker darüber einen Anstieg der Basler Einwohnerzahl von derzeit rund 200 000 auf dann rund 221 000, also ein Plus von rund zehn Prozent.

Verschiedene Szenarien

Die Bevölkerungsszenarien dienen dem Kanton als Grundlage für Planungen und werden regelmäßig fortgeschrieben, und zwar in jeweils drei Varianten. Die zugrundeliegenden Hypothesen werden dabei jeweils mit Fachleuten aller sieben Departemente des Kantons erarbeitet. Das mittlere Szenario wiederum ist das, das aus heutiger Sicht als realistischstes erscheint. Es geht von der Annahme aus, dass Basel als Wohn- und Arbeitsort attraktiv bleibt und eine entsprechende Nachfrage nach Wohnraum besteht, die Neubauprojekte befriedigen können. Deren Schwerpunkt wird nach den Prognosen Kleinbasel sein. Mit rund 11 000 zusätzlichen Einwohnern zögen die rechtsrheinischen Quartiere mehr als die Hälfte der bis 2040 erwarteten zusätzlichen Einwohner an. Das hat nicht zuletzt mit den da liegenden Transformationsgebieten wie dem Klybeckareal und den angrenzenden Teilen des Rheinhafens Kleinhüningen zu tun. Die Bevölkerung im linksrheinischen Großbasel wächst in dem Szenario zwischen zehn und vier Prozent. In Riehen und Bettingen wird ein Plus von rund neun Prozent erwartet.

Dieses Bevölkerungswachstum verteilt sich nicht gleichmäßig auf alle Altersgruppen. Besonders stark fällt es in der Gruppe der Älteren aus, die 65 Jahre und älter sind. Sie wächst von heute rund 39 000 auf 46 000 oder um 19 Prozent. Eine zweite Zahl signalisiert den demografischen Wandel noch dramatischer: Denn die Zahl der Über-80-Jährigen erhöht sich von heute rund 13 000 auf 18 000, eine Zunahme von rund 33 Prozent. Auf der anderen Seite steigt auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen bis 19 Jahre bis 2040 wegen steigender Geburtenziffern, von heute 34 000 auf 39 000 an, was ein Plus von 16 Prozent bedeutet. Auch die Zahl der Erwerbsfähigen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren wächst danach von heute 128 000 bis 2040 auf 136 000 an; das heißt, diese Gruppe wächst unterdurchschnittlich.

Mehr Rentner

Mit anderen Worten: Im Verhältnis müssen weniger Erwerbstätige mehr Kinder, Jugendliche und Rentner finanzieren. Das spiegeln auch der Altersquotient, also das Verhältnis der Personen im Alter von 65 und mehr Jahren zu jenen im erwerbsfähigen Alter, und der Jugendquotient wider. Beide werden schlechter, und zwar Ersterer von 30 Prozent 2018 auf 34 Prozent; Letzterer von 27 Prozent auf 29 Ende 2040.

Die Alternativszenarien gehen von einem geringen Wohnungsbau und einer abnehmenden Zuwanderung auf dem Niveau vor dem Inkrafttreten der Personenfreizügigkeit aus, beziehungsweise das hohe Szenario umgekehrt von einem hohen internationalen Wanderungssaldo. Das würde bis 2040 dann zu einem Bevölkerungswachstum von 27 Prozent oder um 55 000 auf 255 000 Personen führen.
Die Entwicklung im Landkreis Lörrach

Die Einwohnerzahl steigt die nächsten 15 bis 20 Jahren nicht nur im Schweizer Teil des Ballungsraums, sondern auch hierzulande. Dieses Szenario zeichnet zumindest das Statistische Landesamt in der im Juni veröffentlichten "regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung" bis 2035. Diese basiert auf Daten von 2017 und erwartet landesweit noch bis 2035 einen Einwohnerzuwachs. Der zeige sich zwar vor allem in Großstädten und deren Umland; sei in abgeschwächter Form aber flächendeckend zu erwarten. Der Kreis Lörrach liegt mit dem prognostizierten Wachstum von genau drei Prozent dabei leicht unter dem Landesschnitt von 3,1 Prozent, aber vor den Nachbarkreisen Waldshut und Breisgau-Hochschwarzwald, die auf plus 2,2 beziehungsweise 2,1 Prozent kommen. Spitzenreiter ist Ulm mit einem Plus von 5,8 Prozent, Schlusslicht Baden-Baden mit nur 0,2 Prozent Wachstum. Insgesamt bleiben die Werte aber deutlich unter denen, die für Basel erwartet werden; anders gesagt, hier verschieben sich regionale Gewichte. In absoluten Zahlen erwarten die Statistiker für Kreis Lörrach 2035 gut 235000 Einwohner, also rund 7000 mehr als Ende 2017. Das sind mehr als eine Stadt wie Zell im Wiesental heute Einwohner hat. Lörrach würde danach 2023 die 50 000-Einwohner-Marke überspringen. Schopfheim noch dieses Jahr die 20 000er-Marke. Ende der 70er-Jahre lag die Einwohnerzahl übrigens nur bei rund 190 000. Angetrieben wird die Entwicklung vor allem von zwei Faktoren: Der Zuwanderung und einer steigenden Geburtenrate, wobei Erstere den größeren Schub bringt. Die Demografie entwickelt sich im Übrigen ähnlich wie in Basel: Während die Gruppe der Erwerbstätigen zwischen 20 und 60 Jahren bis 2035 schrumpft und da vor allem in der Gruppe der 40- bis 60-Jährigen, wachsen die Gruppen derjenigen, die älter sind als 60 Jahre, und zwar von gut 54 000 im Jahr 2017 auf fast 70 000 im Jahr 2035 (60 bis 85) beziehungsweise die noch Älteren über 85 von rund 6000 auf gut 9300 im Jahr 2035.