Wein

Beim Weingut Bercher-Schmidt in Oberrotweil geht es um Lage, Lage, Lage

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

So, 13. September 2020 um 07:00 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Offen, direkt und geradlinig: Fabian Schmidt ist so wie seine Weine. Sie sind starke Charaktere, die von der Vielfalt des Kaiserstuhls erzählen. Fabian Schmidt führt Weinfreunde durch seine Reben.

"Keine Sorge, wir kommen da hoch", sagt Fabian Schmidt, blickt aufmunternd zum Beifahrer und gibt Gas. Und tatsächlich erreicht man den Steilhang im Bischoffinger Enselberg auf vier Reifen, wenn der schmale Grasweg schön trocken ist. Mit 80 Ar ist er eines der kleinsten Gewanne des Winzers aus Oberrotweil. Spätburgunder, Riesling und Chardonnay wächst hier oben auf Vulkanasche, geschützt durch ein Laubeichenwäldchen.

"Das sorgt für Kühle und Schatten in der sonst sehr heißen Lage", erklärt der 38-Jährige, stapft ein paar Schritte talwärts und lehnt sich an eine Steinmauer. Im Tal liegt Burkheim, in der Ferne wölben sich die Vogesen. Dass man mit dem Schlepper nicht mehr hochkommt, wäre für manche Kollegen ebenso ein Argument, die steile Fläche nicht zu bewirtschaften, wie die Tatsache, dass hier nur kleine Mengen zu holen sind.

Familienweingut

"Ich will nicht unbedingt große Mengen verkaufen. Mich reizt es, individuelle Weine zu machen, sie extrem nach Lagen auszubauen", beschreibt Fabian Schmidt seine Philosophie und fügt hinzu: "Als kleines Familienweingut können wir das, für einen großen Betrieb wäre es nicht rentabel."

Vulkanverwitterungsgestein mit Lößschicht, Tonanteilen, Tephrit oder Phonolit, Löß- und Lehmboden: Eine jeweils eigene Bodenbeschaffenheit und ein spezielles Mikroklima zeichnet alle sieben Lagen aus, die das Weingut Bercher-Schmidt auf vier Gemarkungen bewirtschaftet. Schmecken muss man das mit warmer Vulkanasche unter den Füßen, will man Fabian Schmidts Leidenschaft für den Kleinstlagenausbau verstehen – und natürlich hat er eine Flasche Wein griffbereit.

"Aus einem kleinen, geheimen Depot am Berg", sagt er, zwinkert und skizziert den Charakter des Tropfens, der gerade im Glas glänzt: "Sehr mineralisch. Sauer- und Süßkirsch-Noten. Eine gewisse Würze und zarter Veilchenduft".

Stil des Vaters

Mit dem trockenen Ausbau von Kleinlagen hat Fabian Schmidts Vater Franz schon begonnen, bevor der Sohn vor elf Jahren die Verantwortung für den Weinanbau und die Kellerwirtschaft übernahm. "Ich habe seinen Stil übernommen, mag aber vielleicht noch mehr Säure und bin definitiv eigenwilliger", erzählt er. "Eben Lage, Lage, Lage..., wie es in der Immobilienwirtschaft heißt", sagt er, lacht und berichtet davon, dass er schon einmal Spätburgunder hatte, von dem es nur 300 Flaschen gab. Gastronomie und Handel haben selten Interesse, derart kleine Mengen zu ordern, aber das ist ihm egal. Dafür hat das Weingut schließlich auch größere Flächen mit höherem Ertrag.

Nicht um jeden Preis gefallen wollen macht auch frei für Experimente: Einen trockenen Rosé hat Fabian Schmidt mit dem Spätburgunder vom Lößboden gemacht. Mineralisch, leicht und würzig ist er geworden – im Kontrast zu den gefälligen Artgenossen eben ein echter Individualist. "Ich genieße die Zeit, jedem meinen Wein näher zu bringen, der Interesse daran hat, und es kommen auch viele ganz junge Menschen", sagt Fabian Schmidt.

Wo seine Weine ausgeschenkt werden, ist ihm nicht wichtig: "Es muss nicht in den bekannten Restaurants sein. Ich finde es auch gut, wenn man sie in der nächsten Dorfwirtschaft trinken kann." Eine Art Vinothek oder ein Veranstaltungsraum mitten in den Reben – das wäre etwas, das er sich noch wünschen würde.
Weingut Bercher-Schmidt, Herrenstr. 28, Vogtsburg-Oberrotweil. Exkursion mit dem Planwagen zu allen sieben Lagen des Weinguts Sa, 3. Okt., 12.30 bis ca. 16 Uhr, 50 Euro inklusive Verkostung und kleiner Köstlichkeiten aus der Gutsküche. Anmeldung erforderlich: per E-Mail an weingut@bercher-schmidt.de oder unter Tel.: 07662/372;
Die Teilnehmerzahl ist auf 40 Personen begrenzt. Wetterbedingte Änderungen möglich.