Jugend und Beruf

Die nach dem Geld suchen

Sabine Meuter

Von Sabine Meuter (dpa)

Di, 02. Mai 2023 um 11:49 Uhr

Verlagsthema

Verlagsthema Steuerfahnder müssen manchmal sogar lernen, wie Spielautomaten funktionieren, denn sie suchen nach Geld – Geld, das Menschen nicht an den Staat gezahlt haben.

Betrügern immer dicht auf den Fersen, das ist der Beruf von Ellen Moser (Name geändert). Nein, bei der Polizei arbeitet sie nicht – vielmehr ist sie Steuerfahnderin und erzählt, wie der Arbeitsalltag aussieht und eine Razzia abläuft.

Der Weg in den Job
"Vor Jahren habe ich eine Ausbildung im gehobenen Dienst der Finanzverwaltung Baden-Württemberg absolviert. Im Anschluss war ich einige Zeit in einem Finanzamt tätig und habe Einkommensteuererklärungen bearbeitet. Später bin ich in den Bereich Steuerfahndung gewechselt. Das hat mich schon immer interessiert.

Was mich antreibt
Mir geht es um Gerechtigkeit. Die meisten Steuerpflichtigen zahlen ordnungsgemäß Steuern und tragen dadurch dazu bei, das Gemeinwesen zu finanzieren. Mir widerstrebt es, dass andere versuchen, sich dem zu entziehen. Das ist unfair. Zudem fehlt Geld in der Staatskasse, das gebraucht wird.

Die Aufgaben
Ich gehe einem berechtigten Verdacht auf Steuerhinterziehung nach. Hinweise können von verschiedenen Seiten kommen. Zum Beispiel von einem Finanzamt, das bei einer Betriebsprüfung auf Unstimmigkeiten gestoßen ist. Auch andere Behörden, etwa der Zoll oder die Polizei, können einen berechtigten Verdacht melden. Daneben hat jeder und jede aus der Bevölkerung die Möglichkeit, uns einen Hinweis zu geben. Das geht auch anonym. Aber ein Verdacht muss Hand und Fuß haben, bevor wir aktiv werden.

Wie der Arbeitsalltag aussieht
Man kann sagen, dass ich 85 Prozent meiner Arbeitszeit im Büro und 15 Prozent im Außendienst verbringe, also bei Durchsuchungen von Wohn- und Geschäftsräumen. Solche Durchsuchungen erfolgen, wenn es Aussichten gibt, dass dabei belastendes Material zu finden ist, das den Verdacht auf Steuerhinterziehung erhärtet.

Für eine unangekündigte Durchsuchung muss das zuständige Amtsgericht einen Durchsuchungsbeschluss ausstellen. Bei einer Durchsuchung beschlagnahmen wir gegebenenfalls Beweismaterial. Das können zum Beispiel Aktenordner mit Unterlagen oder E-Mails sein. Dieses Beweismaterial werten wir im Büro aus. Je nach Fall vernehmen wir sowohl Zeugen als auch Beschuldigte.

Zu meinem Alltag gehört auch, viel zu lesen und sich so Spezialwissen anzueignen. Um Fälle von Steuerhinterziehung etwa in Spielcasinos aufzuspüren, muss man verstehen, wie die Spielautomaten funktionieren. Oder man muss nachvollziehen können, ob und wie beispielsweise ein Kassensystem in Gastronomiebetrieben manipulierbar ist.

Keine Hausdurchsuchung ist wie die andere: Einfach bis luxuriös ausgestattete Räumlichkeiten. Verschimmelte Unterlagen. Manche beschuldigte Personen blieben ruhig und freundlich, andere explodierten vor Wut und Frust. Es ist schon vorgekommen, dass ein Beschuldigter während einer Hausdurchsuchung einen Herzinfarkt erlitt. Bereits mehrfach bin ich auf große Mengen Bargeld, Waffen und Drogen gestoßen. Mein bislang größter Erfolg war, einer Familie auf die Spur zu kommen, die fünf Millionen Euro hinterzogen hat."
Aktuelle Ausbildungsplätze gibt es auf dem Jobmarkt der Badischen Zeitung.