Interview

Melonenanbau in Südbaden: "Die Vielfalt ist riesig"

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

So, 07. August 2022 um 07:00 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Aromatische und saftige Melonen aus Südbaden sind in diesen heißen Tagen ein Genuss. Wolfram Cammerer vom Hofgut Cammerer in Bad Krozingen-Tunsel setzt schon länger auf die Früchte.

Der Sonntag: Wie kam es dazu, dass auf Ihren Feldern seit 2018 Melonen wachsen – Früchte der Tropen und Subtropen?
Cammerer: Wir suchten eine neue Kultur, die wir zeitlich nach Erdbeeren, Himbeeren, und vor dem Feldsalat im Winterhalbjahr anbauen können. Zunächst dachten wir an Kürbisse, stießen dann auf Melonen, die ja auch zur Familie der Kürbisgewächse gehören.

Der Sonntag: Wie sind Sie vorgegangen?

Cammerer: Wir haben Saatgutkataloge gewälzt, uns informiert, welche Sorten in unserer Klimazone gedeihen, mit Saatgutfirmen und einem Gemüsebauberater gesprochen. Dann war vieles Learning by Doing. Ich habe mit acht verschiedenen Sorten angefangen, zwei Sorten Wassermelonen und sechs Sorten Zuckermelonen der Untersorte Charentais mit dem orangefarbenen Fruchtfleisch. Etwa 10 000 Samen säe ich jeweils Mitte April in Anzuchtplatten, vier Wochen stehen sie dann warm im Folienhaus, bevor sie langsam an die Temperaturen im Freiland gewöhnt und dann Mitte oder Ende Mai auf dem Acker ausgepflanzt werden. Das Melonenfeld ist mit Tröpfchenbewässerung ausgestattet, denn Melonen brauchen Wasser – schließlich bestehen sie zu 85 bis 95 Prozent daraus. Dann heißt es auf gutes Wetter warten und der Natur ihren Lauf lassen.

Der Sonntag: Sie haben in einem Jahr auch mal weiße Wassermelonen angebaut. Welche Melonen haben sich denn im Anbau bewährt?

Cammerer: Die weißen Wassermelonen waren geschmacklich gut, die Kunden reagierten aber eher zurückhaltend. Inzwischen sind wir bei zwei Sorten, die gut funktionieren. Das sind größere und kleinere Wassermelonen von etwa dreieinhalb und eineinhalb Kilogramm. Ich experimentiere aber jedes Jahr mit neuen Sorten, das macht mir einfach Spaß, denn die Vielfalt ist riesig. In diesem Jahr mit gelben Wassermelonen, die sind sehr saftig, geschmacklich machen sie keinen Unterschied zu den roten. Die gibt es aber nur im Hofverkauf in Tunsel. Auch Honigmelonen habe ich in diesem Jahr ausprobiert.

"Der Unterschied zur Massenware aus Südeuropa besteht darin, dass unsere Melonen viel schneller in den Verkauf kommen."

Der Sonntag: Worin besteht der Unterschied zwischen südbadischen Melonen und der Massenware, die es im Supermarkt gibt?

Cammerer: Südbadische Melonen gibt es inzwischen auch in vielen Supermärkten der Region, von mir und von Berufskollegen. Der Unterschied zur Massenware aus Südeuropa besteht darin, dass unsere Melonen viel schneller in den Verkauf kommen, sie haben keine langen Transportwege hinter sich und können genau dann geerntet werden, wenn sie richtig reif, süß und schön saftig sind. Ich höre immer wieder von Kunden, dass der Geschmack besser ist.

Der Sonntag:Woran merkt man, dass Melonen reif sind?

Cammerer: Wenn sie einen schönen gelben Fleck an der Stelle haben, wo sie auf dem Boden aufliegen. Ein weiteres Indiz ist der eingetrocknete Stängel und das kleine eingetrocknete Blatt am Stängelanfang, darauf achten wir auch beim Ernten. Dann kann man auch mit dem Fingerknöchel auf die Melone klopfen: Wenn sie einen schönen dunklen Klang hat, ist sie reif. Oft sind die Früchte aber auch reif, wenn nur ein Teil der Merkmale zutrifft.

Der Sonntag: Melonenanbau war in unseren Breiten bis vor wenigen Jahren unmöglich. Ist die Melone ein Klimawandelgewinner?
Cammerer: Ja, das kann man so sagen. Die wärmeren Temperaturen machen den Anbau sicherer. Inzwischen werden Melonen auch in Teilen von Bayern und in der Berliner Gegend angebaut. Auch in Mitteldeutschland soll es welche geben. Dennoch ist die regionale Wassermelone immer noch ein Nischenprodukt und häufig noch gar nicht in den Köpfen der Verbraucher.

Der Sonntag: In diesem Jahr wird ein Salat mit Melone und Schafskäse gehypt. Welches ist Ihre Lieblingszubereitung?
Cammerer: Ich mag sie am liebsten frisch vom Feld. Einfach aufschneiden und essen, kernarm sind sie sowieso. Im Kühlschrank aufbewahren sollte man nur die angeschnittenen Früchte, ganze Melonen lagert man an einem kühlen Ort, dort halten sie ein bis zwei Wochen. Wir haben auch schon mal Melone gegrillt, sie wird einfach in Scheiben geschnitten und auf den Grill gelegt. Ich mag sie am liebsten ohne Gewürze, aber mit Gewürzen kann man natürlich spielen. Gegrillte Melone passt gut zu Fleisch und Grillgemüse.
Wolfram Cammerer, 35 Jahre, bewirtschaftet das Hofgut zusammen mit seinem Vater Georg in vierter Generation und baut Erdbeeren, Himbeeren, Wassermelonen und Feldsalat an. Internet: https://www.hofgut-cammerer.de/