Hypnotische Rhythmen im Jazztone

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Mo, 16. Dezember 2019

Lörrach

Bei einem Konzert des Martin Keller Quintetts erlebten Zuhörer eine Mischung aus Musik und Humor.

LÖRRACH. "À la Recherche de l'Humor dans la Musique" nennt das Martin Keller Quintett, das am Freitag im Jazztone auftrat, sein Programm in Anlehnung an Marcel Proust. Es steckte eine Menge Humor in der Musik, den Titeln und Kellers Ansagen an diesem Abend. Aber auch ein hohes Maß an musikalischer Kompetenz, das die Mischung sehr unterschiedlicher Musikrichtungen zu einem eigenwilligen, aber stimmigen Ganzen machte. Trotz des Humors war die Musik alles andere als leichte Kost, sondern forderte die Zuhörer durchaus. Zum Nebenbeihören eignete sich die Musik der Band überhaupt nicht. Man musste zuhören, sich darauf einlassen und bereit sein, ungewohnte Wege mitzugehen und bizarre Pfade zu betreten.

Zunächst begann das Konzert noch weniger abenteuerlich mit "Very Blue", einer mehr als 30 Jahre alten Komposition von Martin Keller. "Das verrückte Mastodon" heißt das vor einem halben Jahr erschienene Album des Quintetts, die Titel vieler Stücke sind ähnlich verrückt. Das Werk "Die gebratene Ameise" scheiterte anfangs zunächst daran, dass ein Röhren-Radio aus den 1950er Jahren, das darin eine tragende Rolle spielt, kaputt war. Die Band holte das Stück zum Beginn des zweiten Sets nach, nun mit live gesprochenen Texten über die fleißigste Ameise, die gebraten und verspeist wird, damit sich ihr Fleiß auf die anderen übertragt. Ein Text des Dichters Paul Scheerbart (1863 bis 1915), der hier vertont wurde.

Das von Florian Vogel geschriebene Stück "What Do People Mean When They Talk About Things" nahm unverständliche Dialoge der Komikertruppe Monty Python zum Hintergrund. Daraus entstanden andere Titel, indem Martin Keller ein zufällig gewähltes Buch aus dem Regal nahm und einen beliebigen Satz heraus pickte. Selbst eine Werbeanzeige lieferte den Titel für eine Komposition: "In der Damenhose liegt unsere Kompetenz".

Schon die Besetzung des Quintetts lässt auf eine spezielle Musik schließen. Mit Florian Vogel an der Geige, Martin Keller am Tenorsaxophon, Sopransaxophon, an der Klarinette und Bassklarinette, Tobias Escher am Akkordeon, Kurt Holzkämper am Bass und Hans Fickelscher am Schlagzeug wusste man nicht, was einen erwartet. Ganz unterschiedlich sind auch die musikalischen Hintergründe der fünf Musiker. Der aus Winnenden stammende Martin Keller kommt aus dem Jazz und nicht zuletzt aus dem Swing, Vogel aus der Klassik, Escher aus der experimentellen Folklore, Holzkämper orientiert sich an Bossa Nova und Electronic und Fickelscher ist dem Jazzstil Hardbop und zeitgenössischer E-Musik zugeneigt. Genauso vielfältig waren die Einflüsse, die in der Musik des Quintetts verschmolzen. Hypnotische Rhythmen verbanden sich mit eigenwilliger Melodieführung. Mal klang es nach swingendem Hardbop, um sich dann in schrille und expressive Parts zu steigern, die irgendwo zwischen Free Jazz und Neuer Musik schillerten. Vertrackte Rhythmen verbanden sich mit energischen Saxophon-Soli. Das Akkordeon ließ mal an Musette denken, die Geige vermied konsequent alle Süßlichkeit.

Für die Cyber-Wars der Bundeswehr komponierte Holzkämper einen Marsch im Fünf-Viertel-Takt. "Der Takt, den der deutsche Soldat besonders liebt zum Marschieren", so Keller. Als einzige Fremdkomposition spielten sie "Let's Move to Cleveland", von Frank Zappa.