Größere Partys sind tabu

Simone Lutz, Jens Schmitz und Oliver Huber

Von Simone Lutz, Jens Schmitz & Oliver Huber

Mi, 25. März 2020

Südwest

Corona-Verordnung des Landes regelt Zusammentreffen in Räumen / Die Grenze liegt bei fünf Leuten.

FREIBURG/STUTTGART. Ist es in Zeiten eingeschränkter Bewegungsfreiheit auch verboten, auf der eigenen Terrasse mit zwei Freunden zu grillen? Dürfen sich Pärchen, die in getrennten Wohnungen leben, nur noch auf offener Straße treffen? Eine entsprechende Aussage von Freiburgs Oberbürgermeister in einer Zeitung aus Berlin hatte für Irritationen gesorgt. Sie war aber nur einer Kommunikationspanne geschuldet – die Grenze bei Treffen in privaten Räumen liegt bei fünf Personen.

Das regelt die Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg. Ausnahmen gibt es nur, wenn die Betroffenen direkt miteinander verwandt sind oder im selben Haushalt leben.

Der Geist dieser Vorschrift ist eigentlich klar: Um die Ausbreitung des Virus zu bremsen, sollen soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert werden. Unklarheit herrschte vielerorts trotzdem darüber, ob die konkrete Vorgabe auch für die eigenen vier Wände gilt. Eine Nachfrage beim zuständigen Sozialministerium in Stuttgart bestätigte am Dienstag: Ja, abgesehen von den genannten zwei Ausnahmen sind auch in Privatwohnungen Treffen von mehr als fünf Menschen verboten. Das ist flächendeckend natürlich kaum kontrollierbar. Und auch Kaffeestündchen zu viert oder zu dritt erhöhen das Risiko einer Infektionsweitergabe.

Deshalb "appellieren wir nochmals eindringlich an die Menschen im Land, dass jetzt nicht die Zeit für Privatpartys oder ähnliches ist", sagte ein Sprecher. "Auch im privaten Haushalt sollten die Abstands- und Hygieneregeln sowie räumliche Distanz eingehalten werden. Je besser sich die Menschen daran halten, umso schneller kommen wir zum Normalzustand zurück. Dafür sollten jetzt alle einen Beitrag leisten."

Verwirrung war entstanden, weil Freiburgs OB Martin Horn in einem Interview mit dem Tagesspiegel gesagt hatte, "einfach nur privat eine Freundin oder einen Freund zuhause zu treffen, ist untersagt". Das stimmt allerdings nicht; die Aussage hätte bei der Autorisierung des Interviews korrigiert werden sollen, war aber durchgerutscht.

Freiburg war die erste deutsche Großstadt, die vergangene Woche ein sogenanntes Betretungsverbot verhängt hatte. Von der Corona-Verordnung des Landes, die seit Montag gilt, unterscheidet sich die Verfügung in zwei Dingen.

Erstens: In Freiburg sind Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln an einen Zweck gebunden. Leute dürfen zum Arzt fahren, zum Einkaufen, zur Arbeit oder wenn sie ihre Kinder in die Notbetreuung bringen. Fahrten zum Vergnügen sind untersagt. In der Landesverordnung gibt es dagegen keine speziellen Regeln für den ÖPNV. Zweitens: Freiburgs Betretungsverbot gilt nur für den öffentlichen Raum. Die Regeln für den Privatbereich stehen nur in der Landesverordnung – gelten aber auch im Breisgau und den anderen Landkreisen in Südbaden. In Zweifelsfällen wenden Sie sich an die Hotline des Landes unter Tel. 0711/904-39555.

Die Verordnung in mehreren Sprachen unter: mehr.bz/corona-verordnung