Pino-Magma-Weißwein-Cuvée

Kaiserstühler Weinbetriebe träumen von berühmtem Markenwein

Michael Neubauer

Von Michael Neubauer

So, 28. Februar 2021 um 07:00 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Sie versuchen eine gemeinsame Erfolgsgeschichte: 14 Weingüter und Weingenossenschaften am Kaiserstuhl wollen eine geografisch verankerte Weinmarke bekannt machen. Der Name: Pino Magma.

Es sind Namen wie Barolo in Italien oder Chablis in Frankreich, die Kolja Bitzenhofer als Vorbild nennt: Schon lange beschäftigt er sich mit solchen geografischen Ursprungsbezeichnungen für Weine in Südeuropa. Der Marketing- und Vertriebsleiter des Staatsweinguts Freiburg ist einer von zwei Vorsitzenden der Pino-Magma-Genossenschaft. Ihn fasziniert, wie Regionen eine geschützte Wein-Marke mit einem einheitlichen Geschmacksbild kreiert haben. In Deutschland dagegen könne man nicht sagen, wie eine bestimmte Weinregion schmecke, sagt er.

Kann man einen Markenwein auch am Kaiserstuhl schaffen – mit so einem klangvollen Namen wie Chianti? Das Gemeinschaftsprojekt Pino Magma versucht es – mit einer Cuvée aus Weiß- und Grauburgunder. "Diese beiden Rebsorten wachsen extrem gut am Kaiserstuhl, sie sind unsere Stärke", sagt Kolja Bitzenhofer. Die feine Art des Weißburgunders und die kräftige Art des Grauburgunders ergäben in ihrer Kombination etwas schönes Neues.

Warum das t bei Pino fehlt

Gesagt, getan. Fehlte noch ein Name. Bitzenhofer und Kollegen kombinierten das Wort Pino für die Weiß- und Grauburgundersorten – das t musste man weglassen, weil der Begriff Pinot für Burgunder schon geschützt ist. Magma wiederum verweist auf den Kaiserstuhl mit seinem vulkanischen Ursprung – das Logo (siehe Foto der Beispielflasche eines Weinguts) mit vier Linien auf das kleine Gebirge mit seinen zahlreichen Terrassen.

Bereits 2019 startete die Pino-Magma-Genossenschaft. Von rund 100 Weinbau-Betrieben am Kaiserstuhl beteiligen sich inzwischen sieben Weingüter und sieben Winzergenossenschaften. Sie alle bauen ihren eigenen Pino-Magma-Wein aus – es gibt also 14 verschiedene Basisweine, einige Winzer bieten zusätzlich noch einen Premiumwein (Réserve) an. "Wir waren überrascht, dass so viele mitmachen wollten", sagt Bitzenhofer. Aus zwei Weißweinen eine Cuvée zu machen und die Rebsorte nicht auf die Flasche zu schreiben, sei nicht jedermanns Sache. "Das ist in Deutschland eher ungewöhnlich, weil hier die Rebsorte sehr wichtig ist." Man hoffe, dass jährlich zwei bis drei neue Weinbetriebe dazustoßen würden. Die Ambitionen sind groß, die Pino-Magma-Macher träumen in ihrem Internetvideo sogar von Weltruhm. So ein Bekanntheitsgrad werde 20 bis 25 Jahre dauern, schätzt Bitzenhofer.

Kleine Winzer und große Genossenschaften Hand in Hand

Man kann volles Mitglied dieser Genossenschaft werden oder Lizenznehmer sein – wie das Weingut Schmidt in Bischoffingen. "Wenn in Hamburg jemand den Namen Pino Magma sieht, muss er gleich im Kopf haben: Das ist ein Kaiserstühler Wein", sagt Gerhard Schmidt. Was den Winzer begeistert, ist die Kooperation aus selbst produzierenden, kleineren Winzern und Weinbaugenossenschaften: "Dass beide mal derart zusammenarbeiten, das ist etwas Besonderes." Er findet es schade, dass bisher nicht noch mehr Winzer aufgesprungen sind bei dem Projekt.

Klare Regeln für die Mitglieder

Bei den erfolgreichen Ursprungsbezeichnungen im Ausland sei auffallend, dass die Winzer sich immer klare Richtlinien gegeben haben, sagt Kolja Bitzenhofer. Auch die Pino-Magma-Genossenschaft hat sich genaue Regeln für die Weine auferlegt. Es müssen 100 Prozent Weiß- und Grauburgunder sein von einem Erzeuger vom Kaiserstuhl. Das Mischverhältnis dürfen die Winzer selbst festlegen – die Pino Magma-Weine sollen nicht völlig identisch schmecken. Es soll aber ein deutlich trockener Wein sein mit maximal vier Gramm Restzucker je Liter, der Alkoholgehalt nicht zu hoch. Der Basiswein kommt ein Jahr nach der Lese in den Verkauf, der Réserve-Wein nach zwei Jahren. Diese Premiumweine müssen aus einer einzelnen Lage stammen. Der Réserve reift zu 100 Prozent im Holzfass, der Basiswein nur zu einem Viertel. Alle Weine müssen durch eine Blindverkostung gehen. Nur wenn Sie dem Geschmacksprofil entsprechen, dürfen sie auch als Pino Magma in den Handel kommen.

Verkauft werden die Weine über die Wege, die jeder einzelne Winzer oder jede WG geht: in verschiedenen Supermärkten, im Fachhandel oder auf dem Weingut selbst. Die Kunden erkennen die Weine an dem Schriftzug Pino Magma.

Die Genossenschaft zieht inzwischen eine positive Bilanz. Vom ersten Jahrgang gingen 40 000 Flaschen weg. Kolja Bitzenhofer glaubt, dass man vom zweiten Jahrgang 100 000 Flaschen verkaufen wird. Die Preise der Basisweine liegen zwischen acht und zwölf Euro, die der Réserve-Weine zwischen 16 Euro und Anfang 20 Euro.
Probierpakete kann man bestellen auf http://www.pinomagma.de – mit sechs oder zwölf Flaschen (65/120 Euro). Ab sofort gibt es auch ein Paket mit sechs Réserve-Weinen (99 Euro).