Offenburg / Renchen-Ulm

Katharina Scheer führt nun die "Ulmer" Brauerei

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Mo, 03. Februar 2020 um 20:04 Uhr

Gastronomie

Katharina Scheer ist neue Geschäftsführerin der Familienbrauerei Bauhöfer ("Ulmer") im Renchner Ortsteil Ulm. Die 26-Jährige ist in Offenburg aufgewachsen.

Sie ist gerade mal 26 – und trotz ihres jungen Alters inzwischen Chefin eines traditionsreichen mittelständischen Ortenauer Brauhauses: Katharina Scheer steht der Familienbrauerei Bauhöfer – unter Kennern noch besser bekannt als "Ulmer" – als Geschäftsführerin vor. Sie folgte zum 1. Januar auf Siegbert Meier, der das Unternehmen viele Jahre erfolgreich geleitet hat und ihm auch weiterhin beratend zur Seite stehen wird.

Für Katharina Scheer ist die Brauerei in dem Renchener Ortsteil alles andere als Neuland: Sie ist ist sogar ein Gutteil ihrer ganz persönlichen Familiengeschichte: Gegründet wurde sie 1852 als kleine Hausbrauerei durch Ludwig Bauhöfer. Das Brauhaus kann also inzwischen auf eine 168-jährige Firmengeschichte zurückblicken. Mit dem Diplom-Braumeister Gustav Bauhöfer und dem Diplom-Kaufmann Eugen Bauhöfer kam im 20. Jahrhundert neuer Schwung in das Unternehmen, nach und nach spielten auch deren Kinder und Enkel eine Rolle. Elisabeth Bauhöfer, etwa, Tochter von Gustav Bauhöfer, stieg als Brauerin, Qualitätsmanagerin und Mitgesellschafterin ein, ihr Mann Alexander Schneider ist als Braumeister Leiter der Produktion.

Fünfte Generation am Ruder

Als Mitgesellschafterin dabei ist auch Manuela Waldhecker, Tochter von Eugen Bauhöfer – und seit einem Jahr auch deren Tochter Katharina, seit wenigen Wochen sogar in hauptverantwortlicher Position. Mit ihr ist nunmehr die fünfte Generation am Ruder der Familienbrauerei. Ihr berufliches Engagement war zielstrebig, was sich schon an ihren Daten ablesen lässt, aber nicht unbedingt gleich zielgerichtet.

Katharina Scheer, geborene Waldhecker, ist eine waschechte Offenburgerin, die Familie wohnt seit 1994 am Gifiz. Nach dem Besuch der Grundschule – Konrad-Adenauer-Schule – und des Oken-Gymnasiums in Offenburg machte sie 2012 mit 18 Jahren Abitur. Danach begann sie an der Dualen Hochschule in Villingen-Schwenningen das Studium der Betriebswirtschaftslehre, das sie drei Jahre später, mit erst 21, mit dem Bachelor abschloss. Noch jung an Jahren wollte sie "unbedingt mal was anderes machen" – und absolvierte in Freiburg und New York eine Sport- und Tanzausbildung. Das lag gar nicht so weit weg: Beim Tanzstudio Gründler und bei der City-Ballett-Schule hatte sie zuvor gute Erfahrungen gesammelt. "Meine Eltern Eric und Manuela haben dies auch gut unterstützt."

Hobbys: Fasent und Tanzen

In dieser Zeit, betonte sie auf Anfrage, "habe ich gemerkt, dass mir auch die Brauerei Spaß macht", der Umgang mit Bier und Menschen. Gespräche mit der Familie wurden geführt, doch vor einem Einstieg in das Familienunternehmen wollte sie unbedingt noch andere Betriebe und Brauereien kennenlernen: "Das war meine Bedingung." Die wurde ihr erfüllt, in der Folge schaute sie ein Jahr lang hinter die Kulissen des Hofbräuhauses Traunstein am Chiemsee und der Brauerei Dinkelacker in Stuttgart. Dazu heuerte sie noch jeweils ein halbes Jahr bei einer Werbeagentur in Stuttgart und und bei einer Wirtschaftsprüfungskanzlei an.

Zum 1. Januar 2019 stieg sie dann als Assistentin der Geschäftsleitung bei "Ulmer" ein, zum 1. Januar 2020 kam nun die Beförderung zur Geschäftsführerin. Vorgänger und Mitgesellschafter Siegbert Meier, 66, wird "noch ein bis zweimal die Woche da sein" und ihr bei der Führung des operativen Geschäfts mit Rat und Tat beiseite stehen. Die "Ulmer" fühlt sich gut aufgestellt, beschäftigt 35 Mitarbeiter und hat einen Jahresausstoß von 50 000 Hektolitern. Katharina Scheers Ehemann Fabian ist Bauingenieur bei der Firma Züblin in Freiburg. Das Paar wohnt in Ettenheim – "eine Kompromisslösung".

Kein Hehl macht die Brauereichefin aus ihrer Leidenschaft für die alemannische Fasent: "Ich bin mit ihr groß geworden." Eine ganz besondere – weil familiäre – Beziehung pflegt sie zur Offenburger Hexenzunft: Die Eltern sind exquisite Fasentsnarren. Erst dieser Tage hat sie selbst in der "Hexekuchi" ihr Tanztalent aufblitzen lassen.