Nachschlag

Ein junger Koch hat auf dem Rad Frankreichs Landküche erfahren

Ulrike Ott

Von Ulrike Ott

Mo, 13. Januar 2020 um 11:51 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Dass Frankreich eine kulinarische Schatzkammer ist, ist nicht neu. Der Ansatz, diese mit dem Fahrrad zu entdecken und aus dem Erlebten ein ungewöhnliches Rezeptbuch zu entwickeln, schon.

Man stelle sich vor, ein junger französischer Koch lässt die Sternegastronomie hinter sich und tritt in die Pedale, um vom Department Nord in die Bretagne, von Nantes nach Espelette und dann quer durch das Land in Richtung Burgund zu radeln. Allein, mit gutem Willen, einem Rucksack und seinen Messern. Unterwegs trifft er auf urige Produzenten, die Sympathie empfinden für die Neugier des jungen Mannes auf ihre Arbeit und ihre Produkte.

Und er entdeckt viele verborgene Spezialitäten. Die Begegnungen mit den Menschen und ihren Schätzen inspirieren ihn dabei zu 50 bodenständigen Gerichten. Da ist zum Beispiel die mit Cidre confitierte Schweinebrust genauso wie die Lammkeule mit Algen und Wirsing oder die Blutwurst mit Äpfeln und Kartoffelstampf. Das Risotto wird erst sämig durch einen lange gereiften Rocamadur und die gebeizte Forelle wird mit Saubohnen und Kirschen serviert. Als Nachtisch hat es dem Autor unter anderem ein Honigrührkuchen mit Erdbeertartar angetan. Die Rezepte sind meistens simpel, aber immer originell. Noch interessanter jedoch sind die Geschichten hinter den Töpfen und Pfannen. Man erfährt, was Sébastien Formal in der Backstube beim Brioche Backen lernt oder wie es in einer Austernzucht zugeht. Das Buch ist einerseits eine reich bebilderte und Appetit machende Rezeptsammlung, aber auch ein Reisetagebuch einer sehr persönlichen Tour de France.
Sébastien Formal: Der Koch, der auf sein Fahhrad stieg und die französischen Küchenschätze entdeckte. Christian Verlag, München, 256 Seiten, 39,99 Euro