Street Art in Lörrach

MARKTGEFLÜSTER: Bewahren oder nicht?

Willi Adam

Von Willi Adam

Do, 09. September 2021

Lörrach

Street Art ist schnelllebig. Das liegt in der Natur der Sache und das macht einen Teil ihres Reizes aus. Diese Art von Kunst kommt förmlich über Nacht – und kann über Nacht auch wieder verschwinden, nämlich indem eine andere Künstlerin, ein anderer Künstler einfach drübermalt. Wer sollte das verbieten, wenn die Szene insgesamt die künstlerische Aneignung von Orten und Flächen als eine wesentliche Triebfeder versteht. Vielerorts aber ist Street Art zwischenzeitlich etabliert. Künstler treten auch namentlich auf, haben die Subkultur verlassen und Galerien oder Museen erobert. Genau in diesem Spannungsfeld zwischen Legalität und Anonymität lag die große Zeit der Lörracher Freewals unter der Autobahn. Kai Hendrik Schlusche schwärmt noch heute vom einzigartigen Spirit, den die Bridge Gallery entfachte. Geld habe keine Rolle gespielt, berichtet Schlusche. Das Projekt sei strikt unkommerziell geblieben. Ausschließlich die Aussicht auf Ruhm in der Szene habe die Künstler unter die Autobahn gelockt. Man wollte dabei sein. Im Nachhinein ist es müßig, darüber zu diskutieren, ob oder wieso damals große Chancen vertan wurden. Und ganz abgesehen davon, ob unter dem neuen Begriff "Open Bridge" und mit dem Akzent auf Jugendkultur das Projekt wieder neuen Schwung bekommt oder nicht, stellt sich eine andere Frage: Wie geht Lörrach mit den international bedeutsamen Arbeiten um? Sollen sie geschützt und bewahrt werden oder überlässt man sie der Schnelllebigkeit von Street Art, wie sie früher war? Das wäre vielleicht nach den Regeln. Aber allemal ein Verlust.