Ayurvedische Küche

Mit welchem Essen man gegen die Wintermüdigkeit angehen kann

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

So, 29. November 2020 um 07:00 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Den Stoffwechsel anregen, den Körper wärmen: Die Freiburger Heilpraktikerin und Ayurveda-Spezialistin Sandra Grünes gibt Tipps zum Experimentieren mit ayurvedischer Küche.

Majoran, Rosmarin, Lorbeer und heimisches Wurzelgemüse: Für die Freiburger Heilpraktikerin Sandra Grünes ist die ayurvedische Küche nicht nur absolut alltagstauglich, sondern auch ein wirkungsvolles Mittel gegen Wintermüdigkeit.

Der Sonntag: Frau Grünes, was gibt es bei Ihnen heute zu Mittag?

Sandra Grünes: Heute gibt es Basmatireis mit Wurzelgemüse, in Gewürzen angeröstet. In zwanzig Minuten habe ich das morgens gekocht. Einen Teil hat meine 15-jährige Tochter in die Schule mitgenommen, den anderen esse ich nachher aus dem Warmhaltebehälter.

Der Sonntag: Klingt aufwändig. Und das auch noch morgens ...

Grünes: Das ist schon längst morgendliche Routine, die mir locker von der Hand geht.

Der Sonntag: Eine warme Mittagsmahlzeit macht müde, hört man oft.
Grünes: Wenn Menge und Inhalt der warmen Nahrung stimmen, bleibt danach auch die Müdigkeit aus, weil die Verdauungssäfte angeregt werden und der Stoffwechsel nicht überlastet wird. Im Ayurveda sprechen wir von Agni, dem Verdauungsfeuer. Gekochtes, warmes Essen ist für den Organismus viel besser zu verarbeiten als kaltes. Mindestens zwei warme Mahlzeiten sind ideal. Jeder kann wählen, wann das sein soll. Wer mittags nicht viel essen mag, könnte vielleicht eine Suppe essen und einen kleinen Rohkostsalat.

Der Sonntag: Hilft das dann auch gegen die klassische Wintermüdigkeit?

Grünes: Definitiv. Alle vier bis fünf Stunden sollte man seine Energiereserven generell mit Nahrung auffüllen. Wenn der Abstand zu groß wird, sinken der Energielevel und damit auch Konzentration und Leistungsfähigkeit merklich. Zu pausieren und sich zum Essen hinzusetzen, bedeutet auch, dass man sich selbst wertschätzt. Im Winter herrscht Lichtmangel, man ist weniger draußen. Darauf muss sich der Organismus einstellen, wir sind müde und kälteempfindlich. Jetzt kann man den Stoffwechsel mit besonderen Gewürzen anregen, den Körper mit Wärme und Energie versorgen.

Der Sonntag: Mit Gewürzen nur aus der indischen Küche?

Grünes: Ja, größtenteils. Zum Beispiel Ingwer, Kurkuma, Cumin. Ayurvedische Küche bedeutet jedoch nicht, dass man die indische Küche unbedingt adaptieren muss. Wir können genauso gut auch mit heimischen und mediterranen Gewürzen kochen. Zum Beispiel mit Majoran, Rosmarin oder Lorbeer. Alle drei, etwa in einem Kartoffel- oder Nudeleintopf mit Wintergemüse, regen den Stoffwechsel an und wärmen.

Der Sonntag: So gesehen ist Ayurveda ja gar nicht so exotisch.

Grünes: Das stimmt (lächelt). Es handelt sich um eine ganz einfache, praktische Heilkunde, die auch hier bei uns mit hochwertigen und frischen Nahrungsmitteln vom heimischen Wochenmarkt funktioniert. Wenn man noch tiefer einstiegen will, lohnt es sich, seine Grundkonstitution mithilfe eines Ayurveda-Spezialisten herauszufinden. Jeder Mensch hat ein eigenes Stoffwechselprinzip. Danach richtet sich die Verwertung der Nahrung, erklärt sich, wieso einer Vollkornbrot verdauen kann, der andere sich damit aber schwer tut. Wer seinen Konstitutionstyp kennt, kann mit der Auswahl ihm bekömmlicher Nahrung auch das individuelle Wohlbefinden steuern, und dadurch etwa Völlegefühl und Sodbrennen gut entgegenwirken.

Der Sonntag: Das klingt für Genussmenschen alles ein wenig nüchtern.

Grünes: Ganz im Gegenteil: Essen ist im Ayurveda etwas sehr Sinnliches. Denken Sie nur an das Anrösten der Gewürze in der Pfanne in Ghee und den Duft, den sie verströmen. Im Idealfall sind in der Mahlzeit alle sechs Geschmacksrichtungen zu finden, die alle Sinne anregen, und sie macht rundum zufrieden. Es lohnt sich, mal ein wenig zu experimentieren und die Wirkung der ayurvedischen Küche am eigenen Leib zu erfahren.
Sandra Grünes ist Heilpraktikerin und Ayurveda-Spezialistin mit eigener Praxis in Freiburg.