Oberndorfer Waffenhersteller

Machtkampf bei Heckler & Koch

Wolf von Dewitz

Von Wolf von Dewitz (dpa)

So, 01. Dezember 2019 um 17:16 Uhr

Wirtschaft

Bei der schwäbischen Waffenschmiede Heckler & Koch rumort es hinter den Kulissen: Ein Großaktionär hat die Abwahl des Aufsichtsratschefs und Ex-Generalinspekteurs Harald Kujat beantragt.

Ein Machtkampf bei Heckler & Koch bringt Aufsichtsratschef Harald Kujat unter Druck. Wie aus der Internetseite des Bundesanzeigers hervorgeht, will ein Großaktionär der schwäbischen Waffenschmiede den 77-jährigen Ex-Bundeswehr-Generalinspekteur aus dem Kontrollgremium abberufen lassen. Dies soll auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 19. Dezember geschehen. Die Firma "Compagnie de Developpement de L’EUA S.A." (CDE) hat den Antrag gestellt, ohne Gründe zu nennen.

Der Großaktionär CDE ist für die Öffentlichkeit ein unbeschriebenes Blatt. Er hält mindestens fünf Prozent des Stammkapitals – sonst wäre der Antrag nicht angenommen worden. Wie die dpa aus gut informierten Kreisen erfuhr, steht der französische Investor Nicolas Walewski hinter CDE. Er ist seit geraumer Zeit bei H & K involviert; lange im Einklang mit Mehrheitsaktionär Andreas Heeschen. Offenbar kam es nun zum Bruch – warum, ist unklar. Kujat droht ein Opfer des internen Machtkampfs zu werden.

Möglicherweise war der Ex-General dem Franzosen von Anfang an ein Dorn im Auge. Auffällig war, dass Kujat bei seiner Wahl in den Aufsichtsrat im Juli 2019 nur 94,3 Prozent Ja-Stimmen und 5,7 Prozent Nein-Stimmen bekam. Üblich sind bei H&K-Hauptversammlungen Zustimmungsquoten nahe 100 Prozent. Heeschen wollte Kujat im Aufsichtsrat sehen. Die Gegenstimmen dürften damit auch ein Warnschuss gegen ihn gewesen sein. Heeschens Position ist geschwächt: Unlängst wurde bekannt, dass er die Mehrheit von H&K an einen anderen Aktionär abgeben möchte. Ob er verkaufen darf, prüft das Bundeswirtschaftsministerium. Auch hier soll Walewski eine zentrale Figur sein. Er selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Heeschen könnte bald also nur noch Minderheitsaktionär sein. Dass er sich trotzdem weiter in tragender Rolle bei H&K sieht, untermauerte er vor wenigen Tagen: Der 58-Jährige gab bekannt, dass er in den Aufsichtsrat gewählt werden will. Dafür wurde die außerordentliche Hauptversammlung am 19. Dezember in Rottweil anberaumt. Heckler & Koch befindet sich in einer kritischen Phase. Nach tiefroten Zahlen im vergangenen Jahr steuert die Firma 2019 zwar wieder einen kleinen Gewinn an, bleibt aber hoch verschuldet.

Nach Veröffentlichung des Abwahlantrags stärkte Heeschen Kujat demonstrativ den Rücken. Der Antrag der CDE sei "ganz offensichtlich von sachfremden Erwägungen getragen und als Angriff auf die Integrität des Unternehmens zu verstehen", so Heeschen. Kujat selbst reagierte auf den Antrag überrascht: Er wisse nicht, wer sich hinter CDE verberge – mit ihm habe niemand von diesem Unternehmen gesprochen. Der pensionierte General betonte, dass er sich weiter für H&K einsetzen wolle. Die Firma sei für die Sicherheit Deutschlands sehr wichtig.

Der renommierte Militär war bis 2002 Generalinspekteur der Bundeswehr und danach bis 2005 Vorsitzender des Nato-Militärausschusses. Seine Wahl zum Aufsichtsratschef von H&K werteten Branchenkenner als klugen Schachzug, da Kujat für die Firma ein Aushängeschild sein könnte, vor allem mit Blick auf die 250 Millionen Euro schwere Ausschreibung des Bundes für ein neues Bundeswehr-Sturmgewehr.