Kochbuch

Blick in rumänische Kochtöpfe

Toni Nachbar

Von Toni Nachbar

Fr, 29. Januar 2021 um 13:31 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Es gibt in Rumänien nicht "die" rumänische Küche. Sagt die Bukarester Autorin Irina Georgescu, die dank eines herrlich gestalteten Buches zu einer "kulinarischen Reise" quer durch ihr Heimatland einlädt.

Wer in Rumänien, wo auch immer, in ein traditionelles Restaurant einkehrt oder bei privaten Besuchen großzügig bewirtet wird, darf sicher gehen, österreichisch-ungarische, osmanische oder slawische Einflüsse auf die einheimische Küche goutieren zu dürfen.

Diese Vielfalt erstaunte manchmal die Rumänen selbst: Wer als Kind in ein Ferienlager kam, entdeckte Suppen und Gerüche, die es in der heimischen Region kaum gab. Gefülltes Kraut mit Schmand, in vielen Haushalten das Weihnachtsessen schlechthin, galt wiederum in anderen Gegenden als schlichte Alltagskost. Sogar der traditionelle Maisbrei und erst recht die Borsch-Suppe gab es hier oft und andernorts kaum.

Was aber landesweit das Kochen in Rumänien prägte, war die offizielle Lebensmittelkargheit in der zweiten Hälfte der sozialistischen Zeit. Dies entfesselte eine kulinarische Kreativität im Privaten: "Meine Mutter vollbrachte wahre Wunder in der Küche. Sie kochte herrliche Mahlzeiten aus spärlichen Zutaten", schreibt Irina Georgescu. Diese aus der Not entwickelte Kunst und die Rückkehr zu vorsozialistischen Essgewohnheiten nach 1989 geben ihrem Buch eine seltene kulturelle Spannung. Viele der Delikatessen, die Irina Georgescu serviert, stehen außerdem in Gegnerschaft zu einem Zeitgeist, der Gesunde-Ernährung-Erzählungen propagiert.

Aber: In Rumänien ist der Speck weiß, das Schnitzel wird mit Innereien veredelt und die Desserts türkischer oder ungarischer Provenienz geizen nicht an Cremes, Honig und Schlagsahne, die wiederum nur schmeckt, wenn sie wirklich süß ist.

Wem dies nicht als Warnung, sondern als verführerische Verlockung dient, sei dieses prächtige Kochbuch ans Herz gelegt. Es strotzt vor Fleischgerichten und fetten Fischsuppen, vor Knochenmark und Rinderzungen und führt in das Reich wunderbarster Mehlspeisen, Liköre und Weine. Das Schweinefleisch, das Obst, der Käse und das eingelegte Gemüse sind omnipräsent. Und besonders eine Patisserie, die Kalorienzählen kaum gelernt hat: Bei Baumstriezeln, Kirschkuchen und Dobosch-Torten geht es nur um den Genuss.

Irina Georgescu, Carpatia – Eine kulinarische Reise durch Rumänien, ars vivendi Verlag, 223 Seiten, 26 Euro