"Nit nüt" : Sinn für Skurriles, Lakonisches, Vorgefundenes

Susanne Ramm-Weber

Von Susanne Ramm-Weber

Sa, 17. Oktober 2020

Offenburg

Der Markgräfler Maler Peter Bosshart bekommt mit einem Festakt in Offenburg den Oberrheinischen Kunstpreis verliehen / Städtische Galerie eröffnet Ausstellung.

. Die Bilder hängen, die Besucher können kommen. Am Sonntag wird die neue Ausstellung in der Städtischen Galerie eröffnet und zugleich wird in der Reithalle mit einem Festakt zum vierten Mal der Oberrheinische Kunstpreis verliehen. Nach Corinna Wasmuht (2011), Miriam Cahn (2014) und Peter Vogel posthum (2017) bekommt ihn in diesem Jahr der Markgräfler Ma
ler Peter Bosshart.

Der Preis ist mit einem Preisgeld in Höhe von 10 000 Euro dotiert, mit der Ausstellung in der Städtischen Galerie und einer Katalogpublikation verbunden. Ausgelobt wird er im Drei-Jahres-Rhythmus von der Stadt Offenburg zusammen mit dem Förderkreis Kunst und Kultur e.V. unter Vorsitz von Axel Lotz. Der Preis wird an deutsche, französische oder Schweizer Künstler, die einen wesentlichen Beitrag zur Kunst am Oberrhein leisten, verliehen.

Im Jahr 2011 hoffte Ministerialrätin Jutta Ulmer-Straub aus dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst für den Preis, dass er eine feste Konstante im kulturellen Leben werden möge. Das kann man nun mit Fug und Recht behaupten, obwohl in diesem Jahr lange nicht klar war, ob eine Verleihungszeremonie überhaupt stattfinden könne, wie Axel Lotz erklärt.

Für die Wahl des Preisträgers wurde eine trinational besetzte Jury aus Fachleuten gebildet. Ihr gehörten Klaus Gallwitz (Karlsruhe), Bernhard Serexhe (Karlsruhe), Christine Litz (Freiburg), Sören Grammel (Basel) und Julia Garimorth (Paris) an.

Der Maler Peter Bosshart, dessen Arbeiten in Offenburg bisher noch nicht zu sehen waren, hat seine Ausbildung in Basel und in Frankfurt an der Städel-Hochschule für Bildende Kunst unter anderem bei Documenta-Teilnehmer Thomas Bayrle erhalten. Die gegenständlichen Arbeiten zeichnen sich durch Weniges, das breiten Raum einnimmt, aus. Der Ausstellungstitel "nit nüt", aus dem Alemannischen übersetzt: "nicht Nichts", verweist auf das Besondere im Alltäglichen, das hier emporgehoben wird. Dabei beweist der Maler Sinn für Skurriles, Lakonisches, Vorgefundenes. Die Motive reichen vom Kaugummi-Automaten über das rote Rahmengestell eines gewesenen, fragmentierten Rennrades bis zu Batman oder der schwarzen Katze, meist in Öl auf Leinwand. Besonders prägnant sind drei große Arbeiten auf transparenter Folie, rot-weißes Absperrband flattert durch die hellblauen Lüfte, ein Bodenbelag wird zur dekorativen Wandfläche in Überdimension und gleich im ersten Raum, direkt auf die Wand gemalt, liegt eine Schildkröte wie hilflos auf dem Rücken, wie ein Symbol für die jetzige Zeit der großen Unsicherheit.

Der Maler aus Efringen-Kirchen hat ein ausgezeichnetes Gespür für die Verhältnisse im Bild. Wie viel Raum nimmt der Gegenstand im Bild ein? Wie ist die Fläche gestaltet? Wie viel vom Malprozess soll sichtbar bleiben? Das sind die Fragen des Malers, dessen Bilder ausschnitthaft, episodisch und bisweilen ironisch den Charme von Vergangenem, Brüchigem, Vorhandenem, Gesehenem aufgreifen und beschreiben. Eine querformatige Arbeit in zartrosa Farbtönen mit dunklen Stuhlfragmenten fand das Gefallen des Oberbürgermeisters Marco Steffens für die weiße Wand in seinem Besprechungszimmer. Der Preisträger hat eine unverwechselbare Handschrift und originelle Bildideen.