Weltläufig kochen

Rezepte aus der Queer-Food-Community

Stephan Elsemann

Von Stephan Elsemann

Mo, 09. August 2021 um 14:47 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Eine schwule Küche? Oder eine lesbische? Ob es sowas gibt? Das Tasty-Pride-Kochbuch versammelt 75 Rezepte aus der Queer Food Community. Kochstars wie Yotam Ottolenghi sind dabei.

Eine schwule Küche? Oder eine lesbische? Ob es sowas gibt? – "So ein Quatsch – nie ’was davon gehört", so die einhellige Antwort aus dem queeren Bekanntenkreis. Und doch, das Tasty-Pride-Kochbuch versammelt 75 Rezepte aus der Queer Food Community – von ebenso vielen Köchinnen und Köchen, die ihre Lieblingsrezepte mit Geschichten aus ihrem Leben verbinden, vor allem mit vielen Kindheitserinnerungen.

Kochstars wie Yotam Ottolenghi sind dabei, er steuert einen Reissalat mit Nüssen und Sauerkirschen bei. Seine Küche und wie sie mediterrane und europäische Traditionen mit unorthodoxer Zubereitung verbindet, wie sie Gemüse und Obst die verdiente Aufmerksamkeit zukommen lässt, ohne Fleisch und Fisch zu verdammen – all das ist stellvertretend für die moderne, weltläufige Auswahl der Gerichte für die Queer Food Community in Tasty Pride. Die "Bangers & Mash", ein Soulfood der Kindheit, also Würstchen mit Kartoffelbrei, wie sie die Oma zubereitete – sie werden von der New Yorker Köchin Diana Yen vegetarisch interpretiert und zu Linsenwürstchen umgebaut.

Die meisten Gerichte sind einfach und verführen zum Ausprobieren

Viele der Geschichten sind anrührend und machen Tasty Pride auch zu einem Lesebuch. James Park stellt ein üppiges koreanisches Schweinebauch-Gericht vor, für ihn eine zeremoniell gepflegte Erinnerung an sein Outing gegenüber seiner Pflegefamilie und seiner Trauer darüber, sich den leiblichen Eltern nicht öffnen zu können. Die meisten Gerichte sind eher einfach, wie ein Dip aus weißen Bohnen oder ein mit Nori-Algen aufgepimptes Popcorn.

Ergänzt wird der Rezeptteil durch Praktisches wie ein Glossar für Küchenutensilien. Das listet unter den sinnvollen Dingen neben Küchenmaschine und einem Pürierstab auch noch einen Hochleistungsmixer und ein Standrührgerät auf. Falls es richtig ist, dass der queere Haushalt mehr Geld als der Durchschnitt zur Verfügung hat, so mag man darin einen Beleg finden.

Die Tasty-Buchreihe ist ein Ableger eines Facebook-Kochkanals, dessen großer Erfolg darauf beruht, ein Rezept mit einem Clip in nur zwei Minuten vorzustellen. Jeder Mensch, eine Künstlerin oder ein Künstler? Vielleicht. Jeder Mensch, eine Köchin oder ein Koch? Auf jeden Fall. So legen es die Rezepte auch in Tasty Pride nahe. Und warum nicht, wenn es zum Ausprobieren verführt, statt beim Pizza-Lieferdienst anzurufen.
Tasty Pride – Das Original. 75 Rezepte aus der Queer Food Community. 224 Seiten, Südwest-Verlag. 20 Euro