Triple Three Gin

Schwarzwälder Geist in Südafrika

Ulrike Ott

Von Ulrike Ott

So, 22. März 2020 um 07:00 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Vier Sorten Gin produziert Auswanderer Rolf Zeitvogel in Südafrika – mit Brenngeschirren aus Baden. Die Etiketten entstanden am Kaiserstuhl. Verkauft wird der Gin hierzulande in Gutach im Breisgau.

Ungewöhnlich? Mitnichten. Rolf Zeitvogel, der den Gin destilliert, wanderte zwar schon vor 17 Jahren in die südafrikanische Kapregion aus, ist aber immer noch tief verbunden mit seiner Schwarzwälder Heimat. Die Gin-Manufaktur des gebürtigen Badeners liegt bei Somerset West in einem Gewerbegebiet, das auf den ersten Blick nichts, aber auch gar nichts mit Winzeridyll und pittoresker kapholländischer Architektur gemein hat.

Hausbesuch bei Triple Three Estate

Dabei verbirgt sich hinter dem Eingang der großen Halle eine feine, blitzblanke Brennerei, die Triple Three Estate Destillerie. Gebrannt werden verschiedene Arten von Gin. Der Juniper Berry, der seinen reinen Geschmack nur von einer einzigen und für den Gin relevanten Zutat, der Wacholderbeere, gewinnt. Der African Botanicals hat typisch südafrikanische Aromen. Zeitvogel destilliert Kräuter des Westkaps, dazu den süßherben Rooibos, minzig-frische Buchu-Blätter oder Süßholz. Und beim Citrus Infusion Gin kommen Zitronen und reife Orangen zum Einsatz. Zu den bewährten Geschmacksrichtungen ist mittlerweile eine neue hinzukommen. Himbeeren geben dem Rasberry Blush eine fruchtige Note und eine hellrosa Färbung.

Wer in der Manufaktur verkostet, kommt in einen kleinen, wegen der sommerlichen Hitze stark runtergekühltem Raum, gleich links. Ein stattliche Theke mit sauber aufgereihten Medaillen dahinter, in der Ecke eine kleine Sitzgruppe. An der Wand hängt der Meisterbrief von Rolf Zeitvogel, der seine Prüfung 1993 bestanden hat.

Souvenirs aus der badischen Heimat

Das Originellste ist jedoch die Schwarzwälder Kuckucksuhr, die Rolf Zeitvogel und seine Frau Regina 2003 in einem Umzugskarton mit nach Südafrika brachten und erst einmal vergaßen. Erst als die beiden ihr Gin-Unternehmen in der heutigen Form eröffneten, stießen sie wieder auf das Familienerbstück von 1862 ("steht zumindest drauf", sagt Zeitvogel etwas kritisch) und nagelten es kurzerhand an die Wand. Wer das hölzerne Ziffernblatt wegklappt, sieht im Gehäuse dahinter Originalflaschen der früheren Klosterbrennerei in Emmendingen. Unter der Uhr sind kleine Bollenhüte an ein Holzbord geheftet.

Den Namen Triple Three hat Zeitvogel übrigens nicht von ungefähr gewählt. Erstens ist er ein Vertreter der dritten Generation in einer Familie, die sich auf das Wein- und Schnapsmachen verlegt hat. Zweitens blubbern in seinem Betrieb drei original Schwarzwälder Kessel. Und drittens: Der heute 51-jährige Wein- und Ginmacher ist einst in Deutschland aufgebrochen, um seinen letzten Job als Kellermeister bei der WG Ihringen mit einem Posten im südafrikanischen Stellenbosch zu tauschen.

Vom Wein zum Craft-Gin

Im altehrwürdigen Wine Estate Blaauwklippen war er zuerst Kellermeister, dann bis Anfang 2018 Direktor. Weil er noch während der Zeit auf dem Gut seinen ersten Craft-Gin produzierte und Blaauwklippen auf eine mehr als 333-jährige Geschichte zurückblicken kann, kam Zeitvogel auf den Namen Triple Three, "dreimal drei eben", sagt er.

Aber wir wollten ja auch noch etwas über Gin erzählen, der längst auch in Südafrika aus dem Dornröschenschlaf erwacht und sehr trendig ist. In Kapstadt werden Gin-Festivals gefeiert, es gibt Gin-Bars und zahlreiche Verkostungen. Privatleute bestellen schon mal einen Ginmacher, der seine Produkte im Wohnzimmer präsentiert Auch Zeitvogel hat das schon erlebt. Seine Produkte kommen an, haben schon Preise gewonnen. Während in Südafrika jedoch besonders die reine Wacholderbeer-Variante zieht, ist in Deutschland der African Botanicals am meisten nachgefragt. Wahrscheinlich, weil er exotischer ist und genauso ausgefallen duftet und schmeckt. Wer Zeitvogel-Gin in Südbaden kaufen will, kann das bei der Elztalbrennerei Georg Weis in Gutach in Breisgau, mit den beiden Weis-Brüdern pflegt Zeitvogel ein freundschaftliches Verhältnis, genauso wie mit Franz-Josef Vollherbst von der gleichnamigen Druckerei in Endingen als Partner in Sachen Etiketten oder mit Winzern und Brennern am Kaiserstuhl.
"Wir sind so weit weg und doch so nah." Rolf Zeitvogel

Viele waren schon bei ihm am Kap, Fritz Keller aus Oberbergen beispielsweise oder Joachim Heger aus Ihringen. "Wir sind so weit weg und doch so nah", sagt Zeitvogel, dem dieses badische Netzwerk sehr wichtig ist. Deshalb kommt er auch regelmäßig zur Familie, zu Freunden und zu bestimmten Veranstaltungen. Im Herbst war der Gin-Macher persönlich bei der Plaza Culinaria, um seine Produkte zu präsentieren. Gin, Gin und cheers!
Triple Three Gin aus Südafrika, über die Elztalbrennerei
Georg Weis, Gutach im Breisgau,
Tel.: 07681/47180