Wegbereiter im Tourismus

Titiseer Hotelier Klaus-Günther Wiesler erhält das Bundesverdienstkreuz

Peter Stellmach

Von Peter Stellmach

Mi, 22. Mai 2019 um 18:50 Uhr

Gastronomie

Ein Mensch, der mit Gespür für Innovation vorangeht und das Gemeinwohl im Sinn hat: So wurde Unternehmer Klaus-Günther Wiesler am Mittwoch geehrt: Er beschwor Gemeinsamkeit, denn "dann werden alle gewinnen".

"Es kommt mir vor, als hätte ich nichts getan dafür". Mit dieser Sicht stand Klaus-Günther Wiesler am Mittwoch allein da. Denn Minuten vorher hatten die Landrätin und mehrere Redner den fast 60 Gästen im kleinen Saal des Kurhauses das Gegenteil erzählt und ihn charakterisiert als ruhigen Menschen, der mit Gespür für Innovation im eigenen Unternehmen vorgeht und auch noch das Gemeinwohl im Sinn hat. Dass der Seehotelier für seine Leistungen und als Vorbild verdientermaßen mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, hätte niemand bezweifelt.

Der vom Bundespräsidenten Geehrte war "überwältigt und verlegen", wie er sagte. Der Mann, der "nicht gern im Vordergrund steht", war gerührt. Und blieb sich treu, indem er nicht von sich sprach, sondern davon, wie sehr er sich auf seine "schlagkräftige Truppe daheim" verlassen und sich deshalb auch für Andere "aus dem Fenster lehnen" könne. Oder davon, dass man ja, wenn man "als Normaler" zwischen lauter Bürgermeistern sitze, gar nicht wisse, ob an ernstgenommen werde – genau das aber sei immer der Fall gewesen, gab er einen Einblick in die Gespräche rund um die Fortentwicklung der Tourismusregion.

Wiesler ist Hotelier und Naturparkwirt, führt den Hotel- und Wirteverein, engagiert sich im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband bis hin zur Landesebene, war vor zehn Jahren Mit-Erfinder der Hochschwarzwald Tourismus Gesellschaft und ist seither als Mitglied des Aufsichtsrats eine der treibenden Kräfte der Organisation. Wiesler verriet, woran er sich immer orientiert habe: Gemeinsamkeit, denn "dann werden alle gewinnen."

Landrätin Dorothea Störr-Ritter hatte das äußere Zeichen der Würdigung dabei, das Verdienstkreuz am Band, das Wiesler nach ihrer Überzeugung "hochverdient" habe. Der Landkreis freue sich gern mit. Wie innovativ Wiesler ist, führte sie damit an, dass er schon in den 80er-Jahren im elterlichen Betrieb damit begonnen habe, nachhaltig Tourismus zu betreiben.

Seinen Hotelbetrieb betreibt er zu 99 Prozent CO2-frei

Er habe darin Maßstäbe gesetzt, beispielsweise mit seinem Hotelbetrieb, den er zu 99 Prozent CO2-frei betreibe, oder mit der Gründung der Naturparkwirte. Sie erwähnte seine Umwelt-Auszeichnungen durch die Stadt Freiburg, das Land Baden-Württemberg und Europa. Wiesler beweise, dass Nachhaltigkeit nicht den Verzicht auf Modernität bedeute, er sei gewissermaßen der E-Motor der Region. Störr-Ritter sagte, Wiesler habe stets neue Notwendigkeiten erkannt und sie dann umgesetzt und zu ihrer Umsetzung beigetragen, alles "weit über den Tellerrand hinaus schauend". Damit sei er ein Vordenker für den Tourismus in Titisee-Neustadt, im Hochschwarzwald und im Land.

Den Landtagsabgeordneten Reinhold Pix ist nach eigenen Worten eng verbunden mit dem Seehotelier. Er nannte Wiesler "wandelnde Nachhaltigkeit" und Beweis dafür, "wie man mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben kann". Wenn jetzt der erste Entwurf der künftigen Tourismuskonzeption vorliege, habe "Wiesler die Hand geführt und damit Geschichte geschrieben, ohne dass er es weiß". Pix äußerte auch Gefallen daran, dass Wiesler "alle Klippen umschiffe", während andere jammerten. Nicht zuletzt vermittle der Hotelier wichtige Werte für den Nachwuchs in der Branche. Für Pix stand fest: Die Frage nach der Berechtigung der Auszeichnung brauche man gar nicht erst zu stellen.

Der Bundestagsabgeordnete Felix Schreiner hob ab auf Wieslers Vorbildfunktion für eine Branche, die dafür sorge, dass die Menschen gern und zahlreich als Gäste und Urlauber kommen. Er sei damit ein "großartiger Botschafter der Heimatregion", deshalb: "Fühlen Sie sich ausgezeichnet".

"Alte Knoddle" würden gewöhnlich mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt, Wiesler hingegen sei noch jung und erfülle doch das Kriterium, eine außergewöhnliche Persönlichkeit zu sein: So würdigte Bürgermeister Armin Hinterseh den "Mann der ersten Stunde", als es darum ging, den heimischen Tourismus auf neue Wege zu lenken. Sei es durch die Gründung der HTG, sei es durch die Einführung der Hochschwarzwaldcard, "die er selbst nicht gebraucht hätte", für die er sich aber weitsichtig eingesetzt habe. Wiesler sei kein Marktschreier, sondern tue, was er für richtig halte, verstehe sein Geschäft und wirke sogar im Interesse der Mitbewerber. Deshalb sei er, Hinterseh, "sehr stolz auf ihn".

Für den DeHoGa-Landesverband würdigte dessen stellvertretender Vorsitzender Waldemar Fertz einen Kollegen, der sich nicht nur für die Branche, sondern auch für das Gemeinwohl einsetze. Er sei kein abgehobener Funktionär, sondern Teamspieler, innovativ, zukunftsorientiert, mit dem Blick für das Große und Ganze. Dass der Landesverband mit seinen 12500 Betrieben gut aufgestellt sei und deutschlandweit Beachtung finde, sei auch Wieslers Verdienst.

Und der Geehrte? Bekannte sich als "überwältigt und verlegen" und sagte, dass er ja eigentlich in den Tag lebe. "Ich mache eine Stunde Urlaub beim Biken oder Joggen und genieße es". Dann lud der Naturparkwirt die applaudierende Runde zum Essen ein.